Boomstadt Marrakesch: Aufbruch am Atlas

Marrakesch wird mit Macht modernisiert. Die alte Handelstadt am Fuße des Atlasgebirges erlebt auf königliche Anordnung einen Bauboom ohnegleichen. Dutzende Villen und Luxushotels schießen aus dem Boden - doch die Touristenzahlen sind zuletzt stark rückläufig.

Marrakesch: Boom der Luxushotels Fotos
TMN

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Marrakesch - Reich und prächtig, das war Marrakesch lange in seiner tausendjährigen Geschichte. Reich als Endpunkt der Karawanen aus Timbuktu und Zentralafrika, prächtig in seinen maurischen Palästen. Matt geworden in der Neuzeit, hat die "Perle des Südens" seit ein paar Jahren erneut zu glänzen begonnen. Und mit dem Rückenwind eines königlichen Investitionsprogramms ist sie auf ihrem Weg zur unumstrittenen Kunst- und Kulturhauptstadt Marokkos.

Wie in den sechziger Jahren die Hippies, fühlen sich immer mehr junge und betuchte Weltenbürger von der Boomstadt am Fuß des Atlasgebirges angezogen. Geradezu exemplarisch hat sich das Palasthotel "La Mamounia" auf die von ganz oben verordnete Aufbruchstimmung im Land eingestellt. Drei Jahre lang ist das Luxusetablissement für Staatenlenker, Stars und Steinreiche für 120 Millionen Euro umgebaut worden. Hightech-Komfort und feinste Wohnarabesken sind wohl aufeinander abgestimmt.

So soll es bald im ganzen Reiche sein, wünscht sich König Mohammed VI., der 1993 mit einer Dissertation über Perspektiven einer Allianz zwischen Maghreb und Europäischer Union zum Doktor der Jurisprudenz promovierte. Mit einem milliardenschweren Förderprogramm zur Modernisierung des Landes ermöglicht der 47-jährige Monarch ausländischen Investoren den günstigen Kauf von Grundstücken. In den ersten drei Jahren bleiben Gewinne steuerfrei.

Ein Dutzend Fünf-Sterne-Hotels in Planung

Diese Aussichten haben in der Wüstenstadt einen Bauboom ohnegleichen ausgelöst. Villen und Nobelherbergen schießen aus dem Boden. Die ausländischen Geldgeber kommen aus Frankreich, Indien, Saudi-Arabien, Russland und Monaco. Selbst die angesehene Société des Bains de Mer (SBM) Monte-Carlo, die sich zuvor noch nie außer Landes engagiert hatte, konnte den Marktprognosen nicht widerstehen. Umgerechnet rund 114 Millionen Euro will sie für ein Hotel- und Villenprojekt aufwenden.

Erst kürzlich hat Fürst Albert II. im Bereich der weltberühmten Menaragärten den Grundstein für den Großkomplex gelegt. Die ersten Gäste werden 2011 erwartet, sagt SBM-Sprecherin Mireille Rebaudo-Martini. Das auf Prunk und Pracht spezialisierte Unternehmen kontrolliert nicht nur das Spielcasino in Monte-Carlo. Ihm gehören auch die besten Grundstücke sowie mehrere Spitzenhotels in der Stadt, darunter das "Hôtel Hermitage", das - wie "La Mamounia" und das "Hôtel Majestic" in Cannes - vom Innenarchitekten Jacques Garcia kunstvoll umgestaltet wurde.

Im Augenblick soll mindestens ein weiteres Dutzend Fünf-Sterne-Hotels und Wohnanlagen für Millionäre im Bau sein. Dabei wird auch die Palmeraie von Marrakesch weiter für neue Resorts und ihre Golfplätze erschlossen. König Mohammed VI., der zu den reichsten Männern der Welt gehört, ist indirekt auch am "Mamounia" beteiligt - über die Staatliche Eisenbahngesellschaft (ONCF), die 60 Prozent hält, und über die Stadt Marrakesch sowie die Bank Caisse de Dépôt et Gestion, die sich den Rest teilen. Dem König gehört auch das neue "Royal Mansour". Das Hotel ist im Juni 2010 eröffnet worden. Eine Suite dort soll bis zu 2200 Euro pro Nacht kosten.

