Deutsches Museum in Washington Ick war ein Berliner

Bratwurst, Bier und Sauerkraut: Sind wir wirklich so? Ein neues deutsches Museum in Washington bricht mit US-Klischees über Good Old Germany. Der Macher setzt auf die vergessenen Wurzeln von Elvis Presley, Levi Strauss und Fred Astaire - und hat es trotzdem manchmal schwer.

Christophe Avril

Von , Washington


Die Tür des Hauses an der 6th Street in Washington gibt den Blick frei auf eine lange Treppe. In bunten Farben leuchten die Stufen, auf sie sind Namen gemalt, die jeder in den USA sofort erkennt: Elvis Presley, Fred Astaire, Babe Ruth, Dwight D. Eisenhower, Doris Day. Ganz oben, am Ende der Treppe, hängt das Bild einer Blue Jeans.

Alles sieht sehr amerikanisch aus. So wollte das Rüdiger Lentz haben, der vor den Stufen steht. Lentz ist Direktor des neu gegründeten German American Heritage Museum in Washington - und sein oberstes Ziel ist es, das neue Museum bloß nicht zu deutsch aussehen zu lassen.

Zumindest nicht so, wie viele US-Klischees immer noch Deutschsein malen. "Es geht uns nicht um Deutschtümelei, um Bierseidel und Gemütlichkeit", sagt Lentz. Sein Zentrum über die deutsche Einwanderung, das erste dieser Art in den USA, will vielmehr die gemeinsamen Wurzeln von Amerikanern und Deutschen zeigen.

Immerhin haben 46 Millionen Amerikaner deutsche Vorfahren. Rock'n'Roll-Revolutionär Presley (Name der deutschen Ahnen: Pressler) genauso wie Tanzpionier Astaire, Baseballlegende Ruth, Präsident Eisenhower oder Schauspielstar Day - und der Erfinder der Blue Jeans, Levi Strauss.

Museumsdirektor Lentz hat viele Jahre für die Deutsche Welle aus den USA berichtet. "Auf Recherchereisen im ganzen Land traf ich immer wieder Amerikaner mit deutschen Ursprüngen", sagt er. Doch wie tief diese Wurzeln reichen, wurde auch ihm erst in seiner neuen Aufgabe bewusst.

Villa eines Kaffeehändlers

Zwei Millionen Dollar sammelte die German-American Heritage Foundation für das Projekt. Mit dem Geld erstand sie als Museumssitz ein Gebäude im Herzen Washingtons, das einst John Hockemeyer gehörte, einem erfolgreichen deutschen Einwanderer. Hockemeyer kam 1858 im Alter von 15 Jahren in die USA, er kämpfte im Bürgerkrieg und wurde danach ein erfolgreicher Kaffeehändler. Sein prachtvolles Heim avancierte zu einem Treffpunkt der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft, ein "Rathskeller" und ein Freimaurertempel lagen gleich um die Ecke. Penn Quarter heißt die Gegend noch heute, benannt nach William Penn, dem Gouverneur von Pennsylvania, der besonders deutsche Einwanderer umwarb.

Das Museum soll an diese Anfänge erinnern. Steigt man die Stufen hoch, führen Tafeln durch die Geschichte der deutsch-amerikanischen Erfahrungen - erzählt eher anhand von persönlichen Geschichten als von Ausstellungstücken. Die frühesten Zeugnisse stammen aus dem 17. Jahrhundert, als sich die Flüchtlinge aus Europa auf überfüllten Schiffen drängten - "voll mit Seuchen und wie schwimmende Särge", schrieb ein Überlebender.

50 Taler kostete die Überfahrt, ein Währungsname übrigens, von dem die Amerikaner ihren Begriff Dollar ableiteten. Viele hatten das Geld nicht, sie mussten ihre Arbeitskraft im Voraus verkaufen. "Dann nannte man sie die weißen Sklaven, weil Kinder sogar bis zum 21. Lebensjahr für die Geldgeber ihrer Überfahrt arbeiten mussten", sagt Lentz. Eine brutale Praxis, die aber auch viele Einwanderer rasch die Sprache ihrer neuen Heimat lehrte und ihnen eine solide Ausbildung bescherte.

