Bayerischer Hof Grandhotel von Königs Gnaden

Das Südseeparadies liegt ein paar Stockwerke über dem Promenadenplatz in der Münchner Innenstadt: schneeweißer Sand, Muscheln, sanfte Wellen - in der "Trauminsel-Suite" des Bayerischen Hofs können Fernweh-Kranke ihre Sehnsucht nach Exotik stillen.


Der Spiegelsaal des Hotels Bayerischer Hof
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Der Spiegelsaal des Hotels Bayerischer Hof

Im traditionsreichsten Luxushotel Münchens gleicht keine Suite der anderen. Von bayerisch-barock über romantisch bis verspielt reicht die Bandbreite der Einrichtungsstile. In der Trauminsel-Suite paaren sich etwa bunte Wandgemälde mit Bambusmöbeln. Höhepunkt ist jedoch das Bad, in dem - unter Plexiglas - ein echter Sandstrand und eine riesige Badewanne mit Whirlpool auf den Gast warten.

Nicht nur bei den Suiten, auch in den Zimmern findet sich keine Standardmöblierung. "Accessoires machen den Luxus eines klassischen Grandhotels aus", erklärt Christine Graf-Eckhard, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Hofs. Dabei gehe es nicht um den Fernseher oder die Obstschale, die heute in den meisten Hotels Standard seien. Wichtig seien vielmehr Details wie frische Blumen oder Bücher.

"Wir wollen ein zweites Zuhause bieten", erklärt Graf-Eckhard. Und so kümmern sich mehr als 700 Angestellte in dem Haus, das in einer der vornehmsten Gegenden München zu finden ist, auch um die ausgefallenen Wünsche ihrer Gäste - beispielsweise um die eigene Küche, die Startenor Luciano Pavarotti in seine Suite einbauen ließ.

Blick von der Terasse auf die Frauenkirche
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Blick von der Terasse auf die Frauenkirche

Seine Gründung hat das Hotel Bayerns König Ludwig I. zu verdanken. 1839 äußerte er die Ansicht, "dass man auch in München ein erstrangiges Hotel für vornehme Reisende von Stand benötigen würde". Dem Wunsch des Monarchen wurde entsprochen - 1841 öffnete der Bayerische Hof seine Pforten. Zu den "Stammgästen" zählte auch Ludwig I. selbst: Da es in seiner Residenz keine Badewanne gab, kam der König zuweilen für ein Bad.

1897 kam das Hotel in den Besitz der Familie Volkhardt, der das Haus bis heute gehört. Dabei hinterließ die wechselvolle Geschichte Deutschlands auch im Bayerischen Hof tiefe Spuren. Die schlimmste Krise erlebte das Hotel im Zweiten Weltkrieg. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 wurde es bei Bombenangriffen fast völlig zerstört.

In den fünfziger Jahren kehrte dann der Luxus zurück in den Bayerischen Hof. Das Hotel bekam unter anderem ein Schwimmbad auf dem Dach und ein eigenes Theater. Dazu kamen der Festsaal, Banketträume, drei Restaurants und eine Geschäftsstraße. Auch wenn das Hotel mittlerweile nicht mehr wächst, wird dennoch ständig an und in ihm gearbeitet. Vor allem für die Inneneinrichtung gibt es immer wieder neue Ideen.

Anhänger des britischen Landhausstils kommen derzeit etwa in der Laura-Ashley-Suite auf ihre Kosten, romantische Gemüter in der Paris-Suite - einer bühnenreif inszenierten Zimmerflucht inklusive Zimmerbrunnen.

Im Vergleich zu anderen Häusern hat der Bayerische Hof laut Christine Graf-Eckhard eine sehr große Anzahl von Suiten. "Die werden einfach gebraucht", erklärt sie. Schließlich gilt das Hotel seit jeher als Münchens erste Adresse: Konrad Adenauer, Franz Kafka, Fürstin Gracia Patricia von Monaco, die Beatles und die Rolling Stones, Boris Becker, Charlie Chaplin und Alfred Hitchcock - die Liste berühmter Gäste ist lang.

Dennoch gibt es auch im Bayerischen Hof besondere Tage - etwa wenn Staatschefs dort logieren oder Popstars, die vor kreischenden Fan-Horden abgeschirmt werden müssen. "Die Kusine des Sultans von Brunei ließ sich zum Beispiel einmal zwei komplette Stockwerke reservieren. In solchen Fällen herrscht dann schon der Ausnahmezustand", erzählt Graf-Eckhard.

Für öffentlichkeitsscheue Prominente können auch ganze Trakte vom Rest des Hotels abgeschottet werden. Auf diese Weise können sie - ganz ohne gesehen zu werden - von ihrer Suite in die Tiefgarage gelangen und unbemerkt das Hotel verlassen. Einige Suiten sind auch so gebaut, dass selbst der geschickteste Klatschfotograf keine Chance hat, durch die Fenster zu einem Schnappschuss zu kommen. Spiegel unterhalb der verhältnismäßig kleinen Fenster sorgen in diesen Räumen dafür, dass es dennoch nicht zu dunkel wird.

Traditionshaus am Promenadenplatz in der Münchner Innenstadt
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Traditionshaus am Promenadenplatz in der Münchner Innenstadt

Manche der Suiten sind so groß wie mehrere Einfamilienhäuser. 584 Quadratmeter misst die größte, die dem Bayerischen Hof nach Angaben von Graf-Eckhard damit auch einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verschaffte. Die schönste Aussicht genießt man dagegen in der neuen Suite 705 in der obersten Etage des Hauses. Über eine schmale Wendeltreppe geht es hinauf in das Schlafzimmer, in dem eine fast durchgängige Fensterfront den Blick nach drei Seiten hin frei gibt über die Innenstadt bis in die Alpen hinein.

Angesichts dieses Panoramas würde sicherlich mancher Gast gerne den ganzen Tag im Bett liegen bleiben - im Prinzip kein Problem, auf Wunsch wird schließlich alles, was der Gast begehrt, aufs Zimmer geliefert.



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