Berliner Museum Kult um die Currywurst

Der Ikone der deutschen Pommesbudenkultur wird ein Denkmal gesetzt: Mitte August eröffnet in der Hauptstadt das erste Deutsche Currywurst-Museum. Die zukünftige Direktorin will sämtliche Dimensionen der Wurst beleuchten, dabei helfen werden ihr Berliner Sterneköche.


Berlin - Die Currywurst gehört zu Berlin wie Hertha BSC, Brandenburger Tor und Berliner Bär. An mehreren hundert Buden und Imbissständen wird in der Stadt die Wurst in der Würztunke verkauft - von Kreuzberg bis Charlottenburg, von Marzahn bis Mariendorf. Und auch die offizielle Erfinderin des genial einfachen Gerichts war eine Berlinerin. Grund genug für eine kleine Privatinitiative, Deutschlands Imbiss Nummer eins endlich ein Denkmal zu setzen: Am 16. August eröffnet in Berlin das erste Deutsche Currywurst-Museum.

"Unser Ziel ist es, sämtliche Dimensionen der Currywurst zu beleuchten", sagt die Kultursoziologin und designierte Direktorin des Museums, Birgit Breloh, bei der Vorstellung des Konzepts am Mittwoch. Immerhin würden in Deutschland 800 Millionen Currywürste pro Jahr gegessen. "Das heißt, in jeder Minute werden 1500 Currywürste verspeist." Außerdem sei die Currywurst mehr als ein Wahrzeichen Berlins. "Es gibt so viel zu erzählen."

Ganz in der Nähe des Checkpoint Charlie, auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern bauen die Betreiber dazu ein poppig-buntes Panorama auf, in dem es buchstäblich um die Wurst geht: In einer begehbaren Imbissbude machen die Besucher mit allen notwendigen Gerätschaften Bekanntschaft. An Stehtischen sind Hörstationen in Form von Ketchup-Flaschen aufgebaut, an denen Prominente ihre Liebe zur Currywurst erklären.

Stilisierte Soßentropfen hängen von Decke, Wurstsofas laden zum Verweilen ein, und eine Soßenspur zieht sich durch die Ausstellung. "Das Geheimnis der Currywurst liegt in der Soße, das haben wir als Leitmotiv genommen", sagt Stefan Weil von der Agentur Markgraph, die das Konzept mitentwickelt hat.

Currywürste von Sterneköchen

Einen Kinobereich wird es geben mit Szenen aus der Fernsehserien wie "Drei Damen vom Grill", eine Gewürzkammer und einen eigenen Raum für Herta Heuwer, die offizielle Erfinderin der Currywurst. Der Legende nach stand sie sich an einem verregneten Abend im September 1949 in ihrem Imbisswagen im amerikanisch besetzten Westteil von Berlin die Beine in den Bauch und fing aus lauter Langeweile an, Gewürze und Tomatenmark zusammenzurühren.

Heraus kam die "Chillup-Soße", eine Currysoße, die sie mit Brühwursten servierte - die erste Currywurst der Welt, eine Anlehnung an das Steak mit Ketchup, das die US-Soldaten so gerne aßen und das bis zur Nachkriegsbesatzung in Deutschland völlig unbekannt war.

Natürlich werde das Museum auch auf den "Currywurst-Krieg" zwischen Berlin und Hamburg um die tatsächliche Urheberschaft eingehen, sagt die designierte Direktorin Breloh. Aber die Erfindung der Currywurst in Berlin sei historisch am besten belegt.

Und selbstverständlich werden die Besucher auch jede Menge Currywürste essen können. Die Berliner Sterneköche Thomas Kammeier und Kolja Kleeberg mixten extra für das Museum eigene Soßen zusammen. Daneben soll es verschiedene Varianten aus den deutschen Regionen geben, genauso wie vegetarische Würste und sogar eine Komposition mit Blattgold.

Mit großen Gewinnen rechnen die Initiatoren des Currywurst-Museums nicht. "Wir nehmen das eher sportlich", sagt der Kurator Martin Löwer. "Es ist ein witziges Thema und ein interessantes." Etwa 20 Freunde, Bekannte und Currywurst-Fans konnte der 54-jährige Unternehmensberater für sein Projekt gewinnen. Rund 50 Millionen Euro ließ sich die Gruppe das Museum kosten.

Um den Zuspruch der Besucher ist den Organisatoren nicht weiter bange: Rund 350.000 Besucher erwartet das Museum jährlich. "Ich habe schon einen überquellenden Ordner voll mit Anfragen von Schulklassen aus Schweden und Amerika", sagt Breloh. Mit Sicherheit sei dies die verrückteste Idee seines Lebens gewesen, bekennt Löwer. Aber damit scheint er ganz glücklich: "Ich hatte schon viele seriöse Ideen, aber für die hat sich niemand so interessiert wie für diese hier."

Marion Meyer-Radtke, AFP



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