Tipps für Buenos Aires Eine Stadt, fünf Welten

Vom Hipster-Treffpunkt Palermo bis zum Tango-Geburtsort La Boca: In Buenos Aires tickt jedes Viertel ein bisschen anders. Fünf Tipps für eine der abwechslungsreichsten Städte Südamerikas.

Philipp Laage / TMN

Wer von Buenos Aires erzählt, kann wie bei jeder Millionenmetropole kaum von "der Stadt" reden. Jedes Viertel hat sein Milieu und seinen eigenen Charme. So entsteht die große Gesamtkomposition der argentinischen Hauptstadt. Ein Rundgang durch die aufregendsten Stadtviertel.

Das Alternative: San Telmo gehört zum ursprünglichen Kern der Metropole. Die Häuser sind alt, einige von ihnen verfallen oder sind besetzt. Schlendert man durch die Straßen, stößt man auf Szene-Cafés, in denen sich Studenten und Künstler rumtreiben oder ein Gast auf dem Klavier einen Tango spielt, wie im "Café La Poesía". Am Wochenende ist Markt in der Straße Defensa.

Sonntagabends gehört der Hof eines verlassenen Hauses bei der Kirche San Pedro Gonzalez Telmo ganz dem Folklore: Auf der Peña wird zu Live-Musik so leidenschaftlich Chacarera getanzt, dass Staub aufwirbelt. Dazu gibt es Empanadas und Choripan, gegrillte Wurst im Brot. Nicht zuletzt bei der Tangoveranstaltung "Milonga Queer" im Buenos Aires Club wird das tolerante Klima des Viertels gelebt: Hier tanzen Männer mit Männern, oder die Frau führt den Mann.

Tango: Der Tanz gehört zum Lebensgefühl von Buenos Aires
Inprotur / TMN

Tango: Der Tanz gehört zum Lebensgefühl von Buenos Aires

Das Kontrastreiche: In Puerto Madero prallen Welten aufeinander. Glitzernde Wolkenkratzer ragen hinter den Gräsern eines Naturreservats auf. Die Hochhäuser gehören zum früher verwahrlosten, heute modernisierten Hafenareal.

Nähert man sich dem Delta, steht man mitten im Naturschutzgebiet La Reserva Ecológica. Hier surren über den sumpfigen Ausläufern des Río de la Plata Libellen, auch bei Hitze drehen Jogger ihre Runden. Es gibt Natur inmitten der Millionenstadt! Auf dem Rückweg kann man sich beim Blick auf die Skyline wieder auf die Stadt gefasst machen.

Das Hippe: Sogar die "New York Times" nannte Palermo schon hip - zumindest einen seiner vier Teile: Im Palermo Soho leben, arbeiten und verkaufen die Kreativen - das Viertel im Viertel erstreckt sich zwischen den Straßen Santa Fé, Coronel Diaz, Córdoba und Juan B. Justo. In Palermo trifft man sich: auf einen Kaffee am Morgen, einen Mate zwischendurch, ein Bier am Abend und zum Feiern die ganze Nacht. Letzteres geht am besten in Palermo Hollywood.

Wer Ruhe will, wird nahe der Plaza Italia fündig: Dort erstreckt sich der Park Bosques de Palermo. Auch sonst ist es in Palermo entspannter als anderswo: Auf den Pflastersteinen fahren die Autos langsam, und anstelle hoher Häuserblocks stehen niedrige Häuser im spanischen Kolonialstil, die mediterrane Stimmung aufkommen lassen.

Das Historische: In dem alten Hafenviertel La Boca entstand einst der Tango. Aus ihm wird hier Geschäft gemacht: Vor den Restaurants tanzen Paare, Akkordeonspieler warten auf Trinkgeld, in den Souvenir-Läden wimmelt es von Bildern von Tango-Star Carlos Gardel. Kulturbegeisterte sollten die Usina del Arte besuchen: Die Veranstaltungen in der alten Fabrik sind allerdings so beliebt, dass man sich früh um Karten kümmern muss.

