Berliner Image-Kampagne Mehr Herz als Schnauze

Für ihre Nettigkeit sind Berliner nicht gerade bekannt - eher für ihren rüden Charme. Mit einer Offensive will die Hauptstadt nun ihr ruppiges Image verbessern. Rote Buttons weisen Tausende Polizisten, Taxifahrer und Straßenfeger aus, die sich in Freundlichkeit üben.


Berlin - Man schrieb das Jahr 1999, die Bundesregierung war gerade umgezogen, als der Verbindungsoffizier aus dem Verteidigungsministerium seine erste Erfahrung mit den Berlinern machte. "Guten Morgen", grüßte der Mann freundlich, als er eines Morgens in den Bus stieg. "Wollnse mir verarschen?", knurrte der Busfahrer zurück.

Bitte lächeln: Berlin verordnet Freundlichkeit
DPA

Bitte lächeln: Berlin verordnet Freundlichkeit

Die Geschichte ist verbürgt, und sie gehört zu den zahllosen Anekdoten, die Zugereiste über den rüden Charme der Hauptstädter erzählen können. Ruppig, aber mit Herz, lautet das gängige Vorurteil über die Berliner, und: "Kein Respekt vor niemand". Das musste kürzlich auch Michael Glos erfahren, der als Wirtschaftsminister Zufahrt zu einem Tagungsort verlangte, wo ein Staatsgast auf ihn wartete, und der von einem Polizisten mit den Worten gestoppt wurde: "Det is mir schnuppe!"

Die Staatskarosse soll dem Polizisten danach über den Fuß gerollt sein, dicke Schlagzeilen waren die Folge, und die Macher der millionenteuren Imagekampagne "Be Berlin", die die Hauptstadt seit 2008 als kreative und weltoffene Metropole zu präsentieren versucht, dürften sich wieder einmal die Haare gerauft haben. Die einfache Erkenntnis: Dem Gast ist es im Zweifelsfall herzlich egal, dass die Stadt "arm, aber sexy" ist, wenn er von Polizisten, Taxifahrern oder Schaffnern angeschnauzt wird.

Rotes I auf der Brust

Daraus will die Hauptstadt jetzt Konsequenzen ziehen: Pünktlich zum Start der Tourismusmesse ITB hat die Kampagne "Be Berlin" eine Freundlichkeitsoffensive gestartet. Unter dem Motto "Herz und Schnauze" sollen ab Mittwoch mehrere tausend Berliner mit bunten Buttons an der Kleidung unterwegs sein, die sie als freiwillige Ansprechpartner für ratsuchende Gäste ausweisen.

Zur der Aktion haben sich bislang 1000 Polizisten, fast 2000 Beschäftigte von S- und U-Bahnen, 150 Straßenfeger und 500 Messehostessen bereit erklärt, aber auch Taxifahrer, Kellner und andere Dienstleister. Sie sollen Auskünfte geben, bei Bedarf Stadtpläne verteilen, vor allem aber herzlich und zuvorkommend sein.

Ziel sei es, "die Stadt ein wenig freundlicher zu machen", sagte Rene Gurka von der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner bei der Vorstellung der Kampagne. Trotz aller Vorurteile seien die Berliner nämlich in Wahrheit "serviceorientiert, gastfreundlich und weltoffen".

Und selbstironisch sind sie auch: "Wat kiekstn so, Fatzke?", heißt es auf Postkarten, die zu der Kampagne gedruckt wurden, oder "Allet klar, dit kannste gleichma wieda knicken", begleitet von dem Slogan: "Coming soon: Das freundliche Berlin".

Die Kampagne ist nicht die Erste dieser Art. Schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 konnten Berliner Taxifahrer ein Extra-Training in Englisch und Höflichkeit absolvieren. Das Angebot einer privaten Sprachenschule und der Taxifahrerinnung war damals Teil einer nationalen Service- und Freundlichkeitskampagne, die sich das Wirtschafts- und das Innenministerium drei Millionen Euro kosten ließen. Über den Erfolg ist allerdings nichts bekannt.

Uta Winkhaus, AP



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