Weniger Touristen in Marrakesch

"Mamounia"-Generaldirektor Didier Picquot findet Konkurrenz zwar gut. Angesichts der aktuellen Entwicklung schließt der Topmanager jedoch nicht aus, dass auf Dauer auch in Marrakesch die Palmen nicht in den Himmel wachsen und es in einigen Jahren Überkapazitäten auf dem Luxussektor geben wird. "Es stellt sich nicht nur die Frage, wie man die ganzen Fünf-Sterne-Hotels füllen will. Es fragt sich auch, woher all die Angestellten kommen sollen", sagt der Franzose.

Tatsache sei, dass im vergangenen Jahr viel weniger Touristen nach Marrakesch gekommen seien als 2008. "Schuld daran ist die Krise!" In der Medina stünden schon etliche kleine Hotels zum Verkauf.

Zwar wurden neue Autobahnen gebaut, und Marrakesch bekam einen neuen Flughafen. Von Deutschland aus fliegt aber nur Ryanair direkt dorthin. Keine gute Voraussetzung für Massentourismus, von dem auf marokkanischem Territorium nur das leicht erreichbare und am Meer gelegene Agadir profitiert. Andererseits: Wäre Marrakesch wirklich gut beraten, sich auf Massentourismus einzulassen, für den Hotels wie das "Mamounia" nach Picquots Meinung bestimmt nicht die richtigen Adressen sind? Ihr Image wie das der ganzen Stadt stünde auf dem Spiel.

McDonald's vergeblicher Kaufversuch

Das aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende "Mamounia" hegt auch im neuen Outfit seinen Namen als Prominentenherberge Nummer eins und als Filmkulisse. Hitchcock drehte hier mit Doris Day und James Stewart "Der Mann, der zu viel wusste". Joseph von Sternberg nutzte die Szenerie des Art-déco-Gebäudes für "Marokko" mit Marlene Dietrich und Gary Cooper, Oliver Stone für seinen "Alexander". Aber auch "Sex and the City 2" mit Sarah Jessica Parker spielt teilweise hier.

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6  Bilder
Hotel Mamounia: Eröffnungsfeier mit Fackeltanz
Viele Stars aus der Film- und Musikszene wie Kirk Douglas, Omar Sharif, Richard Gere, Alain Delon und Claudia Cardinale, Gwyneth Paltrow, Jennifer Aniston, Juliette Binoche, Angelina Jolie, Brad Pitt, Julio Iglesias, Elton John und Andrea Bocelli ließen hier ihre Seele baumeln. Staatschefs aus aller Welt von de Gaulle über Ronald Reagan bis Helmut Kohl nahmen hier Quartier.

Noch scheint die Bastion gegen die touristische Vulgarisierung von Marrakesch zu halten: McDonald's jedenfalls soll voriges Jahr vergeblich versucht haben, das alte "Café de France" an dem als Weltkulturerbe geschützten Platz der Gaukler aufzukaufen.

