Zehn Tipps für die Hamburger Hafencity Hier spielt die Musik - und dort das Leben

Sie haben keine Tickets für die Elbphilharmonie bekommen? Macht nichts. Bevor Sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren, schauen Sie sich ruhig mal in der Umgebung um. Die Hafencity lohnt sich auch so.

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Hamburg hatte bisher Nobelboutiquen, die Reeperbahn und Fischbrötchen. Nun eröffnet die Hansestadt ein Konzerthaus, das die Welt erst verspottete - und nun in höchsten Tönen preist. Wenn das Bauwerk der Superlative am Abend Premiere feiert, wird auch ihr Standort, die Hafencity, eine neue Bedeutung erhalten.

Sie wird nicht mehr nur das 2008 gegründete neue Viertel sein, das den meisten Hamburgern kaum lebenswert erscheint. Das auf viele abweisend wirkt und abends oft noch gespenstisch leer ist. Die Hafencity wird bald eine Gegend sein, in die täglich Tausende Menschen strömen, um internationalen Musikern zu lauschen, um essen zu gehen, um sich treiben zu lassen.

Die Speicherstadt - ein historisches Backsteinensemble, das zwischen Hafencity und Innenstadt liegt - thront dagegen längst im Hamburger Beliebtheitsranking ganz weit oben. In den rund hundert Jahre alten Speichern, Markthallen und der alten Kaffeebörse sind moderne Hotels, originelle Cafés und spannende Museen eingezogen.

Was kann man rund um die Elbphilharmonie unternehmen? Hier sind zehn Ideen für die Hafencity und die historische Speicherstadt.

1. Sightseeing mit Seemannsromantik

Stückgutfrachter, Barkassen und ein mobiler Schwimmkran: Im Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen lebt die maritime Geschichte Hamburgs auf. Hier am Kai vor den Magellan-Terrassen liegen jahrzehntealte Schoner, Ewer und Dampfer, die in Zeiten von Globalisierung und Giga-Frachtern im Hafen sonst kaum noch anzutreffen sind.

2. Museen-Hopping für Große und Klein

An Schietwettertagen kann man sich in Hamburgs Speicherstadt von Museum zu Museum hangeln: Im Internationalen Maritimen Museum dreht sich alles um die Welt der Seefahrt. Die Deichtorhallen zeigen hochkarätige Fotokunst und zeitgenössische Kunst. Und in der Prototyp-Sammlung dreht sich alles um Sport- und Rennwagen der deutschen Nachkriegszeit.

3. Köstlich speisen - von Heringsweißwurst bis Entenbrust

Raffinierte Küche mit norddeutschem Einschlag tischen die Köche im Vlet auf (Bockelholmer Entenbrust oder Aal und Flusskrebs mit Buchweizenpankoken). Um einiges günstiger gibt es lokale Leckerbissen in der Oberhafenkantine. Grünkohl wird mit Kabeljau in Zitronen-Kräuterbutter serviert, die Weißwurst mit Hering - und der Labskaus mit Rote Bete. Und Fischbrötchen gibt's hier auch.

4. Staunen im U-Bahn-Schacht

Aussteigen bitte - und staunen! Wer an der Endstation der U-Bahnlinie 4 den Zug verlässt, findet die schickste Haltestelle Hamburgs vor: die futuristisch anmutende "HafenCity Universität". Zwölf Leuchtcontainer unter der Decke sorgen mit farbigen LEDs für verschiedene Lichtstimmungen, die Tages- oder Jahreszeiten oder dem Wetter angepasst werden können - und am Wochenende gibt es zu jeder vollen Stunde eine Lichtershow zu klassischer Musik.

5. Toben und Planschen auf Spielplätzen

Wer die U-Bahnstation "HafenCity Universität" in Richtung Lohsepark verlässt, landet auf einem kleinen, aber liebevoll gestalteten Spielplatz mit Schaukeln, Rutsche und Trampolinen, die in den Boden eingelassen sind. Am Grasbrookpark erwartet Kinder dann eine weitaus größere Fläche: Auf 850 Quadratmetern lässt sich ein Holzschiff mit Mast und Rettungsboot, eine Kletterwand und Wasserspiele entern.

