Hotel in der Elbphilharmonie Luxus überm Konzertsaal

Die Kosten, die Bauzeit - Schwamm drüber: Hamburg eröffnet die Elbphilharmonie. Und mit ihr ein Hotel der Superlative. Hier können Sie sich die Edelzimmer schon mal anschauen.

The Westin Hamburg/ Michael Zapf

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Die Betten sind gemacht, die Handtücher gefaltet, die Fenster geputzt. Hinter der wohl berühmtesten Fassade Hamburgs wird die Starwood-Hotelgruppe am Freitag ihr landesweit wohl prestigeträchtigstes Haus eröffnen: das Westin in der Elbphilharmonie. Eine Luxusunterkunft auf 21 Ebenen, mit "Run-Concierge" und einem 1300-Quadratmeter-Wellnessbereich. In einer Lage, die exponierter kaum sein könnte.

"Wir sind das einzige Hotel, von dem aus die Gäste auf die Elbe und die Alster blicken können", schwärmte Direktorin Dagmar Zechmann im Sommer bei einem Rundgang durch die ersten fertiggestellten Zimmer. Und es ist nicht der einzige Superlativ in dem 800-Millionen-Euro-Bau an der Kehrwiederspitze.

Mehr Suiten biete kein anderes Hotel der Stadt, heißt es (39 Stück, 46 bis 162 Quadratmeter groß). Hinein kommen die Gäste über Westeuropas längste Rolltreppe (80 Meter). Im Spa-Bereich schwimmen sie im längsten Hotelpool Hamburgs (20 Meter). Und - man ahnt es schon: Laut den Marketingbeauftragten gibt es hier die "Bar mit dem wohl schönsten Blick der Stadt".

Tatsächlich wird die Aussicht einem Großteil der Gäste Laune machen. Von den insgesamt 244 Zimmern und Suiten zeigen nur 33 zum Lichthof. Alle anderen haben Blick auf Hafencity, Innenstadt, Elbe und Industriehafen - Ansichten, die mal mehr, mal weniger fotogen sind. Das spektakulärste Panorama haben Kunden, die die sogenannte Eigner-Suite im 19. Stock buchen. Für etwas mehr als 3000 Euro pro Nacht gibt's einen 270-Grad-Blick über die Dächer und Dampfer von Hamburg.

Yogalehrer und Brainfood-Experten

"Natürlich ist der Standort Elbphilharmonie ein unbezahlbares Alleinstellungsmerkmal, und wir sind stolz zu diesem Wahrzeichen zu gehören", sagt Hoteldirektorin Zechmann. Doch darauf will sie das Haus nicht reduzieren. Wohlfühlen als Erlebnis lautet das Motto. Und das Geheimnis, so das Credo der Hotelmacher, liegt nicht allein in Saunen und gemütlichen Massagebänken.

Ein ganzer Expertenstab stehe dem Gast zur Verfügung - freilich gegen Gebühr. Ärzte und Köche beraten in Ernährungsfragen und "erklären, warum Brokkoli eine super Zutat für Brainfood" sei, wie PR-Managerin Maria Reischl sagt. Eine Fitnessbloggerin berate in Sportfragen, Yogalehrer seien für den persönlichen Morgengruß an der Elbe buchbar - und wer mag, kann sich mit einem Meditationsexperten treffen.

Über dem ehemaligen Kaispeicher A, in dem einst Tee, Tabak und Kaffee lagerten, ist ein Hotel entstanden, das für die betuchte Kundschaft jeden erdenklichen Service bietet - das beim Design aber mit Schlichtheit punkten will. Wer hier einen Bezug zur Musik sucht, wird enttäuscht. Es gibt weder eine Schöpfungs-Suite noch eine Kleine-Nachtmusik-Bar, weder Geigen an den Wänden noch die Porträts berühmter Komponisten.

Sand, Moos, Kupfer - und viel Weiß

Stattdessen dominieren helles Holz und viel Weiß die Räume. Designer Tassilo Bost hat sich von den wichtigsten Elementen des Hafens inspirieren lassen, "von Wasser, Luft und Wind, Erde und Sand". Gerade Formen treffen immer wieder auf das Wellenmotiv - analog zum Dach der Elbphilharmonie - an Möbeln, in Teppichen und bei den silbern glänzenden Fensterluken, in denen sich die Skyline der Stadt spiegelt.

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"Farbtöne wie Sand, Moos und Kupfer mit weißen und blauen Akzenten unterstreichen unsere Zurückhaltung", sagt Bost. Für die festen Einbauten habe man eigens eine Holzoberfläche entwickeln lassen, "deren Struktur und Farbe an leicht verwittertes, im Flusswasser gelegenes Holz erinnert". Natur trifft hanseatische Eleganz - es ist ein gefälliges, kein besonders mutiges Design. Darin unterscheiden sich die Architektur der Elbphilharmonie an sich und die Gestaltung des in ihr beheimateten Hotels.