Rolf Liffers, dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ich bin vor Jahren etwa 15 mal mit den Auto da hinunter
blob123y 29.06.2010
gefahren bis in die Wueste hinein, von ost nach west usw. So schoen das Land ist hab ich dann trotzdem aufgehoert dahin zu fahren, warum ? Diebstahl, Raub, permanenter Beschi...., Gewalt usw. das Land ist toll, die Leute nicht.
2. Ich kann meinem Vor"redner" nur zustimmen
obacht! 29.06.2010
Von wegen "Tatsache sei, dass im vergangenen Jahr viel weniger Touristen nach Marrakesch gekommen seien als 2008. "Schuld daran ist die Krise!"" Nein, nicht die Kriese ist schuld sondern die Marokkaner selbst sind schuld. Ich war vor 2 Jahren da und werde sicher nie wider nach Marokko fliegen. Man wird ständig betrogen, es ist alles sau dreckig, in Marokko kann niemand 100 Dinarscheine (= 10 Euro) wechseln, auch nicht die Banken, so dass mann gezwungen ist immer auf die nächsten 100 Dinar aufzuruden. Ein Becher verwässerter Orangensaft kostete normalerweise 20 Dinar, was ja schon sehr teuer ist, mangels Wechselgeld zahlt man aber 100 Dinar. Es gab genau einen einzigen korrekten Menschen den wir in Marrakesh getroffen haben. Das war unser Autovermieter (bezeichnenderweise ein halber Franzose) Du fährs nach Essauira um dem Nepp zu entfliehen, kommst an der Medina an und parkst. Es komt ein Parkwächter und verlangt 50 Dinar Parkgebühren, obwohl direkt hinter ihm ein Schild mit den Parkgebühren steht: 5 Dinar. Nach langem hin und her einigten wir uns auf 20 Dinar. Nach zwei Stunden sind wr zum Auto zurückgekommen und ein anderer Parkwächter wartete an unserem Auto. Er wollte Nachgebühl, weil wir angeblich über Nacht da geparkt hatten. Des Rätsels Lösung: Der Parkwächter Nr. 1 hatte einfach das Datum des Vortages auf dem Parkschein eingetragen. Du sitzt in einem Straßencafe, es kommt eine 3-Mann Kombo und singt fürchterlich etwas von Boswar Madam, boswar missiö, in einer Endlosschleife, ca. 5 Minuten lang und dann kommen sie zum sammeln. Werden aggressiv wenn du nix oder wenig (weniger als 20 Dinar) gibst. Du verlässt das Cafe und gehst in ein anderes, keine 5 Minuten später waren die selben 3 Mann mit ihrem eintönigen "Liedchen" auch da. Es war ein regelrechtes Spießrutenlaufen. Auf dem Rückweg von Essauira nach Marrakesh sind wir dann noch von "Polizisten" angehalten worden weil wir angeblich 60 statt 50 km/h gefahren seien. Er wollte 400 Dinar. Als meine Frau anmerkte, das sei aber teuer fragte der "Polizist" "Das erste mal in Marokko?" Meine Frau: "Ja" Der Polizist "200 Dinar" Ich gab ihm die 200 Dinar, er faltete sie (4 Scheine) MIT EINER HAND zu einem ca. 2x2cm kleinen Päckchen (versuchen sie das mal mit 4 Zwanzig Euro Scheinen, das ist alles andere als einfach)und steckte sie hinter seinen Gürtel. Alles so, dass sein Kollege nichts davon sehen konnte. Eine Quittung gab es selbstverständlich nicht. Also alles in allem: Nie wieder. Ach ja, der Höhepunkt: Am Vorabend des Rückfluges bestellten wir im Hotel ein Taxi für den nächsten Morgen um zum Flughafen zu kommen. Mit unseren letzten Dinar bezahlten wir auch schon mal vor ab das Taxi (wie gefordert) Was am nächsten Tag nicht kam was selbstverständlich das Taxi. Also nochmal zur Bank geldziehen und dann mit vollem Gepäck auf die Suche gehen nach einem Taxi. Wenn wir nur 15 Minuten später am Flughafen gewesen wären, wäre der Flieger weg gewesen,ohne uns. Von wegen "Kriese" lol Und zur Fotounterschrift "Garküchen auf der Place Jemâa el-Fna: Marokkos König verordnete Marrakesch eine milliardenteure Modernisierung." sei noch angemerkt: Handkarren voller rohem Fleisch und Fisch werden beigeschafft, hunderte, vielleicht 10% der Beladung werden am Abend verkauft. Der Rest ist morgen Abend wieder auf dem Wagen und übermorgen und überübermorgen ... Ekelhaft.
3. ach... der arme deutsche Tourist
bladi 30.06.2010
