Luxemburg - Die Großregion Luxemburg lädt 2007 als Kulturhauptstadt Europas zu Besuchen ein: Das kulturelle Programm kennzeichnet in den kommenden Monaten das Kulturleben in Luxemburg, in der Wallonie in Belgien, im französischen Lothringen sowie in den beiden deutschen Bundesländern Saarland und Rheinland-Pfalz. Doch nicht nur die große kulturelle Vielfalt macht Luxemburg als Reiseziel attraktiv. Die Hauptstadt des Großherzogtums lebt vom Kontrast zwischen Mittelalter und Gegenwart, dicken Festungsmauern und schlanken Hochhäusern.
Im "Casino" drückt Enrico Lunghi auf einen kleinen Lichtschalter neben der leuchtenden Kugellampe - und nichts passiert. Der Direktor des Luxemburger Forums für zeitgenössische Kunst erläutert den verdutzten Besuchern: "Nun ist eine Lampe im Saarlandmuseum in Saarbrücken erloschen. Mit der Hilfe des Internets hat der Künstler Tobias Rehberger diese Schaltung über die Landesgrenzen installiert."
Das "On/Off, An- und Aus" dieser Leuchten über die Grenzen hinweg ist ein Beispiel für die Ausrichtung des Kulturhauptstadtjahres 2007 in der Großregion Luxemburg. Zum ersten Mal trägt eine gesamte Region den Titel der Kulturhauptstadt - als Stadt hatte ihn Luxemburg schon 1995. Zeitgleich an drei Orten wird daher die Ausstellung "On/Off" um den Themenkreis Licht, Schatten und Dunkelheit gezeigt. Die Installationen von 30 Künstlern sind noch bis zum 25. Februar im Casino Luxemburg, im Saarlandmuseum Saarbrücken und dem Kulturzentrum Frac Lorraine im französischen Metz zu sehen.
"Rund ein Drittel der 450 Projekte ist grenzüberschreitend", sagt Robert Garcia, Generalkoordinator des Kulturhauptstadtjahres. Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen. Die Zentrale für alle Projekte und laut Garcia das "Epizentrum des kulturellen Vulkans" sind zwei alte Lokschuppen hinter Luxemburgs Hauptbahnhof.
"Luxemburger sind eben echte Europäer"
Über die Grenzen - wie ein roter Faden leitet dieser Gedanke durch das Kulturjahr 2007. Luxemburg schlägt nicht nur viele Brücken in die benachbarten Regionen, sondern mit 30 gemeinsamen Projekten auch bis Hermannstadt (Sibiu) in Rumänien, der zweiten Kulturhauptstadt Europas 2007. Die dort lebenden Siebenbürger Sachsen, Nachfahren der Stadtgründer im 12. Jahrhundert, sprechen eine Sprache, die dem Moselfränkischen zwischen Rhein und Mosel ähnlich klingt. Deshalb wird die Luxemburger Kulturfabrik in Esch/Alzette in den kommenden Monaten Künstler aus Rumänien und aus der Großregion Luxemburg präsentieren.
"Luxemburger sind eben echte Europäer", meint Jean Claude Conter vom Luxemburger Tourismusbüro. Menschen aus mehr als 140 Nationen leben und arbeiten in dem kleinen Land, viele von ihnen in den europäischen Behörden oder in einer der 160 Niederlassungen von Banken und Versicherungen. Durch sie ist Luxemburg seit den siebziger Jahren zu einem der bedeutendsten Finanzplätze in Europa geworden.
Stadt Luxemburg: Historie links, Zukunft rechts -auf dem Kirchberg-Plateau stehen unter anderem Luxemburgs modernste Kulturhäuser
Die futuristisch anmutenden Bauten von Philharmonie und MUDAM an der Place de l'Europe sind die jüngsten Beispiele moderner Architektur auf dem Kirchberg-Plateau, das bestimmt ist von Hochhäusern und den Glasfassaden der Verwaltungsbauten: Hier sind der Europäische Gerichtshof, der EU-Rechnungshof, das Sekretariat des Europäischen Parlamentes und andere Institutionen angesiedelt.
"Luxemburg hat mehr zu bieten als Banken und billiges Tanken"
Ein reizvoller Kontrast zum modernen Kirchberg-Plateau ist das mittelalterliche Zentrum Luxemburgs mit seinen schmalen Straßen und verwinkelten Gassen rund um den Palast des Großherzogs und der Liebfrauenkathedrale. Kleine Geschäfte, quirlige Straßencafés und noble Restaurants verlocken zum Verweilen und Einkaufen.
Beim Rundgang durch die Altstadt, die seit 1994 zum Weltkulturerbe zählt, können Besucher in den mittelalterlichen Befestigungsanlagen auch die wehrhafte Seite Luxemburgs erleben. Wie ein löchriger Käse ist der gelbe Sandsteinfelsen des Zentrums ausgehöhlt. Drei Ringmauern zur Verteidigung und die unterirdischen, 23 Kilometer langen Kasematten machten die Festung vor allen Angreifern sicher. Im Jahr 1867 wurde die Festung geschleift. Doch auch heute sind die imposanten Überreste gut zu erkennen, am besten vom steilen Felsplateau "Bock" hoch über dem Alzette-Fluss.
Komplett wird die Tour durch die kleinstädtisch geprägte Metropole erst durch einen Bummel über die Chemin de la Corniche, die auch den Beinamen "schönster Balkon Europas" trägt. Von dem schmalen Sträßchen am Rand des Stadtzentrums blicken Besucher hinab auf das Tal der Alzette und die aus dem 17. Jahrhundert stammende, ehemalige Benediktinerabtei Neumünster im Stadtteil Grund. Noch bis 1995 war das Gebäude ein Gefängnis und das Stadtviertel Grund ein Quartier der Armen. Heute ist die Abtei ein lebendiges Kulturzentrum, in dem auch Veranstaltungen zum Kulturjahr 2007 stattfinden. Und das Quartier mit den schmalen Gassen wurde zu einem schicken Ausgehviertel mit Edel-Restaurants, Kneipen, Bistros und Bars mit Biergärten am Alzette-Fluss.
Im hügeligen Norden Luxemburgs lohnt die Fotoausstellung "Family of Men" im Schloss von Clervaux einen Abstecher. Die auch als "größte Fotoschau aller Zeiten" bezeichnete Sammlung wurde 1955 von dem aus Luxemburg stammenden US-Fotografen Edward J. Steichen für das Museum of Modern Art in New York geschaffen. Sie umfasst heute 503 Fotos von 273 Fotografen aus 68 Ländern und ist seit 1994 in Clervaux zu sehen.
Mit den Kulturprojekten 2007 wollen die Macher um den ehemaligen Eisenhütten-Ingenieur, Lehrer, Journalisten und Buchhändler Robert Garcia die grenzenlose Zusammenarbeit von Künstlern, Theatern, Orchestern und Museen für die Zukunft anstoßen. "Wir wollen auch verdeutlichen, dass Luxemburg viel mehr zu bieten hat als nur Banken und billiges Tanken, nämlich eine ganze Menge kulturelles Leben, für dass es sich lohnt, hierhin zu reisen", lautet Garcias Wunsch dazu.
Von Bernd F. Meier, gms
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