Dennoch waren nicht alle frühen Immigranten erfolgreich. Gut jeder fünfte kehrte desillusioniert in die Heimat zurück, einer schrieb: "Ich dachte, die Straßen wären mit Gold gepflastert. Doch ich musste feststellen, dass sie gar nicht gepflastert waren. Und dass ich derjenige sein würde, der dies tun musste."

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
primatologe 31.03.2010
1. eher Wirtschaftsleute
Zitat von sysopBratwurst, Bier und Sauerkraut: Sind wir wirklich so? Ein neues deutsches Museum in Washington bricht mit US-Klischees über Good Old Germany. Der Macher setzt auf die vergessenen Wurzeln von Elvis Presley, Levi Strauss und Fred Astaire - und hat es trotzdem manchmal schwer. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,686241,00.html
Da fehlen aber noch viele gute und einige weniger gute. Stainway ( Steinweg), Boeing (Poeing), Rockefeller (Rückenfeller) und die halbe US-Industrie, aber leider auch unrühmliche Figuren wie Kissinger und die Gründer von Lehman-Brothers und Goldman-Sachs die mehr schaden als aufbauen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die US-Deutschen eher in der Wirtschaft erfolgreich sind und stark in der Führungsebene der Militärs vertreten sind und weniger bis kaum in der Politik (nur "Eisenhauer"), aber das ist ja bei uns in der Heimat genauso.
mavoe 31.03.2010
2. Richtig!
Zitat von primatologeDa fehlen aber noch viele gute und einige weniger gute. Stainway ( Steinweg), Boeing (Poeing), Rockefeller (Rückenfeller) und die halbe US-Industrie, aber leider auch unrühmliche Figuren wie Kissinger und die Gründer von Lehman-Brothers und Goldman-Sachs die mehr schaden als aufbauen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die US-Deutschen eher in der Wirtschaft erfolgreich sind und stark in der Führungsebene der Militärs vertreten sind und weniger bis kaum in der Politik (nur "Eisenhauer"), aber das ist ja bei uns in der Heimat genauso.
Und dann muss man noch in Betracht ziehen, dass Deutschland in der Geschichte öfters mal ein Sch*ßland war. Sei es die "Biedermeier"-Zeit oder das "1000-jährige Reich". Und DAS wird den Amis dadurch auch vermittelt. Naja, das mit dem "1000-jährigen Reich" wissen viele ältere Amis noch selbst. Übrigens, Einstein war auch Amerikaner...
Theodorant 31.03.2010
3. Da ist sicher was dran...
Zitat von primatologeDa fehlen aber noch viele gute und einige weniger gute. Stainway ( Steinweg), Boeing (Poeing), Rockefeller (Rückenfeller) und die halbe US-Industrie, aber leider auch unrühmliche Figuren wie Kissinger und die Gründer von Lehman-Brothers und Goldman-Sachs die mehr schaden als aufbauen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die US-Deutschen eher in der Wirtschaft erfolgreich sind und stark in der Führungsebene der Militärs vertreten sind und weniger bis kaum in der Politik (nur "Eisenhauer"), aber das ist ja bei uns in der Heimat genauso.
Die Rolle der Deutschen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowohl auf britischer Seite als auch auf der der Kontinentalarmee (Stichworte: Steuben, "Deutsche Schlacht" von Yorktown etc.) ist schon fast ein eigenes Kapitel wert. Genauso wie die Zeiten der Restauration, als Amerika bereits vor den Nazis der einzige sichere Hort für die deutschen Demokraten des "Vormärz" und der Revolution von 1848 war.
mavoe 31.03.2010
4. Amerika
Und jetzt fällt mir noch Friedrich Hecker und Carl Schurz ein. Mir als gebürtigen Badener. Gruß aus Berlin :)
freiheitodertod 31.03.2010
5. Typisch
Interessant. In den USA wird ein riesen Aufhebens um die "afro-amerikanische" Minderheit gemacht. Man könnte fast sagen es dominiert die Politik. Hätten Menschen mit deutscher Abstammung eine grünliche Hautfarbe, würde vielleicht auffallen, daß diese Minderheit deutlich größer ist...aber praktisch gar nicht thematisiert wird.
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