Perfekter Tag in Leipzig: Feiern bei VEB Feinkost

Kanäle, Seen, Auenwälder - die grünen Ecken Leipzigs laden zum Kanufahren, Baden und gemeinsamen Gärtnern ein. Auch ein abendlicher Streifzug durch Szeneviertel und Kulturzentren überzeugt: Die Stadt ist mehr als "das bessere Berlin".

Tipps für den Leipzig-Trip: Keller, Kanu, Kultfaktor Fotos
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Herr Blum, wo beginnt der Tag in Leipzig?

Im Telegraph. Das Café ist für seine hohen Decken und sein gutes Frühstück bis um 15 Uhr bekannt. Das Angebot reicht von zwei Eiern im Glas bis hin zur extra großen Portion mit Lachs, Kaviar und Prosecco. Es liegt immer eine gute Auswahl an Tageszeitungen bereit, und im Sommer werden die großen Rundbogenfenstern geöffnet, so dass man draußen sitzen kann.

Welchen Stadtteil muss man gesehen haben?

Die Südvorstadt. Auf der zentralen Karl-Liebknecht-Straße, auch "KarLi" genannt, reihen sich Kneipen, Cafés und Kultureinrichtungen aneinander. Am Südplatz haben sich auf dem Gelände des ehemaligen VEB Feinkost Handwerker, Gewerbetreibende und Künstler niedergelassen. Nachts leuchtet über dem Eingang eine unter Denkmalschutz stehende Leuchtröhrenwerbung für Gemüsekonserven, die sogenannte Löffelfamilie. Interessant ist auch das Soziokulturelle Zentrum naTo nebenan. Was zu DDR-Zeiten Versammlungsort der Nationalen Front war, ist heute Bühne, Kino und Bar in einem.

Von wo aus hat man die schönste Aussicht auf Leipzig?

Natürliche Erhebungen sind in der Leipziger Tieflandsbucht rar. Die beste Aussicht hat man vom direkt am Augustusplatz gelegenen City-Hochhaus, dem höchsten Gebäude der Stadt. Von der täglich geöffneten Dachterrasse (drei Euro Eintritt) kann man die ganze Innenstadt überblicken. Die Ausmaße des Leipziger Hauptbahnhofs, dem flächenmäßig größten Kopfbahnhof Europas, werden einem erst hier bewusst.

Einen leckeren Lunch kriegt man...

...in Auerbachs Keller. Den einzigen realen Schauplatz von Goethes "Faust" muss man einfach gesehen haben. Das Essen ist übrigens trotz Sehenswürdigkeitenfaktor durchaus bezahlbar. An Wochenenden und Feiertagen heißt es im Großen Keller: "Schüsseln auf den Tisch!" Darin wird deftige Hausmannskost serviert, zum Beispiel Pilzfrikassee mit Rotkohl und Kartoffelklößen.

Wo findet man ein originelles Mitbringsel?

In der Buchhandlung interart, die sich in der Königshauspassage befindet. Hier leben sie noch, die Stars der DDR-Kinderliteratur: etwa der kleine Maulwurf oder die Digedags, Helden einer erfolgreichen Comic-Heftreihe, die zwischen 1955 und 1975 erschien.

Ein besonders gemütliches Café...

...ist das Café Kandler an der Thomaskirche. Hier gibt es die berühmten Leipziger Lerchen. Früher wurden die Singvögel zu Pasteten verarbeitet. Als 1876 die Lerchenjagd verboten wurde, erfand ein Bäcker als Ersatz ein leckeres mit zerdrückten Mandeln, Nüssen und Erdbeerkonfitüre oder Marzipan gefülltes Mürbeteigtörtchen.

Wo ruht man sich vom Sightseeing aus?

Boot am Stadthafen ausleihen, den Karl-Heine-Kanal hinunterpaddeln und beim Kanal 28 anlegen. Das Café liegt schön versteckt zwischen Schrebergärten und verfügt über einen Freisitz direkt am Wasser. Besonders empfehlenswert ist es am Wochenende, dann kann man sich am großen Brunch-Buffet (10 bis 14 Uhr, Reservierung notwendig) für die Rückfahrt stärken.

Wohin fliehen die Leipziger an einem heißen Sommertag?

