300 Jahre Sankt Petersburg Kein Platz für Jubiläumstouristen

Breite Prachtboulevards, weite Plätze, luxuriöse Paläste, ein grandioser Blick aufs Meer und die viel gerühmten "Weißen Nächte": Sankt Petersburg gilt als eine der schönsten Städte der Welt. Fans sollten allerdings die offizielle Jubiläumswoche für einen Besuch meiden, denn da haben Staatsgäste in den Hotels Vorrang.


Die "Weißen Nächte" von Sankt Petersburg: Ende Juni wird es zwei Wochen lang kaum dunkel
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Die "Weißen Nächte" von Sankt Petersburg: Ende Juni wird es zwei Wochen lang kaum dunkel

Sankt Petersburg - "Nirgendwo auf der Welt hat jemals eine Stadt eine derart grandiose Geburtstagsfeier gehabt", verspricht Oleg Schakalow, stellvertretender Leiter des städtischen Organisationskomitees. Am 27. Mai, der traditionell als Geburtstag Sankt Petersburgs gefeiert wird, wird in der Eremitage eine neue Ausstellung über Peter den Großen eröffnet und die Newa wird mit einer spektakulären Laser-Show illuminiert. Am 31. Mai werden die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten in dem restaurierten Bernsteinzimmer zusammentreffen. Unter ihnen auch Kanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George W. Bush, die sich auf der 300-Jahr-Feier zum ersten Mal seit dem Nato-Gipfel Ende November wieder begegnen.

Auf der Newa wird eine große Flottenparade abgehalten, anschließend gibt es ein Galakonzert mit den Startenören Placido Domingo und Luciano Pavarotti. Insgesamt 200 Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen sind in der Festwoche geplant.

Der Nachteil: Da die russische Regierung fast alle Hotels der Stadt für ausländische Staatsgäste reserviert hat, wird es in der offiziellen Jubiläumswoche vom 23. Mai bis 1. Juni Engpässe bei den Unterkünften geben. Wer der Stadt Puschkins also einen Besuch abstatten will, sollte besser auf einen späteren Termin ausweichen.

Auferstehungskirche: "Grandiose Geburtstagsfeier"
GMS

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Jedes Jahr zieht die zweitgrößte Stadt Russlands rund drei Millionen Touristen an, im Jubiläumsjahr werden es nach Schätzung des Petersburger Fremdenverkehrsamtes noch einmal 200.000 Besucher mehr als sonst sein. "Sankt Petersburg braucht diese Aktivitäten, um seine Bekanntheit und seine Bedeutung in der ganzen Welt zu steigern", betonte Jurij Rudenko vom städtischen Organisationskomitee. "Wir hoffen auf einen Schub für Investitionen in die Wirtschaft und in die Entwicklung des Tourismus."

Gegründet wurde die Stadt im Newa-Delta 1703 unter Zar Peter dem Großen zunächst als Festung. Im Lauf der folgenden Jahre wurden die Wehranlagen an der sumpfigen Flussmündung dann Schritt für Schritt als neues Zentrum des russischen Reiches ausgebaut. 1712 verlegte der Zar seine Hauptstadt nach Sankt Petersburg, Moskau blieb allerdings Krönungsstadt. Peter der Große beauftragte die bedeutendsten Baumeister der Zeit mit der Ausgestaltung seiner neuen Residenz; prachtvolle Paläste, Parks und großzügige Plätze entstanden.

Im Lauf ihrer Geschichte änderte die Stadt gleich dreimal ihren Namen. Während des Ersten Weltkriegs klang Petersburg in den Ohren vieler Russen "zu deutsch", deshalb benannte man sie kurzerhand in Petrograd um. 1924 wurde die Stadt Peters dann in Leningrad umbenannt, um den Gründer der Sowjetunion zu ehren. Nach dem Ende der Sowjetunion erhielt sie dann 1992 schließlich wieder den alten Namen Sankt Petersburg zurück.

Von Irina Titova, AP



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