Entfernt man sich von den touristischen Knotenpunkten, erlebt man den Stadtteil, wie er wirklich ist: sehr lebendig. Zugleich sieht man ihm jedoch seine Armut an. Kinder kicken auf der Straße, ihre großen Vorbilder spielen nebenan im Stadion des wohl populärsten Clubs des Landes, Boca Juniors. Generell ist in La Boca Vorsicht vor Taschendieben geboten. Auch sollte man das Viertel nachts meiden.

Hafenviertel: Beliebt bei Touristen
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Hafenviertel: Beliebt bei Touristen

Das Elegante: Wen es nach Recoleta verschlägt, der hat Geld - oder er arbeitet hier. Obwohl es eines der Geschäftsviertel der Stadt ist, gibt es lohnenswerte Ausflugspunkte: Der Friedhof El Cementerio de la Recoleta lädt zum andächtigen Spazieren ein - neben monumentalen Grabfiguren kann auch die letzte Ruhestätte von Evita Perón besucht werden. Die Feria de la Plaza Francia ist ein weiterer schöner Markt der Stadt, der am Wochenende und an Feiertagen geöffnet haben.

Im Centro Cultural de Recoleta reicht die Palette an kulturellen Veranstaltungen von Konzerten, Filmaufführungen, Ausstellungen bis hin zu Tanz- oder Kunstworkshops. Absolut sehenswert sind die herrschaftlichen Villen aus dem 19. Jahrhundert, die noch vereinzelt zwischen den modernen Bauten stehen wie in der Avenida Alvear.

Lena Klimkeit/dpa/sto

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
raoul2 15.04.2015
1. Eine der interessantesten Städte der Welt
Man muß sich nur auf die ganz spezielle Mentalität der Menschen einlassen - und sich nicht auf die falsche Fährte mit der holzschnittartigen Einordnung in 5 Stadtteile setzen lassen. Auch wenn fast alles viel "teurer" geworden ist als noch vor wenigen Jahren: Es lohnt immer wieder, sich auf die ganz unterschiedlichen Menschen offen einzulassen. Das fängt mit einem "Abendessen" um Mitternacht an und hört mit einem "süßen" Frühstück gegen Mittag noch lange nicht auf. Und niemals bei den Banken tauschen; inzwischen gibt es in den Restaurants, Boutiquen oder gleich in den Hotels (und natürlich den Argentiniern selbst) schon mehr Pesos pro Euro als bei den "Blue Dollar"-Straßen-Wechslern. Eine atemberaubende Stadt mit sehr viel mehr Licht als Dunkel - und vor allem irritierend schönen Menschen.
tingtang04 15.04.2015
2. Wenn La Boca und Tango, dann
auch den Fußball nicht vergessen: la bonbonera, gleich um die Ecke das Stadion der Boca Juniors. Nicht ohne Grund steht neben Carlos Gardel und Eva Peron auch Diego Maradona als eine der Ikonen der agentinischen Nation.
global player 16.04.2015
3.
Beim nächsten Bericht über Buenos Aires aber bitte NICHT wieder über Tango und/oder Fußball berichten. Die Aussagen dazu kommen einem schon aus den Ohren heraus.
raber 21.04.2015
4. Che, porteño
Interesanter Artikel und eine sehr interessante Stadt. Allerdings sehe ich da keine 5 Welten: Asiatisch gibt es nur die"China-Town" wo man mit dem Zug hinkann und sich die vielleicht insgesamt nur verteilte 600 m chinesiche Geschäfte ansehen kann. Habe festgestellt, dass viele Einwohner der Stadt die Existenz dieses Mini-Viertels nicht einmal wahrhaben. Um in Recoleta zu leben gebraucht es nicht unbedingt viel Geld. Tatsächlich wohnen sogar viele ausländische Studenten in der Gegend. Erwähnenswert ist vielleicht die Mischung Europas mit Lateinamerika und dass man durch die breiten (aber leider meistens scmutzigen) Strassen schlendern kann. Wenn man die Sprache beherrscht und kontaktfreudig ist, dann kann man praktisch mit jedem über alles Mögliche reden. Politik und Fussball sind wahrscheinlich die beliebtesten Themen und mit allmöglichen Theorien und Meinungen verbunden.
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