Südwestlich des Rings kann man im Clara-Zetkin-Park richtig gut entspannen. Die Parkanlagen gehen im Norden wie im Süden in Flusslandschaften und Auenwälder über. Über diesen grünen Gürtel erreicht man auch den südlich gelegenen Cospudener See. Er ist Teil des Leipziger Neuseenlandes und im Sommer der perfekte Platz, um sich abzukühlen.

Wo in Leipzig existiert noch der Charme des Unfertigen? Das, was auch in Berlin viele Menschen begeistert?

Da sollte man sich in Plagwitz und in Lindenau umschauen. Nördlich der Karl-Heine-Straße werden angestaubte Ladengeschäfte entrümpelt, nette kleine Kneipen eröffnet und Gemeinschaftsgärten gejätet.

Und wo tobt sich die Szene nachts aus?

Als einer der ersten ostdeutschen Technoclubs außerhalb Berlins nahm die Distillery bereits Anfang der neunziger Jahre auf dem Gelände einer alten Brauerei den Partybetrieb auf und hat sich zu einer der besten Adressen für elektronische Musik entwickelt.

Klein-Paris, Klein-Venedig, Pleiß-Athen - Leipzig wurde immer mit anderen Städten verglichen. Ist ein Funken Wahrheit dran?

Vor kurzem hat sich auch noch der Wirt von Auerbachs Keller den Slogan "Leipzig - das bessere Berlin" sichern lassen. Ich kann nur raten, sich ein eigenes Bild von der Stadt zu machen.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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1. Hört auf...
beirette 13.08.2013
... Leipzig mit Berlin vergleichen zu wollen. Und hört auf, aus Leipzig einen neuen Hype zu machen... DANKE!
2. das arme leipzig
samschuster 13.08.2013
leipzig ist ganz bestimmt nicht das neue/bessere berlin -- es ist eine eigene, schöne stadt, wie es sie überall gibt. leider leben hier einige hunderttausend gebildete leute, was eines bedeutet: geld! geld lockt natürlich entwickler u spekulanten an, was sich unter anderem an den mietentwicklungen, pr-berichten in der "presse" und dem folglichen ansturm an solventen yuppies, hippies, hipstern und sonstigen yolo-schreiern ablesen lässt. deshalb! bleibt, wo ihr seid und lasst uns in frieden; kommt allenfalls als touris für eine woche, gebt geld aus und fahrt wieder heim. schwaben und eigentlich alle grünenwähler aus bw können gleich daheim bleiben -- euren dialekt können wir hier einfach nicht hören. wie die preussen oben in berlin!
3. nix neues
spon-facebook-820902347 13.08.2013
Das hab ich so oder so ähnlich auch schon vor 10 Jahren gelesen. Die Distillery mach im übrigen bald zu, die Küche im Telegraph ist nicht so doll, da ist das Cantona bei weitem besser und Plagwitz ist kurz vor durchgentrifiziert. Beim nächsten mal vielleicht einfach mal jemanden Fragen, der hier lebt.
4.
geirrod81 13.08.2013
Zitat von spon-facebook-820902347Das hab ich so oder so ähnlich auch schon vor 10 Jahren gelesen. Die Distillery mach im übrigen bald zu, die Küche im Telegraph ist nicht so doll, da ist das Cantona bei weitem besser und Plagwitz ist kurz vor durchgentrifiziert. Beim nächsten mal vielleicht einfach mal jemanden Fragen, der hier lebt.
Die Tille macht nicht zu, nicht mal in einer Planung - höchstens in deiner Fantasie...
5. optional
740 13.08.2013
ja bitte aufhören - leipzig ist nicht berlin - zum glück habt ihr das empfohlen wo wir leipziger eh nicht hingehen...und es macht im übrigen auch keinen spass jeden gottverdammten sonntag im eigenen viertel (schleußig) von touristen begafft zu werden...und plagwitz ist nun wirklich durchgentrifiziert und nicht mehr hype...wir wolllen hier auch keine tips geben - sonst zieh ich nach anklam...
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Zur Person
  • Benjamin Gladis
    David Blum, geboren 1983, arbeitet als freier Journalist in Leipzig. Im April 2013 erschien sein Reiseführer im Reise Know-how Verlag.
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