Architekturstadt Rotterdam: Schaffe, schaffe, Hochhäuser baue

2. Teil: Blick vom Mast zur Nordsee

Rotterdam: Party an der Maas
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Sicher hat Rotterdams Kühnheit auch damit zu tun, dass die Stadt wie kaum eine andere in Europa von Anfang an mit dem aufstrebendem Amerika verbunden war. Von Delfshaven aus - dem romantisch-gemütlich Hafenviertel, das einst zur nahe gelegenen Stadt Delft des Malers Jan Vermeer gehörte - begannen 1620 die Pilgerväter ihre Überfahrt in die Neue Welt. Rotterdams Beiname "Manhattan an der Maas" spielt also nicht allein auf seine Hochausarchitektur an.

Der schönste Anfang für eine Erkundung der Wassermetropole ist der gute alte Euromast. Der 1960 zur Eröffnung der Gartenschau Floriade fertiggestellte Aussichtsturm punktet im europäischen Vergleich nicht unbedingt mit überragender Höhe - es sind 185 Meter bis zur Spitze. Aber die Lage ist traumhaft, mit Blicken bis zur Nordsee. Die zwei Luxussuiten in der Turmspitze sind ein Renner bei Paaren, die ihre Hochzeitsnacht in luftiger Höhe verbringen möchten.

Unten geht man am besten zum nahen Pier der Wassertaxis. Diese oft von alten Hafenarbeitern gesteuerten, gelb-schwarzen Flitzer rasen in einem Wahnsinnstempo über Rotterdams Wasserstraßen. Vorbei geht es an Fähren, Fahrgastschiffen, Segelyachten, Schleppkähnen und einer neuen Generation von Amphibienfahrzeugen - den schwimmenden Bussen von "Splashtours", die auf Asphalt- und Wasserstraßen einsetzbar sind.

Ein häufiges Ziel der Wassertaxi-Kunden ist ein Ozeandampfer. Die "SS Rotterdam" beförderte seit 1958 gut betuchte Gäste nach New York und später bei Kreuzfahrten zu exotischen Zielen. Zu den ersten Passagieren gehörte die damalige Kronprinzessin und spätere Königin Beatrix. "Schon heute auf dem Schiff von morgen reisen", lautete einst der Werbeslogan. Nach einer millionenschweren, sorgsamen Renovierung, bei der glücklicherweise die Kabineneinrichtung der fünfziger Jahre aufgemöbelt statt entfernt wurde, liegt der gestrige Stolz der Holland-Amerika-Linie für immer fest vertäut schräg gegenüber vom Euromast am Kai: als Hotel, Museum, Gastronomie- und Partytempel.

Kunst und Biertje

"Rotterdam Is Many Cities" lautete das Motto, als die Metropole vor rund zehn Jahren Kulturhauptstadt Europas war - eine Anspielung darauf, dass hier Menschen aus mehr als 150 Nationalitäten leben. Einen kleinen, aber dafür besonders lebhaften Ausschnitt aus der Multikultiszene bietet die Bar- und Gourmetmeile Witte de Withstraat. Praktischerweise liegt sie neben dem Museumsviertel, so dass zwischen Kunstgenuss und "Biertje" nur ein paar Minuten Fußweg liegen.

Man kann hier auch Kroketten oder "Bitterballen" probieren - mit ihren nie ganz klar definierbaren Ragoutfüllungen, wie sie die Niederländer so lieben. Aber man muss nicht. Die Restaurantauswahl reicht von erstklasiger italienischer Küche im "Oliva" - mit einem Drei-Gänge-Überraschungsmenü für 35 Euro - über Imbissgerichte aus surinamischen oder indonesischen Kochstuben bis hin zum türkisch-libanesisch-marrokanisch geprägtem "Bazar" mit herrlichen Couscous-Gerichten für rund 13 Euro.

Die Clubbing-Szene der Stadt trägt maßgeblich dazu bei, dass Rotterdam als Metropole der Jugend und immerwährenden Dancefloor-Innovation gilt. Zu den angesagten Läden gehören die Großraumdisco "Off Corso" oder der Livemusik-Club "Rotown". Auch hier gilt: Man schaut mit einem Auge nach Amsterdam, um es möglichst immer noch eine Spur toller zu machen.

Thomas Burmeister, dpa

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  • Datum: Sonntag 25.07.2010 | 09:39 Uhr
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Zweitgrößte Stadt der Niederlande: Rotterdam liegt in Südholland an den Ufern der Nieuwe Maas, die zum Rhein-Maas-Mündungsgebiet gehörtZur Großansicht
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