Jubiläum von Notre-Dame: Paris feiert die "Schöne von der Seine"

Profis putzen 12.000 Orgelpfeifen, in den Türmen hallen bald neun Glocken: Notre-Dame soll in ihrem Jubiläumsjahr glänzen - und von sich hören machen. Paris feiert den 850. Geburtstag seiner beliebtesten Touristenattraktion und macht mehrere Millionen fürs Fest locker.

Pariser Wahrzeichen: Notre-Dame wird 850 Fotos
AFP

"Die Glocken von Notre-Dame haben immer die tragischen und glücklichen Ereignisse der Welt angezeigt", sagt Patrick Jacquin. "Von der Befreiung von Paris bis zum Tod von Papst Johannes Paul II." Der Rektor der Kathedrale spricht mit Stolz, aber auch mit großer Innigkeit über das Bauwerk. "Nehmen Sie nur den Namen: Unsere (liebe) Frau!", ruft der Erzpriester aus. "Das ist unsere Mutter, die, in den Falten ihres Mantels, alle aufnimmt." Nun wird die weltberühmte Kathedrale 850 Jahre alt - und Paris lädt zu einem Jubiläumsjahr voller Veranstaltungen und Neuerungen.

Für Touristen und Pilger sind Kolloquien, Konzerte und Ausstellungen in Planung. Die große Orgel wurde für die Feierlichkeiten auf Vordermann gebracht, indem Experten 12.000 Pfeifen reinigten. Das Ergebnis wird man erstmals am Mittwoch zum Auftakt des Jubiläumsjahres hören können, wenn der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, in Notre-Dame eine große Messe zelebrieren wird. Zudem werden ab nächstem Jahr neun Glocken in den beiden Türmen angebracht sein, sie sollen wieder so klingen wie vor der Französischen Revolution.

Als eines der weltweit imposantesten Meisterwerke gotischer Architektur zählt die Kathedrale auf einer Seine-Insel zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Grundstein für den Sakralbau wurde unter Bischof Maurice de Sully im Jahr 1163 gelegt. Fast 200 Jahre dauerte die Fertigstellung des Gotteshauses, das später mehrfach geplündert und verwüstet wurde.

Nach der Französischen Revolution rettete die Restaurierung unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc das Monument vor dem Verfall. Doch berühmt wurde die Kathedrale vor allem durch den Roman des Schriftstellers Victor Hugo, der im "Glöckner von Notre-Dame" leidenschaftlich Details des Bauwerkes schildert. Die Türme und Glocken, Wasserspeier, Fenster und Rosetten begeistern noch heute die Besucher aus aller Welt.

"Die Schöne von der Seine"

Notre-Dame zieht jedes Jahr mehr als 13 Millionen Menschen an und damit die mit Abstand meisten Besucher unter den Wahrzeichen von Paris. An manchen Tagen kommen mehr als 50.000 in die Kathedrale, die sich im französischen Staatsbesitz befindet. "Unter den Besuchern sind natürlich viele Touristen", sagt Kaplan Gérard Pelletier. Es kämen aber auch Pariser, denen zu kalt oder zu heiß ist. Und Gläubige, die einen Moment der Stille oder mehr Anonymität als in der Kirche ihres Viertels suchen.

"Manche kommen jeden Abend aus den entlegensten Vorstädten per Zug, um an der Abendmesse teilzunehmen", erzählt Pater Pelletier. "Ich sage manchmal im Spaß, dass dieses Gebäude verrückt macht. Man findet hier etwas spirituelle Verrücktheit, etwas administrative Verrücktheit, etwas künstlerische Verrücktheit."

Nun feiert "die Schöne von der Seine" ihr 850-jähriges Bestehen: Der Startschuss für die einjährigen Feierlichkeiten fällt am Mittwoch. 6,5 Millionen Euro kostet das Jubiläumsjahr, die allein aus Spenden zusammenkommen sollen. Jahr für Jahr müssen für Erhalt und Restaurierung von Notre-Dame ohnehin 350.000 bis 400.000 Euro aufgebracht werden.

Nach wie vor gilt die Kirche als das Herz von Paris. Der Beweis: Noch heute werden alle französischen Straßenentfernungen ab einem Punkt null in Paris berechnet - ab dem Vorplatz der Kathedrale Notre-Dame.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Eins der weltweit imposantesten Meisterwerke gotischer Architektur?
grübelitis 10.12.2012
Bitte nicht böse sein – ja, die Kathedrale in Paris ist schön, sehr schön – aber alleine in Frankreich kenne ich schon noch ein paar andere gotische Kathedralen, die Notre-Dame in Paris locker das Wasser reichen können. Allen voran Notre-Dame in Reims – aber an dieser „kleinen“ Stadt braust man ja auf dem Weg nach Paris vorbei, obwohl in der Abtei St. Remi gleich noch die ganze architektonische Entwicklung von Romanik bis Barock abzulesen ist. Und wie wäre es, wirklich nur als nahezu beliebig fortsetzbare Aufzählung, mit Rouen oder Amiens? Wozu dieser Hype um Notre-Dame in Paris - wohin eh jeder geht?
2. Katzensprung
cythere 10.12.2012
Weil es um den sinnlosen Event geht, den das Stadtmarketing braucht, und nicht um Kennerschaft. Aber wenn man schon mal da ist, empfiehlt es sich durchaus auch bei der Saint-Chapelle vorbeizuschauen. Nur ein Katzensprung.
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