Akropolis Museum: Antike für Schwindelfreie

Athens antike Schätze haben eine neue Heimat: Das Akropolis-Museum eröffnet am Samstag - nach jahrelangen Querelen, Rückschlägen und Verzögerungen. Mit der Feier wollen die Griechen den Druck auf Großbritannien erhöhen, den antiken Parthenon-Fries zurückzugeben.

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Athen - "Jetzt können wir wieder stolz sein und davon träumen, dass die gestohlenen Friesteile wieder nach Athen kommen", so kommentiert ein 49-jähriger Barman im Zentrum Athens die bevorstehende Eröffnung des neuen Akropolis-Großmuseums am 20. Juni.

Busse und Züge in Athen sind mit Fotos des Parthenon, des wichtigsten Tempels auf der Akropolis, geschmückt. Doch Teile des abgebildeten Frieses liegen immer noch im Britischen Museum in London. Für die Eröffnung des neuen Projekts bereitet Athen eine große Feier vor, die in alle Welt übertragen werden soll. Staats- und Regierungschefs aus mindestens 20 Ländern Europas und rund ums Mittelmeer sind eingeladen.

Eintrittskarten für die ersten drei Tage nach der Öffnung sind bereits vergriffen. Nur wenige Stunden dauerte der Verkauf per Internet, der am Montagabend begonnen hatte. "Die insgesamt 2250 Tickets waren bis heute morgen (Dienstag) verkauft. Die Leute kauften Tickets die ganze Nacht durch", sagte die Architektin im Athener Kulturministerium, Evgeneia Kalogeratou. Der Eintritt wird in den ersten sieben Monaten nur einen Euro betragen. Auch nach dem 1. Januar 2010 soll der Eintritt nur auf fünf Euro erhöht werden.

Das neue Museum am Fuß der Akropolis hat drei Stockwerke und eine Fläche von insgesamt 25.000 Quadratmetern. Die Errichtung des größtenteils aus Stahl und Glas gebauten monumentalen Gebäudes hat mehr als elf Jahre gedauert.

"Glas und Stahl sind ideal für dieses neue moderne Museum", sagt der Museumschef und Archäologieprofessor Dimitris Pandermanlis. Vom Museum ist der Blick frei auf die Akropolis, aber auch auf die Ausstellungsstücke und die Fundamente des Gebäudes. So ist das Erdgeschoss nur für Schwindelfreie geeignet, denen der Blick durch das Kunststoffglas des Fußbodens etwa acht Meter tief auf die Fundamente nichts ausmacht.

Ringen um den Parthenon

"Ich hatte den Eindruck, ich schwebte in der Luft. Mir wurde schwindlig", sagte Marianne Jordan. Die Deutsche aus Schleswig-Holstein lebt ständig in Athen und konnte sich das Museum schon einige Wochen vor der Eröffnung ansehen. Die Säulen des Museums stehen auf ausgegrabenen Fundamenten und Mauern von Wohnhäusern aus der Antike bis ins 13. Jahrhundert. Die Pläne entwarf der Schweizer Stararchitekt Bernard Tschumi.

Athen will mit der geplanten Feier auch Großbritannien weiter unter Druck setzen, den antiken Parthenon-Fries zurückzugeben. "Sie gehören hierher", hatte in den achtziger Jahren die griechische Schauspielerin und sozialistische Kulturministerin Melina Merkouri ("Sonntags nie") immer wieder gesagt und damit den Streit zwischen Athen und London ausgelöst. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der damalige britische Botschafter in Istanbul, Lord Elgin, die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht.

56 der 96 Platten des Parthenon-Frieses befinden sich bis heute im Britischen Museum in London. Im neuen Akropolis-Museum sollen die Teile als verschwommene Hologramme und Duplikate aus weißem Marmor dargestellt werden, um ihr Fehlen zu unterstreichen. "Die Friesteile gehören der Welt und müssen zusammengeführt werden. Sie gehören nicht den Engländern", erklärt der griechische Kulturminister Antonis Samaras immer wieder.

Das Britische Museum hatte bislang argumentiert, in Athen gebe es keinen geeigneten Aufbewahrungsplatz für die Relikte. Dieser Mangel sei mit dem neuen Museum nun beseitigt, meinen die Griechen. Der Parthenon ("Jungfrauengemach") ist eines der berühmtesten noch existierenden Baudenkmäler des antiken Griechenland.

Von Takis Tsafos, dpa

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