Costa de la Luz Spaniens weiße Küste

Früher war sie nur Surfern ein Begriff. Heute haben sie Golfer und Badegäste entdeckt: Die Costa de la Luz im Südwesten Spaniens bietet viel Natur, ein verschlafenes Hinterland und eine atlantische Schönheit namens Cádiz.

Von Ulrike Wiebrecht


Kilometerlanger weißer Sand, Dünen, an denen sich struppige Vegetation festklammert, und tosender Wind: Das könnte auch die Nordsee sein - wäre da nicht dieses warme, milde Licht, das von Afrika herüberscheint und der Küste ihren Namen gegeben hat. Pedro liebt es. Wann immer er Zeit hat, kommt er an den Strand von Novo Sancti Petri, setzt sich zwischen die Sandhügel und blickt auf den Atlantik.

Durchatmen, Ruhe tanken. Das ist an Spaniens Costa de la Luz möglich. Noch. Denn gleich hinter den Dünen stehen die Baukräne, werden Feriensiedlungen aus dem Boden gestampft. An der Küste des Lichts herrscht Aufbruchstimmung: Internationale Hotelketten platzieren ihre Luxusherbergen, und Investoren lassen maurische Paläste erstehen. "Aber keine Angst", beruhigt Pedro, der in einem der Hotels fürs Marketing zuständig ist. "Hier entsteht keine zweite Costa del Sol. Wir haben aus den Fehlern der anderen gelernt. Es gibt strenge Auflagen, die eine gemäßigte stilvolle Bebauung garantieren."

Tatsächlich dominiert außerhalb der Ortschaften - noch - die Einsamkeit. Erst recht im Hinterland. Felder, Weinberge, fast unendliche Weite und mittendrin die weißen Dörfer. Arcos, Castellar, Vejer de la Frontera: Wie kleine Festungen schlummern sie auf Felsen und Hügeln. Im Inneren scheinen kalkweiße Labyrinthe der Zukunft den Zutritt zu vermauern.

Nur Jerez ist hellwach und hat die Zeichen der Zeit erkannt. Dort machen die Sherry-Barone das große Geschäft, von dem die Provinzhauptstadt Cádiz nur träumen kann.

Wenn Pedro an Cádiz denkt, wird er melancholisch. Vor der dreitausend Jahre alten Hafenstadt scheint der Fortschritt Halt zu machen. Mit der dreieinhalb Kilometer langen Playa de la Victoria hat sie den längsten Stadtstrand Europas. Die blaue Flagge der EU attestiert ihm beste Badequalität, Hotels und Restaurants vervollständigen die Infrastruktur. "Aber irgendwie haben die Leute das Potenzial noch nicht richtig erkannt", vermutet der Fachmann. "Oder sie reden einfach zu wenig darüber."

Angesichts einer Arbeitslosenquote von rund 30 Prozent könnte die Stadt schon ein paar Touristen mehr vertragen. Aber gerade dass Cádiz nicht so geschäftstüchtig wie die anderen Küstenorte ist, macht die Stadt sympathisch. Statt ihre Fassaden auf Hochglanz zu polieren, hängt sie ganz der Vergangenheit nach, lebt in Mythen und Geschichte.

Abgeblätterte Barockfassaden, pompöse Paläste mit Patina, alles erzählt von der großen Zeit, als Kolumbus von Cádiz aus zur zweiten Amerikafahrt aufbrach, als die Stadt mit Übersee handelte, Gewürze, Zucker und Kaffee aus Havanna holte, dafür Olivenöl, Wein und Thunfisch verschiffte. Nicht nur Waren, auch Weltanschauungen wurden getauscht: Cádiz war offen für die Neue Welt; hier hielten liberale Ideen in Spanien Einzug.

Um die Stadt zu verstehen, sollten Besucher auf die Torre Tavira steigen, empfiehlt Pedro. Von dort oben fällt der Blick auf ein schier endloses Häusermeer. Dachlandschaften, Türmchen, Kirchturmspitzen - eine weiße Collage, vom Wasser des Atlantik umspült. Wie ein Stern mit gestutzten Zacken schwimmt die Halbinsel im Meer. Wo die Häuserzeilen enden, klatschen die Wellen an altehrwürdige Gebäude, an halbfertige Neubauten und an die monumentale Kathedrale.

Cádiz erzählt vom wirtschaftlichen Niedergang, vom Aufstieg und Fall einer Metropole. Aber immerhin hat die Stadt etwas zu erzählen. Für die neuen Feriensiedlungen à la Novo Sancti Petri gilt das nicht. Das muss auch Pedro zugeben.

Selbst wenn sich die neuen Bauherren um maurisch angehauchte Atmosphäre und andalusisches Flair bemühen - der Reichtum der Ortschaften liegt in den kilometerlangen breiten Stränden, dem feinkörnigen weißen Sand und der Sonne, die die Costa de la Luz in ein goldenes Licht taucht.

Informationen:

Weitere Informationen können beim Spanischen Fremdenverkehrsamt, Myliusstr. 14, 60323 Frankfurt, Tel. 069-72 50 33, Fax 069-72 53 13 angefordert werden.
Das Patronato Provincial de Turismo in Cádiz liegt an der Plaza San Antonio, Tel. 0034-956 807 061, Fax 0034-956 214 635



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