Bedrohte Sehenswürdigkeit Paris bittet Maler von Montmartre zur Kasse

Der pittoreske Bilderwald vor der Kirche Sacré Coeur ist bedroht: Die Stadt Paris hat die Standmiete der Maler und Karikaturisten auf dem Montmartre mehr als verdreifacht. Die Künstler fürchten um ihre Existenz.

Montmartre: Maler müssen doppelt so viel Miete wie Cafés zahlen
Reuters

Montmartre: Maler müssen doppelt so viel Miete wie Cafés zahlen


Paris - Sie gehören zu Paris wie der Eiffelturm und die Seine: die Maler von Montmartre. Doch jetzt fürchten zahlreiche der 298 Populärkünstler, die in dem Viertel im Norden der Hauptstadt mit offizieller Genehmigung ihre Staffelei aufbauen dürfen, um ihre Existenz.

Zwar gehört für viele Touristen ein Gang durch ihren Bilderwald nach einem Besuch der Kirche Sacré Coeur einfach dazu. Doch die Stadt Paris hat ihnen jetzt die Standmiete von 160 auf 554 Euro je Quadratmeter und Jahr erhöht, berichtete die Tageszeitung "Le Parisien". Damit zahlen die Maler und Karikaturisten gut doppelt so viel wie die Cafés für ihre Terrassen.

"Das ist der falsche Moment für eine Erhöhung", klagt der Maler Atilio. Die Bilder fänden vor allem bei Amerikanern und Japanern Anklang. Doch gerade die litten jetzt am meisten unter der Krise. "Die Leute schauen - aber sie kaufen nicht mehr", klagt der 70-Jährige der Zeitung. Die Erhöhung werde "sehr wehtun", weil schon jetzt manche Kollegen nur mit Müh und Not vom Verkauf ihrer Bilder leben könnten, sagte Midani M'Barki vom Künstlerverband Paris Montmartre.

Viel schlimmer sei aber, dass die Behörden die Straßenmaler "wie Waffelverkäufer" behandelten, obwohl Urlauber aus aller Welt eigens wegen der Maler nach Montmartre kämen. Auf dem Place du Tertre teilen sich jeweils zwei der zugelassenen Maler im täglichen Wechsel einen der 149 durchnummerierten Plätze. Jedes Jahr wird nur etwa ein Dutzend Plätze frei, weil Künstler aufhören oder sterben.

Die Wartelisten sind lang, wie einer der alteingesessenen Maler dem "Parisien" sagte - schließlich besuchen jedes Jahr rund zehn Millionen Touristen das Viertel am Fuße der berühmten weißen Basilika Sacré-Coeur. Nun hoffen die Vereinigungen der Maler auf ein Eingreifen von Kulturminister Frédéric Mitterrand.

abl/dpa/AFP

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