Reisetipps für den Eurovision Song Contest Ein perfekter Tag in Kiew

Kiew liegt auf sieben Hügeln - genau wie Rom. Und die Hauptstadt der Ukraine hat viel zu bieten. Lesen Sie hier die Tipps einer Kennerin.

AFP

Frau Johenning, wo beginnt der perfekte Tag in Kiew?

Das beste Frühstück für Superfoodfans und Kaffeegourmets gibt es im Blue Cup Coffeeshop. Auf der Karte stehen Grapefruit-Quinoa-Quark und Brombeertartes. Die größte Auswahl an Backwaren hat allerdings Wolkonsky im Angebot. In dem Selbstbedienungscafé führt kein Weg an den Blaubeerschnecken vorbei - und an Prjaniki, mit Quark gefüllten Muffins.

Zur Person
  • Heike Maria Johenning
    Heike Maria Johenning ist Reisebuch-Autorin und kennt Kiew seit fast 20 Jahren. Den Tipp, die Hauptstadt der Ukraine zu besuchen, gab ihr Ende der Neunzigerjahre Vitali Klitschko. Der ehemalige Boxweltmeister und heutige Bürgermeister von Kiew nahm bei Johenning damals Deutschunterricht.

Wohin für einen Stadtbummel?

Kiew liegt auf sieben Hügeln. Um Muskelkater zu vermeiden, fangen Sie also am besten oben an: auf dem Maidan, dem Platz der Unabhängigkeit. Hier, im Zentrum der Oberstadt, beginnt auch der Chreschtschatyk, ein Prachtboulevard im Zuckerbäckerstil.

Um in die Unterstadt und zum Hafen zu gelangen, nehmen Sie den Andreasstieg, ein studentisches Viertel, das auch als das Montmartre von Kiew bezeichnet wird. Hier hängen junge Leute in Hipster-Cafés wie dem Living Room am Kontraktplatz ab, Häuserwände sind meterhoch mit Street-Art verziert.

Schöne Aussichten...

...haben Kiew-Touristen von der Plattform unter dem Bogen der Völkerfreundschaft. Der Panoramablick reicht vom Hafen über den Dnepr bis zur Truchanow-Insel. Hier ist der Startpunkt, um mit dem Sessellift "Trolley" über den Fluss zu gelangen. Von der Truchanow-Insel geht es über die Fußgängerbrücke zurück in die Stadt.

Das gibt es nur in Kiew:

Die tiefste Metrostation der Welt. Der U-Bahnhof Arsenalna liegt 105 Meter unter der Erde und wurde nach einer früheren Rüstungsfabrik benannt, die jetzt in einen sehenswerten Kunstkomplex umgewandelt wurde, das Mystezkyj Arsenal. Die Ausstellungsflächen mit über sechs Meter hohen Arkadengängen und riesigen Hallen existieren bereits. In Planung sind ein Geschichtsmuseum, eine Universität und Kinos.

Wo gibt's das beste Mittagessen?

Im Spotykach - zumindest, wenn es Sie nicht stört, Ihr Essen in der Tube serviert zu bekommen. Das Restaurant zelebriert die sowjetische Erfindung der Kosmonautennahrung und füllt Speisen wie Borschtsch oder Soljanka-Suppe entsprechend ab. Einfach das Essen aus der Tube auf den Teller quetschen - und dazu ein kühles ukrainisches Obolon-Bier bestellen!

Fotostrecke

13  Bilder
Eurovision Song Contest: Die besten Reisetipps für Kiew

Wer lieber konventionell speist, kehrt vielleicht besser im Kompot ein, einem Restaurant an der Hafenpromenade, die gerade ein Facelift hinter sich hat. In dem Lokal gibt es leckere ukrainische Mlynzy-Crêpes mit Kaviar, Nüssen, Zimt oder Pilzen.

Für Fusion-Food und Sprossen-Smoothies geht's ins Vegano Hooligano. In der ehrwürdigen Bessarabska-Markthalle mit dem 15 Meter hohen Glasdach treffen sich Vegetarier, Veganer und Streetfood-Fans auf Pilzfalafel, Tofu-Burger und Kartoffel-Wraps.

In welchen Geschäften sollten Shopping-Fans Geld lassen?

Auf dem Chreschtschatyk und in den Seitenstraßen präsentieren ukrainische Designer ihre besten Stücke - zum Beispiel im neuen fünf Etagen hohen Modekaufhaus Vsi svoi oder in der Boutique Ruta. En vogue sind derzeit Wyschiwanky. Die traditionell bestickten Blusen aus ukrainischer Fabrikation erobern gerade die Laufstege.

Wer etwas Schönes für Kinder mitbringen möchte, sollte eine besondere Filiale des Chulan Bookstore besuchen. Sie befindet sich in einem ausrangierten Tram-Waggon im Schewtschenko-Park. Die ukrainischen Kinderbücher sind so liebevoll illustriert, dass man den Text gar nicht verstehen muss.

ANZEIGE
Heike Maria Johenning:
Reise Know-How CityTrip Kiew

Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH, 144 Seiten; 11,95 Euro

Sommer in der Stadt - was macht man, wenn's in Kiew heiß wird?

Ab zum Strand! Auf der Truchanow-Insel ist dieser schneeweiß, herrlich entspannen lässt es sich aber auch am Ufer des Dnepr-Seitenarms Hawan. Schön ist auch eine Fahrt mit der Standseilbahn, dem Funicular, der Ober- und Unterstadt miteinander verbindet. Zum Sonnenuntergang flanieren viele Kiewer durch den Landschaftsallee genannten Skulpturenpark und posieren vor der 25 Meter langen Riesenkatze aus bunten Mosaiksteinchen.

