Spukhaus in Ontario Grimassen des Grauens

Oh! Mein! Gott! Was ist bloß diesen Menschen zugestoßen? Beim Besuch einer Geisterbahn in einer ehemaligen Sargfabrik in Kanada erschrecken sich selbst Gruselfreunde bis ins Mark. Fotos aus dem Spukhaus zeigen grotesk verzerrte Gesichter und die absonderlichsten Verrenkungen.

Nightmares Fear Factory

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Hamburg - Die Aufforderung "Bitte lächeln!" dürfte hier fehl am Platze sein. Wenn die Besucher der "Nightmares Fear Factory" fotografiert werden, ist ihnen nicht zum Schmunzeln zumute. Die Touristenattraktion im kanadischen Niagara Falls wirbt dafür, das "beängstigendste Erlebnis der Welt" zu bieten. Als Beweis veröffentlicht die "Angstfabrik" regelmäßig Bilder, die ihre Gäste beim Anblick wohl grauenerregender Szenen zeigen.

Sie reißen ihre Augen und Münder auf, springen ihren Partnern auf den Arm und verziehen ihre Gesichter zu Grimassen, die wiederum dem Betrachter Furcht einflößen könnten.

Aber warum eigentlich?

Vee Popat von der "Fear Factory" verrät nicht viel über das, was in der ehemaligen Sargfabrik passiert. "Die Besucher spazieren bis zu 15 Minuten durch das stockdunkle Gebäude, in dem täglich unerklärliche Dinge passieren." Es heißt, der ehemalige Besitzer Abraham Mortimer spuke dort umher, seit er von einem Eichensarg erschlagen wurde.

Die Legende ist Teil des Marketingkonzepts der "Fear Factory". "Wir nutzen die Ängste und Phobien unserer Gäste aus", sagt Popat. Der Gang durch das Gruselhaus sei ein Erlebnis, das starke emotionale Reaktionen auslöse.

Etwa die Todesangst, die einen überkommt, wenn plötzlich ein rasender Zug oder ein Auto direkt auf einen zufährt. In Online-Foren verraten Besucher ein paar Details von dem, was in der Angstfabrik lauert. "Ich habe die Tour mitgemacht", schreibt ein Leser der kanadischen "National Post". "An einer Stelle durchbricht ein Wagen eine Mauer, laut hupend und mit grellen Scheinwerfern." Offenbar sind es solche realistisch wirkende Videosequenzen, die bei den Besuchern die Kinnlade annähernd ein Stockwerk tiefer fallen lassen.

Inspiration in der Achterbahn

Die Schrecksekunden in Fotos festzuhalten war die Idee von Frank Lapenna, dem derzeitigen Eigentümer der "Nightmares Fear Factory". Die Inspiration kam ihm in einer Achterbahn, dort wurden während der Fahrt ebenfalls Schnappschüsse der Passagiere gemacht. Ein Souvenir des Schreckens dürfte wohl auch gut bei seinen Kunden ankommen, dachte er sich.

Also stellte er zwei Kameras auf, die auch in der Finsternis gute Bilder machen. Direkt nach dem Rundgang durch die alte Sargfabrik erhalten die Besucher ihren Schnappschuss per E-Mail. "So können sie ihn gleich in sozialen Netzwerken posten", sagt Popat. Die meisten Leute könnten über ihre Angstfotos lachen. "Aber sicher sind sie auch vielen peinlich!"

Happige zehn Euro kostet der Eintritt zu dem Gruselspektakel. Warum die Menschen bereit sind, so viel Geld dafür auszugeben, erklärt Popat mit der Lust an der Panik. "Die Leute lieben es, erschreckt und verängstigt zu werden."

Wer den Nervenkitzel nicht mehr aushält, der kann die Geisterfabrik auch frühzeitig verlassen. Sobald man das Code-Wort Nightmares (auf Deutsch: Alpträume) sagt, wird man von einem Angestellten hinausbegleitet. Seit Eröffnung der Furchtfabrik vor mehr als 30 Jahren sollen nach Angaben der Betreiber bereits mehr als 120.000 Besucher davon Gebrauch gemacht haben.

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
EvilGenius 10.10.2013
1.
Also wenn man weiß, was einen erwartet, hält sich der Grusel doch in Genzen. Klar erschreckt man, wenn es plötzliche Bewegungen oder laute Geräusche gibt - das sind Reflexe. aber wirklich Angst hat man doch nur, wenn man nicht vorher dafür bezahlt...
Newspeak 10.10.2013
2. ...
Happige zehn Euro kostet der Eintritt zu dem Gruselspektakel. Happige zehn Euro? Kürzlich mal wieder im Kino gewesen? Oder im Urlaub mit einer Seilbahn gefahren? Oder einen Vergnügungspark besucht? Ich finde, zehn Euro sind vergleichsweise billig.
doktornick 10.10.2013
3. Naja.
Ich persönlich sah noch nie ein Geisterhaus, welches mich fürchten ließ. Wer sich in der wirklich Welt (leider) zu gut auskennt, den schockt so leicht nichts mehr.
gehmlich 10.10.2013
4. bessere Fotos
BEssere Fotos gibts noch im Internet!!! http://www.boredpanda.com/blog/wp-content/plugins/copyrightWrapper/watermark.php?display=true&image=http://bp.uuuploads.com/haunted-house-niagara-falls-nightmare-fear-factory/haunted-house-niagara-falls-nightmare-fear-factory-9.jpg
oxybenzol 10.10.2013
5.
Zitat von EvilGeniusAlso wenn man weiß, was einen erwartet, hält sich der Grusel doch in Genzen. Klar erschreckt man, wenn es plötzliche Bewegungen oder laute Geräusche gibt - das sind Reflexe. aber wirklich Angst hat man doch nur, wenn man nicht vorher dafür bezahlt...
Ist das nicht das Prinzip von solchen Geisterhäusern? Den Besucher zu einer reflexbedingten Handlung zu bringen, damit der Verstand nicht darauf hinweisen kann, dass alles nur Show ist? Oder man wird abgelenkt durch Bilder die andere starke Emotionen hervorrufen, z.B. das Bild einer nackten Frau, um dann im nächsten Augenblick mit einem Schockerlebnis konfrontiert zu werden. Darüber hinaus ist es nicht sicher, dass eine Vorbereitung hilft. Wenn man als Feuerwehrmann zu einem schweren Unfall gerufen wird, erfährt man schon auf der Fahrt, was man zu erwarten hat. Trozdem kann ein bestimmtes Erlebnis am Unfallort zu einem Trauma führen.
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