Döner-Bude in Seattle: The American Way of Fleisch

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es fast alles, nur eins sehr selten: Döner-Buden. Diese vermisste auch ein junger US-Amerikaner in Seattle und hat den Imbiss "The Berliner" aufgemacht. Hier serviert er seinen Landsleuten "feurige Kreuzberger" - mit denen er nur wenige Gäste enttäuscht.

Döner-Bude in Seattle: "The Mehringdamm" und "feurige Kreuzberger" Fotos
DPA

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Seattle - Eigentlich ist es ein ganz normaler Döner: frischer Salat, knuspriges Fladenbrot, saftiges Fleisch und scharfe Soße. Viel scharfe Soße. Ungewöhnlich ist auch nicht der Döner, sondern der Ort, an dem er neuerdings verspeist wird. In Seattle im US-Bundesstaat Washington, ganz im Nordwesten der USA, versucht ein Amerikaner, seine Landsleute an neues Fastfood zu gewöhnen - auf die deutsche Art. "The Berliner" am Pioneer Square ist die wohl westlichste Döner-Bude der Welt.

"Ich hatte hier vorher die Lizenz einer Imbisskette, aber ich wollte meinen eigenen Kram machen, etwas Besonderes", erzählt Victor Twu. "Die Frage war: Was schmeckt gut und was haben wir hier nicht in Seattle?" Keine einfache Frage in einer Stadt mit Einwanderern aus aller Welt und allen Kulturen. Dann kam er nach Berlin und lernte Döner Kebab kennen. "Das war großartig! Frisch, saftig und es schmeckte richtig gut. Und in Berlin gibt es das an jeder Ecke!"

Ganz leicht war die Idee nicht umzusetzen. "Das passende Brot gibt es hier nicht. Ich habe nach langem Suchen einen Bäcker gefunden, der es speziell für mich bäckt." Und das mache er toll, findet Victor, es schmecke besser als manches in Berlin.

Die großen Fleischspieße gibt es in Washington auch nicht. "Also haben wir sie selbst gemacht. Aber kleiner, weil die Gesetze hier vorschreiben, dass es nach höchstens einem halben Tag verbraucht sein muss." Und dann fing Victor Twu zu experimentieren an, um den richtigen Döner hinzubekommen. "Gott, hat das gedauert. Ich habe echt eine Menge Fleisch verschwendet." Kurze Pause. "Na ja, verschwendet eigentlich nicht. Das mussten jedes Mal meine Freunde probieren."

"Mann, müsst Ihr ein glückliches Volk sein."

Wie der Laden aussehen sollte, war von Anfang an klar. Beim "The Berliner" bildet der Fernsehturm das "i", die Wände sind mit Bildern des Brandenburger Tores und mit Mauergraffiti geschmückt. Die einzelnen Döner ("Ich musste sie benennen, das ist mein Kompromiss mit den amerikanischen Fast-Food-Gewohnheiten") heißen "The Mehringdamm" oder "Der feurige Kreuzberger" und kosten 6,49 Dollar, also gut 4,50 Euro. Problem: "Die Leute haben das sofort als Deutsch wahrgenommen, haben aber keine Döner erwartet. Den kannten sie ja gar nicht." Einige zogen enttäuscht ab, als es keine "dschörmän Brätwörst" gab.

Langsam, ganz ohne Werbung drang der Döner in den Gaumen der Nordwestamerikaner vor. Die lokale Zeitung berichtete von einem "in unserer Stadt unvergleichlichen Geschmackserlebnis", die "leckere Soße" verhindere, "dass es einfach nur ein weiteres langweiliges Griechengyros ist". Ein anderes Blatt fand die Teigtaschen "scharf und großartig".