Ein toller Ausflugstipp vor die Tore der Stadt ist...

...Meschyhirja. Das pompöse Holzschloss des Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch ist jetzt für Besucher geöffnet. Mit einem Elektromobil erkundet man das 140 Hektar große Areal - mit Zwischenstopp an der Oldtimersammlung, der Segeljacht, der Pferderennbahn und der Fasanerie. Danach weiß jeder, warum die ukrainischen Staatskassen leer sind.

Eine unvergessliche Nacht erlebt man hier:

In der Pink Freud Bar trifft sich die Kiewer Bohème, um über die Zukunft der Stadt oder Installationen in einer alten Schiffswerft zu diskutieren. Einer der besten Klubs Osteuropas ist das Closer. In einem Ex-Fabrikgebäude tanzen Nachtschwärmer zu Techno-, Jazz-, Rock- oder Popmusik. Im Sommer wird die Party auf das Dach verlegt.

Die Fragen stellte Julia Stanek.

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SabineMeier 12.05.2017
1. Ukraine
hoffentlich hat die" Kennerin" die in der Überzahl existierenden Armenviertel, die gleich hinter der schillernden Fassade beginnen, ,nicht vergessen zu erwähnen-eines der ärmsten und Bankrottesten Länder lebt nur von unserem Geld.
nsommer71 12.05.2017
2. Tschernobyl
Im Norden von Kiew beginnen die radioaktiv versuchten Zonen der 1986 Katastrophe. Wenn es dort mal brennt, wehen Winde natürlich auch mal nach Süden...
Hombremoya 12.05.2017
3. Wow, gleich die ersten 2 Beiträge...
...geben den Ruf der Deutschen wieder. Ich sehe schon die Reiseführer: "Besuchen Sie Deutschland, schöne Städte, schöne Landschaften. Aber lassen Sie sich nicht von den Deutschen irritieren, die müssen immer meckern..." Auch in Deutschland könnten wir über den BER-Milliardengrab motzen, oder über Sicherheitslage von Endlager sprechen. Stattdessen zeigen wir den Gästen unsere beste Seite. Danke für den Artikel. Es hat gute Anregungen für meinen nächsten Besuch (Ich habe enge berufliche und familiäre Bindungen dorthin). Auch wenn man eigentlich nicht sehr einfach DAS Lokal empfehlen kann... Es gibt so viele Gute! Zu Spotykach gehe ich gerne, aber nicht wegen den Tuben (die bestellt man höchstens einmal aus Jux), sondern wegen der Mischung aus Traditionellen Ukrainischen Gerichten und moderne Küche. Ich hätte noch einen Spaziergang auf den Andriivsky Abstieg empfohlen. Viele Künstler und auch Ausflugsziel der Ukrainer. Und noch nicht so überlaufen wie der Berliner Mauerpark...
vitalik 12.05.2017
4.
Zitat von Hombremoya...geben den Ruf der Deutschen wieder. Ich sehe schon die Reiseführer: "Besuchen Sie Deutschland, schöne Städte, schöne Landschaften. Aber lassen Sie sich nicht von den Deutschen irritieren, die müssen immer meckern..." Auch in Deutschland könnten wir über den BER-Milliardengrab motzen, oder über Sicherheitslage von Endlager sprechen. Stattdessen zeigen wir den Gästen unsere beste Seite. Danke für den Artikel. Es hat gute Anregungen für meinen nächsten Besuch (Ich habe enge berufliche und familiäre Bindungen dorthin). Auch wenn man eigentlich nicht sehr einfach DAS Lokal empfehlen kann... Es gibt so viele Gute! Zu Spotykach gehe ich gerne, aber nicht wegen den Tuben (die bestellt man höchstens einmal aus Jux), sondern wegen der Mischung aus Traditionellen Ukrainischen Gerichten und moderne Küche. Ich hätte noch einen Spaziergang auf den Andriivsky Abstieg empfohlen. Viele Künstler und auch Ausflugsziel der Ukrainer. Und noch nicht so überlaufen wie der Berliner Mauerpark...
Was soll Ihr Kommentar sein? Verteidigung durch Angriff? Ihre Beispiele sind auch etwas komisch. BER ist eine Baustelle und Endlager sind für die Menschen nicht zugänglich und haben (aktuell) auf die Menschen keinen Einfluss. Die Armenviertel, Kriminalität und Korruption sind in der Ukraine sehr real. So, wie man damals bei der Fußball-WM die Gäste vor Ostdeutschen Provinzen gewarnt hat, sollte man auch hier so verfahren und auf die Gefahren hinweisen.
Hombremoya 12.05.2017
5.
Zitat von vitalikWas soll Ihr Kommentar sein? Verteidigung durch Angriff? Ihre Beispiele sind auch etwas komisch. BER ist eine Baustelle und Endlager sind für die Menschen nicht zugänglich und haben (aktuell) auf die Menschen keinen Einfluss. Die Armenviertel, Kriminalität und Korruption sind in der Ukraine sehr real. So, wie man damals bei der Fußball-WM die Gäste vor Ostdeutschen Provinzen gewarnt hat, sollte man auch hier so verfahren und auf die Gefahren hinweisen.
"Was soll Ihr Kommentar?" Ganz einfach: Wenn ich einen Artikel unter der Überschrift "Reisetipps" lese, erwarte ich nicht eine sozio-politische Abhandlung inklusive kritische Berichterstattung. Dafür gibt es deutlich bessere Quellen. Ich drücke es noch einfacher aus: In einem Forum zum Artikel trage ich etwas konstruktives zum Thema bei. Haben Sie es?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.