6. Kaffee trinken - von Moccacino bis Melange

Es soll schon mal vorkommen, dass es in Hamburg regnet und stürmt. Dann ist ein Café der Place-to-be für vom Winde verwehte Touristen. Die Auswahl ist in der Hafencity relativ groß. Im Klein und Kaiserlich hängen Sissi und Franzl an der Wand, es gibt Wiener Melange und Topfenkuchen. Im ElbFaire ist jedes Gebräu fair gehandelt und bio. Und das Kaffeemuseum Burg lädt zur Röstprobe und Kaffeeverkostung.

7. Swing und Tango tanzen in lauen Sommernächten

Zwischen Juni und August verwandeln sich die Spazierwege und Grünflächen der Hafencity zu Tanzflächen. Musik ertönt sonntags im Lohsepark, am Buenos-Aires-Kai, am Störtebeker Ufer und an der Elbpromenade. Die Hamburger üben sich dann unter freiem Himmel in Swing und Salsa oder kommen zur Tango-Milonga. (Hier finden Sie nach Veröffentlichung auch das Programm für den kommenden Sommer.)

8. Züge in ganz Klein, Schiffe in ganz Groß

Toskana, Südtirol, Kolosseum in Rom: Italien können Sie auch in Hamburg erleben - und zwar im Miniatur Wunderland. Die größte Modelleisenbahnanlage der Welt hat erst vor Kurzem das südeuropäische Land in die Ausstellung aufgenommen. Es gibt hier aber auch eine Plastik-Replik der Elbphilharmonie. Sie ist 82 Zentimeter groß. Technikfans pilgern weiter zum Internationalen Maritimen Museum, aber auch zum Kreuzfahrtterminal am Grasbrookhafen: Hier legen etwa die "Queen Mary 2" oder die "Hamburg" regelmäßig an.

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Tipps für die Hamburger Hafencity: Gute Nachbarschaft

9 . Der Sonne beim Untergehen zusehen

Wenn sich der Tag dem Ende neigt, werden selbst die oft als dröge verunglimpften Hamburger sentimental. Menschen stehen dann an den Landungsbrücken und blicken auf Hafenkräne, die sich vor einem glutrot gefärbten Himmel abzeichnen. Die weißen Stufen der neuen Promenade von Zaha Hadid sind ein guter Ort, um die Sonne untergehen zu sehen. Die gerade eingeweihte Plaza der Elbphilharmonie dürfte in den Abendstunden auch gut besucht sein.

10. Feiern auf einem alten Transportschiff

Früher diente die MS Stubnitz als Kühlschiff der DDR-Hochsee-Fischfangflotte. Heute ist in den Schiffsbauch die Kultur eingezogen. Im ehemaligen Frachtraum legen nicht nur DJs auf, es ertönen auch Jazzklänge, Hip-Hop und Chansons. Kürzlich lag der schwimmende Musikklub im Baakenhafen, also in direkter Nachbarschaft der Elbphilharmonie. Auch auf dem Feuerschiff im City Sporthafen wird regelmäßig zum Sonntagsfrühshoppen gejazzt - montags steht die Jam-Session-Bühne im Maschinenraum für jeden offen.


Konzertbühne, Hotel, Aussichtsplattform: Lesen Sie hier alles zur Elbphilharmonie!

Bereits seit dem 4. November ist die öffentliche Plaza zugänglich. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Elbphilharmonie und bietet mit einer Aussichtsplattform auf 37 Meter Höhe einen schönen Ausblick auf den Hamburger Hafen - sofern Nebel nicht die Sicht versperrt.

