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Weihnachtstourismus: Betlehem beklagt Pilgerflaute

Betlehem ist an Weihnachten normalerweise ausgebucht. Doch dieses Jahr kommen kaum Pilger in die Stadt, in der Jesus Christus geboren sein soll. Die Fremdenführer suchen nach einer Erklärung für die fehlenden Touristen.

Tourismusflaute: Betlehem ohne Pilger Fotos
DPA

In ihren leeren Läden mit Krippenfiguren und den verwaisten Restaurants sind sich Verkäufer und Gastwirte einig: "So ein trauriges Weihnachten hat Betlehem noch nicht erlebt." Bis in die Adventszeit hinein gab es Zusammenstöße zwischen palästinensischen Steinewerfern und israelischen Soldaten unmittelbar vor einigen Hotels. In den Lobbys riecht es noch nach Tränengas und dem Faulgestank, den das Spezialgemisch in den Wasserwerfern der Armee verbreitet. Während die Welt sich auf fröhliche Weihnachten vorbereitet, herrscht am Originalschauplatz Tristesse und Resignation.

An der Geburtskirche wartet ein halbes Dutzend Fremdenführer seit Stunden vergeblich auf Touristen. Auf dem nahen Krippenplatz steht Hischam Chamis unter dem gigantischen Weihnachtsbaum, dessen Kugeln in den palästinensischen Nationalfarben glänzen. Noch im vergangenen Jahr "kamen im Advent jeden Tag 60 bis 70 Busse her", sagt Chamis, der seit zehn Jahren Touristen von der Geburtsgrotte bis zur Sterngasse begleitet. "Jetzt registriert die Verkehrspolizei hier nur noch vier, fünf, bestenfalls zehn Busse am Tag."

Nach Angaben von Stadtverwaltung und Tourismusministerium ist in diesem Jahr nur die Hälfte der Hotelzimmer gebucht. Normalerweise sind im Dezember und Januar mit der orthodoxen Weihnacht 80 bis 90 Prozent der Betten belegt, an den Feiertagen war bisher sogar alles ausgebucht.

Dschamal Chehada, in dessen Andenkenladen Nikolausmützen, Lichtergirlanden und Rosenkränze unangetastet in den Regalen liegen, macht die israelischen Reiseunternehmen für seine Misere verantwortlich. Die würden die Pilger schon ab dem Flughafen in Tel Aviv betreuen und dieses Jahr von einem Besuch der christlichen Stätten im Westjordanland abhalten, glaubt er. Im besetzten Westjordanland gibt es keinen eigenen Flughafen. In Israel werde den Touristen erzählt, "in Betlehem wimmele es von Terroristen".

"Trist und deprimierend"

Mitunter verzweifelt suchen die Guides nach einer Erklärung für das schlechte Geschäft. Die Kontrollen in Ost-Jerusalem und rund um Betlehem wurden tatsächlich verstärkt, was abschreckend wirken könnte. Die seit Oktober anhaltende Gewaltwelle hat in Israel und den Palästinensergebieten insgesamt bereits zu beinahe 150 Toten und Hunderten Verletzten geführt. Die USA verschärften in der dritten Adventswoche ihre Reisewarnung für das Heilige Land auf die höchste Stufe seit dem Ende der Zweiten Intifada vor zehn Jahren.

Sherwood N'Guma und seine Reisegruppe aus Nigeria gehören zu den wenigen Pilgern, die sich nach Betlehem gewagt haben. "Unsere israelischen Fremdenführer wollten aber nicht mitkommen, und so haben uns jenseits des Kontrollpostens andere Führer übernommen", berichtet er, bevor er vor der Geburtskirche schnell ein Selfie aufnimmt. "Die haben uns eingeschärft, immer in der Gruppe zu bleiben und nicht auf eigene Faust auf Erkundung zu gehen."

Und dennoch, "für nichts in der Welt" sei er bereit gewesen, auf diesen Besuch zu verzichten. Sein Reisebegleiter Douglas Saba fügt voller Optimismus hinzu: "Wer in friedlicher Absicht kommt, bringt den Frieden."

Aber weil eine ausgehandelte Friedenslösung für den Jahrzehnte währenden Nahostkonflikt selten so unerreichbar schien, hat die Stadtverwaltung von Betlehem das von der Palästinensischen Autonomiebehörde finanzierte Festprogramm drastisch gekürzt. "Bisher kam jedes Jahr die ganze Welt hierher, um sich mit uns zu freuen und Adventslieder zu singen. Jetzt ist alles öde", bedauert Fremdenführer Chamis. "Dieses Weihnachten in Betlehem ist trist und deprimierend."

jus/AFP

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