Victors Kunden sind Türken mit Heimweh oder deutsche Touristen, vor allem aber Angestellte aus den umliegenden Büros. "Ich kenne Döner aus Berlin", sagt in perfektem Deutsch der Amerikaner Brad, der als Sohn eines PanAm-Piloten in der damals noch geteilten Stadt aufwuchs. "Ich war sehr skeptisch, bin jetzt aber total begeistert." Der Stammkunde ließ sich sogar zum größtmöglichen Lob hinreißen: "Es schmeckt original!"

Chris, ein Jurist, hatte eigentlich "German Bier" erwartet, als er vor Victors Laden stand. Nach einer ersten Döner-Kostprobe stellte er dann fest: "Die Dinger sind prima - sehr frisch und vor allem mit ordentlich Geschmack." Eine andere Kundin hätte solche Speisen in Deutschland gar nicht vermutet. "Und das habt ihr an jeder Ecke?", fragt sie etwas ungläubig. "Mann, müsst ihr ein glückliches Volk sein."

Chris Melzer, dpa

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insgesamt 92 Beiträge
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1. Super
bunterepublik 10.08.2011
Zitat von sysopIm Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es fast alles, nur eins nicht: Döner-Buden. Dieser Missstand ist nun behoben, ein junger US-Amerikaner hat in Seattle den Imbiss "The Berliner" aufgemacht. Hier serviert er seinen Landsleuten "feurige Kreuzberger"*- mit denen er nur wenige Gäste enttäuscht. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,779400,00.html
Döner ist ja auch im Vergleich zu dem Junk Food, das es in Amiland gibt, wirklich ein gesundes Essen.
2. aber den Amis...
derlabbecker 10.08.2011
... nicht erzählen dass der Döner aus der Türkei kommt. Ein Laden der nach Deutschland aussieht, aber etwas aus der Türkei verkauft, überfordert dieses Völkchen :-). Mist, warum gab es den Artikel nicht vor 3 Wochen? War vorletzte Woche in Seatte, wenn ich das gewusst hätte, dass es da Döner gibt, ich wäre glatt mal hingegangen. Aus Neugier.... Das Brot wird auf jeden Fall besser sein als das was man da sonst so herstellt und verkauft...
3. Alter Hut
Kulturoptimist 10.08.2011
Auch in Japan verkauft sich der "deutsche Döner" hervorragend! Ist ja auch extrem lecker. :-)
4. Döner aus Deutschland
malteup 10.08.2011
Zitat von derlabbecker... nicht erzählen dass der Döner aus der Türkei kommt. Ein Laden der nach Deutschland aussieht, aber etwas aus der Türkei verkauft, überfordert dieses Völkchen :-). Mist, warum gab es den Artikel nicht vor 3 Wochen? War vorletzte Woche in Seatte, wenn ich das gewusst hätte, dass es da Döner gibt, ich wäre glatt mal hingegangen. Aus Neugier.... Das Brot wird auf jeden Fall besser sein als das was man da sonst so herstellt und verkauft...
Da der Döner nicht aus der Türkei kommt sondern aus Deutschland ist das durchaus legitim
5. Stimmt so auch nicht.
Sique 10.08.2011
Zitat von derlabbecker... nicht erzählen dass der Döner aus der Türkei kommt. Ein Laden der nach Deutschland aussieht, aber etwas aus der Türkei verkauft, überfordert dieses Völkchen :-). Mist, warum gab es den Artikel nicht vor 3 Wochen? War vorletzte Woche in Seatte, wenn ich das gewusst hätte, dass es da Döner gibt, ich wäre glatt mal hingegangen. Aus Neugier.... Das Brot wird auf jeden Fall besser sein als das was man da sonst so herstellt und verkauft...
Wobei die spezielle Form des Döner mit Salat, Tomaten und Kraut im Fladenbrot tatsächlich deutsch ist - der türkische Döner ist ohne Gemüse. Es ist wie bei so vielen Speisen, Verbreitung findet in den seltensten Fällen die erste Version. Erst wenn viele verschiedene Generationen und Kulturen ihre kleinen Veränderungen hinzufügen, wird aus einem Gericht ein Welterfolg.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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