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Elbphilharmonie: Schön, aber es zieht

Die Plaza ist täglich von 9 bis 24 Uhr geöffnet. Die kostenlosen Tickets gibt es am Automaten im Eingangsbereich oder Besucherzentrum. "Zu Stoßzeiten wie am Wochenende ist es allerdings sehr voll", sagt Tom R. Schulz, Sprecher der Elbphilharmonie.

Wer sichergehen will, dass er den Teil des Gebäudes zu einer bestimmten Uhrzeit betreten kann, muss sich für zwei Euro ein Ticket kaufen. So ist der Rundgang um das Gebäude garantiert, außerdem kann man Wartezeiten umgehen.

Wer nicht in Hamburg weilt, kann hier einen Blick ins Konzerthaus werfen:

Um eine ganze Nacht in der Elbphilharmonie zu verbringen, muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen. Das Luxushotel "The Westin Hamburg" im oberen Gebäudeteil verlangt für seine Zimmer mindestens 230 Euro pro Nacht - viele kosten allerdings deutlich mehr. Da wäre die Eigner-Suite (3000 Euro pro Nacht, dafür 270-Grad-Blick über Hamburg) und viele andere Suiten, die für 800 bis 1200 Euro zu haben sind - pro Nacht versteht sich. Das Haus ist stolz darauf, so viele teure Schlafplätze zu bieten: Mehr Suiten bietet kein anderes Hotel der Stadt, heißt es in den Marketingbroschüren.

Im Inneren des Elbphilharmonie-Hotels sieht es so aus:

Der Ansturm auf Konzertkarten war in den vergangenen Monaten ebenfalls enorm. Wer keine hat kaufen können, kann sich zumindest heute Abend im Live-Stream das Eröffnungskonzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock ansehen. Los geht es um 18:30 Uhr mit dem Festakt.

Elbphilharmonie Live in 360°

(Hinweis: Bitte mit einer aktuellen Version von Firefox anschauen!)

Ab Februar 2017 bietet die Elbphilharmonie auch Konzerthausführungen an. Für Februar und März sind diese allerdings bereits komplett ausgebucht

Mitarbeit: Antje Blinda

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insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
m.w.r. 11.01.2017
1. Kein Ticket.
Mag sein das es schwierig bis nich möglich ist Tickets zu bekommen. Noch schwieriger ist es trotz intensiver Suche auch auf Photos und Videos etwas zur Barrierefreiheit zu finden. Treppen, Stufen aus architektonischer Prunksucht aber kein Hinweis wie man mit dem Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl in der Elbphilhrmionie zurecht kommt. Gibt es Wickelräume , behindertengerechte Toiletten? Fehlanzeige auch auf Nachfrage keine Information zu bekommen. Sorry, so gehts nicht.
i.dietz 11.01.2017
2. Hamburgs neuestes Monstrum
Merke: Teuer ist nicht gleich "schön" !
fabi.c 11.01.2017
3. Noch ein Tipp...
Noch ein für Hamburg Touristen ? Anstelle eines Hafenrundfahrts einfach Line 62 Landungsbrücken Brücke 7 Mit einer HVV Tagesticket die Elbe rauf und runter fahren. Die schönste Aussicht auf Eliphi hat man auf der anderen Seite der Elbe. Einfach zu Fuß durch den alten Elb-Tunnel.
fabi.c 11.01.2017
4. Nachtrag ...
Die Bedenkenträger sind nun verstummt,nun sind die Hamburger stolz auf ihren Neuen Wahrzeichen. Nun könnte der Bedenkenträger meckern das hätte man nicht gebraucht ,überall zieht es und außerdem... Einfach Stolz sein ist auch eine Tugend. Heute redet niemand mehr über die Kosten. Für das Geld ist für die Ewigkeit ein Wahrzeichen erstellt worden.
fatherted98 11.01.2017
5. Es ist wohl...
....keine Frage des "Bekommens" sondern eher des "kann ich mir nicht leisten"! Aber das scheint der gutverdienenden Klasse in der Medienwelt von SPON nicht so klar zu sein.
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