Buenos Aires Macho, Tango und Evita

Der eine schuf einige der schönsten Tangos, die es gibt, die andere ist für ihren Kampf für die Gleichberechtigung und die Armen in Argentinien unvergessen. Beide starben einen tragischen Tod, und beiden sind in Buenos Aires Denkmäler, Museen und Straßen gewidmet: Tangolegende Gardel und die ehemalige First Lady Evita Peron.


Tangopaar in Downtown Buenos Aires: Nutznießer des Währungsverfalls sind die Touristen
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Tangopaar in Downtown Buenos Aires: Nutznießer des Währungsverfalls sind die Touristen

Buenos Aires - Eine frische, rote Nelke schmückt die lebensgroße Statue der Tango-Legende Carlos Gardel auf dem Chacaritas-Friedhof. Die Hand aus Marmor in der Tasche, das Knie leicht angewinkelt und ein breites Lächeln auf dem Gesicht lassen das Standbild des Mannes, der den Tango weltberühmt gemacht hat, fast lebendig erscheinen. Nicht weit davon entfernt, in einem anderen Teil von Buenos Aires, steht das Denkmal Evita Perons, der ehemaligen First Lady Argentiniens, deren Kampf für die Gleichberechtigung und die Armen immer noch unvergessen ist.

Gardel starb 1935 bei einem Flugzeugabsturz, Evita Peron erlag 1952 einem Krebsleiden. Doch auch Jahrzehnte später durchdringt der Zauber der beiden Idole jede Faser der vibrierenden, hektischen Drei-Millionen-Stadt. Gardel und Evita haben ihre eigenen Denkmäler, Museen und Straßen, in denen die Erinnerung an sie wach wird.

Die beiden berühmten Toten sind ein wichtiger Faktor in der Tourismusindustrie der argentinischen Hauptstadt. Buenos Aires war einst die teuerste Stadt Südamerikas. Seit dem Finanz- und Wirtschaftskollaps 2001 ist die Metropole aber auch für Besucher mit kleinerem Geldbeutel ein interessantes Reiseziel.

Statue der Tangolegende Carlos Gardel im Viertel Abasto:  "Er war stark, romantisch. Er hatte eine perfekte Stimme, das perfekte Lächeln"
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Statue der Tangolegende Carlos Gardel im Viertel Abasto: "Er war stark, romantisch. Er hatte eine perfekte Stimme, das perfekte Lächeln"

Der argentinische Peso hat im vergangenen Jahr zwei Drittel seines Wertes verloren. Für die Argentinier bringt dies harte Einschnitte mit sich. Nutznießer des Währungsverfalls sind Besucher aus dem Ausland, die beispielsweise für ein Steak von neun Pesos umgerechnet nur rund 2,50 Euro hinblättern müssen. Auch günstige Unterkünfte sind in Buenos Aires leicht zu finden.

Und überall stößt man auf die Spuren von Gardel und Evita. Das Abasto-Viertel beispielsweise ist nichts anderes als ein einziger großer Wallfahrtsort für alle Gardel-Fans, den Gardel ist hier aufgewachsen. Ein Denkmal in der Carlos-Gardel-Straße erinnert an den Mann, der als die Inkarnation des argentinischen Mannes schlechthin gilt (auch wenn er in Frankreich zur Welt kam). "Gardel war stark, romantisch. Er hatte eine perfekte Stimme, das perfekte Lächeln", schwärmt Ignacio Varchausky, Direktor an der staatlichen Tango-Orchester-Schule. "Und er hat einige der schönsten Tangos komponiert, die es gibt."

An der Carlos-Gardel-Ecke, einem der bevorzugten Aufenthaltsorte des Sängers und Komponisten in dem Viertel, bietet ein Restaurant allabendliche Dinner-Shows. Die Gäste drängen sich so eng in dem Raum, dass ein Gang zur Toilette zu einer großen Herausforderung wird. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Bilder aus Gardels Kinofilmen. Nach dem Abendessen - zumeist werden dicke Steaks serviert - betritt eine sieben Mann starke Tangokapelle die Bühne. Ein Gardel-Imitator gibt Klassiker wie "El Dia Que Me Quieras" zum Besten. Tangotänzer wirbeln um die Bühne herum. Eugenio Cruz, ein Tourist aus dem Nachbarland Chile, der mit seiner Frau Maria die Show besucht hat, ist begeistert. "Alles ist einfach hervorragend: die Tänzer, die Choreografie, die Musik."

Touristen suchen das Grab von Evita Peron: Schauspielerin und Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen in Argentinien
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Touristen suchen das Grab von Evita Peron: Schauspielerin und Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen in Argentinien

Sogar ein eigenes Museum hält die Erinnerung an die Tangolegende wach. In der kleinen, aber liebevoll zusammengestellten Ausstellung sind unter anderem der blaue Smoking zu sehen, den Gardel in dem Film "Tango am Broadway" trug, sowie sein Reisepass und persönliche Gegenstände, die an der Stelle des Flugzeugabsturzes bei Medellin in Kolumbien aufgesammelt wurden. In dem Jahr, in dem Gardel tödlich verunglückte, gab Evita ihr Debüt als Schauspielerin. Im vergangenen Jahr wurde in Buenos Aires ein Museum eröffnet, das den Weg der Frau von ihren bescheidenen Anfängen bis hin zu ihrem Tod beleuchtet. Untergebracht ist das Museo Evita in einem Haus, das Evitas Stiftung einst als Wohnheim für in Not geratene Frauen führte. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Memorabilien aus Evitas Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen in dem südamerikanischen Land. "Auch heute noch steht Evita für den Kampf für Menschenrechte und die Armen", erklärt Museumssprecherin Maria Victoria Faraone.

An der Plaza Ruben Dario erinnert ein überlebensgroßes Denkmal an die ehemalige First Lady. Wie im Fall Gardels ist auch Evitas Grab zur Wallfahrtsstätte geworden. Es ist auf dem Recoleta-Friedhof zu finden, wo die Reichen von Buenos Aires in teils pompösen Mausoleen zur letzten Ruhe gebettet werden.

Von Alexa Stanard, AP



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