Immer wieder neue Entwürfe

Was zählte, waren Purismus und Harmonie. "Wir haben alles weggelassen, was mit Zeitgeist und Trend zu tun hat", sagt Tassilo Bost. Das dahinter stehende Statement: Mit dem neuen Westin habe man "Respekt vor der lebendigen Umgebung" zeigen wollen, "die alleine schon beeindruckend genug" sei, wie es in einer Mitteilung der Starwood-Marke heißt.

Der fast zehn Jahre dauernde Bau der Elbphilharmonie war geprägt von Streitigkeiten zwischen Stadt, Architekten, Bauträgern und Bürgern. Immer wieder verschob sich der Eröffnungstermin - ursprünglich sollte das erste Konzert 2010 stattfinden. Nun steht als Eröffnungstermin der 11. Januar 2017 fest - Chaos gab es allerdings auch beim Start des Ticketverkaufs im Juni.

Auch Designer Bost stand angesichts der langen Bauzeit und diverser Planänderungen vor Herausforderungen. "Man ist genötigt, immer wieder Entwürfe anzupassen, wenn sich der Baukörper verändert", sagt er. So habe es zum Beispiel nach einer der Bauplananpassungen plötzlich in einer der teuersten Suiten eine Säule gegeben, die vorher nicht da war. "Damit muss man dann umgehen", sagt Bost.

Eins der großen Probleme war die Statik der Decke, die zwischen den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron und der Baufirma Hochtief zu wahren Kämpfen und einem monatelangen Baustopp geführt hatte.

Querelen bereitete auch ein ungewöhnliches Konstrukt der Finanzierung: Der Stadt Hamburg gehört der Gebäudeteil mit Konzertsaal - und Hotel. Somit hat die Stadt als Verpächterin das unternehmerische Risiko für das Hotelgebäude übernommen, und nicht ein Investor. Laut der Kulturbehörde liegen die Kosten für den Bau von Hotel und Restaurant bei rund 130 Millionen Euro. Es sei ein "kompliziertes Finanzierungsmodell", das einen geschätzten Verkaufserlös im Jahr 2030 beinhaltet, der "in hohem Grad unsicher" sei. So hieß es bereits 2014 im Bericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses Elbphilharmonie.

Dass wenige Tage vor der Eröffnung des Westin-Hotels immerhin die Schlüsselübergabe an die Stadt reibungslos verlief, wird an Hamburgs Kehrwiederspitze sicher für Erleichterung gesorgt haben.

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insgesamt 110 Beiträge
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i.dietz 03.11.2016
1. Hamburg muß sparen
Überall das gleiche - Politiker und ""Experten" rechnen bei Planungen einfach die Kosten "schön" - schnurz-piepe egal was solche sogen. Prachtbauten letztendlich kosten ! Der Steuerzahler - und damit ich - dürfen ja zahlen ! Den Luxus-Gästen in dem neuen Hotel dürfte das- ebenso wie den Politikern- wahrscheinlich auch egal sein!
philipkdi 03.11.2016
2.
Ja genau. Die blöden Steuerzahler wurden ja eh schon abgezockt, Pech gehabt. Ich weiß nicht, ob es wirklich so einfach sein kann. Dann brauchen wir ja zukünftig für solche Großprojekte gleich gar kein Budget planen sondern einfach mal los und dann gucken was es kostet. Das Geld anderer Leute gibt sich grundsätzlich am Einfachsten aus.
Spiegelleserin57 03.11.2016
3. Kein Schwamm drüber???
Steuergelder verschleudert und wer hat etwas vom Luxushotel? Die breite Masse wohl kaum! Stolz kann man darüber wohl kaum sein, eher peinlich ist dieser ganze Verlauf. So reich dürfte Hamburg wohl kaum sein dass es sich so etwas leisten kann. Nein,ich kann soetwas nicht toll finden denn es wird wohl in HH noch viel zu investieren sein wo nun kein Geld vorhanden ist. Der Stolz dass nun der Bau endlich fertig ist ist wohl kaum gerechtfertigt ,man sollte da eher sehr leise Töne anschlagen und nicht vergessen auf wessen Kosten diese Rechnung geht.
itaipu 03.11.2016
4. Immerhin
bleibt dem Poebel der Bericht auf SPON. Ich finde das unglaublich. Soweit ich das zwischen dem ganzen Geschrei um die ausufernden Kosten verstanden habe, wird die Elphie (was fuer eine billige Anbiederung) zum Gutteil aus der oeffentlichen Hand finanziert. Mit welchen Recht bleibt dieser Ausblick nun einer Klientel vorbehalten, die 300 Euro die Nacht fuer ein Hotel ausgibt ?
frank_ham 03.11.2016
5. Schwamm drüber, bitte aber über die Fenster!
Die hätte man für 3000 Euro die Nacht doch wenigstens mal putzen können. Oder gehen die Flecken nicht ab?
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