Baltikum Zwischen Tradition und Aufbruch

Die baltischen Staaten haben den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt und kräftig investiert. Kultur, malerische Landschaften und Bernstein sollen die Besucher in die Region locken. Das Besondere an einem Urlaub im Baltikum ist aber die familiäre Atmosphäre, mit der die Gäste empfangen werden.


In Nidden wohnt man komfortabel in umgebauten Fischerhäusern
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In Nidden wohnt man komfortabel in umgebauten Fischerhäusern

Das Baltikum kann aber mit mehr aufwarten als bewundernswerter Gastfreundschaft, die immer wieder mit meist selbstgebranntem Wodka gepflegt wird. Auf der Kurischen Nehrung, der Nahtstelle zwischen Litauen und Russland, fühlte sich seinerzeit schon Thomas Mann heimisch. Im Örtchen Nidden hat das Domzil des Schriftstellers die wechselhaften Zeiten der Region unbeschadet überstanden. Es beherbergt mittlerweile ein "Thomas-Mann-Museum". Zwischen den teils hölzernen Fischerhütten, die heutzutage häufig zu kleinen gemütlichen Pensionen mit viel Komfort umgebaut sind, bieten Händler das "Gold der Ostsee" an. Bernstein ist einer der wertvollsten Rohstoffe der sonst wirtschaftlich schwachen Region. Dementsprechend günstig werden Bernsteine in allen erdenklichen Formen den "reichen" Touristen aus dem Westen angeboten. Für einen Bruchteil der in Deutschland üblichen Preise gibt es Halsketten, Broschen, Briefbeschwerer, Rohbernstein oder im erstarrten Harz eingeschlossene Insekten. Und niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, denn die Preise, die den Gästen aus dem Westen abgenommen werden, sind natürlich "Touri-Preise".

Wer selber sein Glück versuchen will, kann an dem scheinbar endlosen Ostseestrand selber nach Bernsteinen suchen - zur einen Seite die Ostsee, zur anderen eine einmalige Dünenlandschaft und Kiefernwälder. Eine andere beliebte Freitzeitbeschäftigung auf der Kurischen Nehrung ist das Radfahren. Und wer dabei einmal vom Wege abkommt, kann sich auf die prompte Hilfe der Litauer verlassen, von denen zumindest hier auf der Kurischen Nehrung viele Deutsch sprechen.

In Vilnius sind seit 1991 viele historische Gebäude mühevoll restauriert worden
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In Vilnius sind seit 1991 viele historische Gebäude mühevoll restauriert worden

Aber auch im Landesinneren hat Litauen viel zu bieten. In der Hauptstadt Vilnius warten eine große Anzahl von Barockkirchen und viele weitere große und kleine Sehenswürdigkeiten auf die Besucher. Rundum die Hauptstadt locken Wälder, Heide, zahlreiche Seen und Kloster.

Im baltischen Bruderland Estland gibt es Hansestädte, Moore, Ordensburgen, Gutshäuser, Mühlen und Leuchttürme zu entdecken. Die Bach-Konzertreihe in der Hauptstadt Tallinn, mit ihrem unverwechselbaren mittelalterlichen Charme, könnten eine weitere Station einer Baltikumsrundreise sein. Auch die lettische Metropole Riga wartet mit architektonischen "Leckerbissen" auf - nicht zu Unrecht trägt sie den Beinamen "Schatzkammer des Jugendstils".

Info:

Auf Reisen ins Baltikum hat sich der Hamburger Reiseveranstalter Schnieder spezialisiert (Tel: 040/3802060). Wer auf eigene Faust die Region erkunden will, kann zum einen natürlich per Flugzeug anreisen oder den kostengünstigeren Landweg per Bahn oder Auto wählen, wobei zu bedenken ist, dass bei dieser Reiseart schon fast der Weg das Ziel ist. Eine dritte Möglichkeit, die einen annehmbaren Kompromiss zwischen den ersten beiden darstellt, ist der Seeweg. Ab Kiel legen mehrmals in der Woche Fähren Richtung der litauischen Hafenstadt Kleipeda ab. Auf den ehemals größten Eisenbahnfähren der Welt schippert man gemeinsam mit Brummifahrern innerhalb von anderthalb Tagen an der deutschen, dänischen, schwedischen, polnischen und russischen Ostseeküste vorbei. Die Einreiseformalitäten sind verhältnismäßig unkompliziert, zwar nimmt der Zoll seine Aufgabe je nach Tageslaune mal mehr mal weniger genau, aber westliche Besucher werden in der Regel nicht geflöht. Und auch Visa sind in allen drei baltischen Staaten für Deutsche nicht vorgeschrieben.

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