ich würde gerne meinem Vorredner (Obacht!!!)antworten. Es ist ja auch kein Wunder, dass man verarscht wird, wenn man nicht mal die Währung des Landes kennt, durch das man 15 mal (angeblich) mit dem Auto gefahren ist. Denn die Währung Marokkos ist der Dirham und nicht der Dinar. Ich fände es gut, als Marokkaner, wenn Touristen wie schwören nie wieder das Land zu betreten. Außerdem finde ich es nur lächerlich, dass Sie uns hier Zahlen vorstellen (typisch): " sei noch angemerkt: Handkarren voller rohem Fleisch und Fisch werden beigeschafft, hunderte, vielleicht 10% der Beladung werden am Abend verkauft. Der Rest ist morgen Abend wieder auf dem Wagen und übermorgen und überübermorgen ... Ekelhaft Woher wollen Sie denn wissen, dass 10% verkauft wird und der Rest am Tag danach? Ich glaube einfach, dass Sie das mit der Gammelfleisch-affäre aus Deutschland verwechseln. Ich kann Ihnen nur noch ein Rat geben: fliegen Sie lieber nach Mallorca, da wird überall Deutsch gesprochen und deutsche Gerichte werden serviert, außerdem können Sie die ganze Nacht am Ballermann saufen und Schlagermusik hören, aber nicht übertreiben, damit Sie der Tag danach fit sind und früh aufstehen können um eine Liege am Strand mit Ihrem Tuch zu reservieren... Marokko ist ein Land für Genießer und nicht für Touristen, die wegen jeder Kleinigkeit jammern. Also nochmal: Was ist die Währung von Marokko??? Richtig!!!! Der Dirham und nicht der Dinar Und von Mallorca???? ....peinlich
4. Dinar ist keine Marokkanische Währung
Hanslinux 30.06.2010
Zitat von obacht!Nein, nicht die Kriese ist schuld sondern die Marokkaner selbst sind schuld. Ich war vor 2 Jahren da und werde sicher nie wider nach Marokko fliegen. Man wird ständig betrogen, es ist alles sau dreckig, in Marokko kann niemand.....
Da hat sich jemand richtig mit dem Land auseinander gesetzt, dass er nicht mal die Landeswährung kennt. Sagt ihnen Dirham was? Aber wer 10€ in Marokko zu wechseln versucht, ist in dem Land total fehl am platz :)
5. .
obacht! 30.06.2010
Zitat von bladiich würde gerne meinem Vorredner (Obacht!!!)antworten. Es ist ja auch kein Wunder, dass man verarscht wird, wenn man nicht mal die Währung des Landes kennt, durch das man 15 mal (angeblich) mit dem Auto gefahren ist. Denn die Währung Marokkos ist der Dirham und nicht der Dinar.
Nicht ich, sondern der Vorvorredner war 15 mal in diesem Land. Dass ich die Währung verwechselt habe liget wohl an der -fast- erfolgreichen Verdrängung dieses "Urlaubes" VERSPROCHEN! Nie wieder! Ganz einfach: Ich war da und habe es gesehen! Ich habe es sogar fotografisch dokumentiert. Ach ja, der Rest wird nicht am nächsten Tag verkauft sondern in den nächsten Tagen, wenn überhaupt![/QUOTE] Ganz sicher nicht! Das war kein Gammelfleisch, das war Ekelfleisch. So eklig wie ALLE Toiletten die ich gesehen habe, so eklig wie die meisten Hotelzimmer die wir gesehen haben. Kleiner Tip: wer mal am Jemaa el Fna auf einer der Dachterassen ist der schaue nur ja nicht in eine andere Richtung als auf den Platz. Müll soweit das Auge reicht, auf Hausdächern, in Höfen und auf den Straßen. Wir waren etwas Abseits von Essauira in einer Calme, mitten im Nichts. Morgens ging der Besitzer mit 2 Müllbeutel 5 Minuten weit in die Landschaft und kommt ohne Mülbeutel zurück. Abends kommt Wind auf und weht die Beutel wieder an. Dem Besitzer fält nicht ein, außer: Dass die (anderen) immer ihren Müll in die Landschaft werfen müssen" Noch ein Beispiel? Wir waren in einem kleinen Ort mit Lagune, nördlich von Safi, den Namen habe ich vergessen, da hat man uns einen Bungalow angeboten in dem 4 Schildkröten lebten, was jetzt nicht weiter schlimm wäre, wenn der Besitzer hin und wieder mal die Exkremente der Tiere entfernt hätte, wenigstens aus den Betten! Und weil Sie ja immer Beweise wollen: Ich habe mal Fotos vom Bad dieses Bungalows hochgeladen: http://marokko.devek.de/P1000754.JPG Die Utensilien am Waschbecken waren von einem Vormieter. Endreinigung? Fehlanzeige! http://marokko.devek.de/P1000753.JPG http://marokko.devek.de/P1000752.JPG So etwas wurde uns täglich mehrfach als Unterkunft angeboten. http://marokko.devek.de/P1000750.JPG Dieses halb zusammengebrochene Bett wurde uns für umgerechnet 60 Euro/Tag angeboten! Der Bettrahmen war schon aus dem Leim, die Bettwäsche seit Monaten nicht mehr gewechselt. Beim Anfassen der Decke bekamen wir fettige Finger! http://marokko.devek.de/P1000751.JPG Im gleichen Etablissement befand sich diese "Küche". Man beachte den Gasboiler links oben!
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