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Park auf der Themse: London plant spektakuläre Gartenbrücke

Neues Wahrzeichen oder Geldverschwendung? Wird die umstrittene "Garden Bridge" in London tatsächlich realisiert, schwebt bald eine Wiese mit Bäumen über der Themse. Der Bürgermeister setzt sich für das teure Projekt ein - obwohl er selbst nicht genau weiß, wofür es gut sein soll.

Grüne Brücke in London: Der Garten auf der Themse Fotos
Arup

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London rühmt sich, die grünste Metropole Europas zu sein und einer der Spitzenreiter im internationalen Vergleich. Fast 40 Prozent der Fläche der britischen Hauptstadt nehmen die öffentlichen Parkanlagen, Waldstücke und Gärten ein, mehr als 14.000 Hektar insgesamt. Doch die Sehnsucht der Städter nach Natur scheint trotz raren Raumes weiter zu wachsen, weshalb die Londoner jetzt neue Wege beschreiten, um Grünland zu gewinnen - im Fall der "Garden Bridge" den Wasserweg.

Geht für die Befürworter alles nach Plan, soll die grüne Brücke ab 2017 die Themse überspannen, von South Bank am Südufer zur U-Bahnstation Temple auf der anderen Seite. Das Regelwerk für den gebogenen Garten steht zumindest schon: Nur Fußgängern ist der Zutritt erlaubt, Radfahrer sollen vom Sattel steigen, Hunde werden angeleint, Autos und andere Verkehrsmittel sind nicht zugelassen.

Der im November 2013 gegründete "Garden Bridge Trust", der das Projekt im Auftrag der Verkehrsgesellschaft Transport for London (TfL) leitet, will mit der Brücke ein neues Wahrzeichen für London erschaffen. Laut einem Sprecher hofft man, noch in diesem Frühjahr einen Bauantrag stellen und im kommenden Jahr mit der Errichtung beginnen zu können - eine gesicherte Finanzierung des Projekts vorausgesetzt. Die Kosten belaufen sich nach TfL-Schätzungen auf 120 bis 150 Millionen Pfund (knapp 200 bis fast 250 Millionen Euro). 30 Millionen Pfund will die Regierung tragen, weitere 30 Millionen steuert die TfL bei. Der Rest muss über private Spenden zusammenkommen.

Grüne Brille über der Themse

Die letzte Fußgängerbrücke, mit der London für Aufsehen sorgte, war die Millennium Bridge an der Tate Modern - damals allerdings unabsichtlich: Weil die Hängekonstruktion zu sehr schwankte, musste sie nach ihrer Eröffnung im Jahr 2000 geschlossen und nachgerüstet werden. Erst zwei Jahre später wurde sie wieder freigegeben. Der Vorschlag für die hoffentlich stabilere "Garden Bridge" stammt ursprünglich von der Schauspielerin Joanna Lumley, die derzeit neben Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street" im Kino zu sehen ist.

Die heute 67-Jährige regte das Bauwerk schon 1998 an, als Denkmal für die kurz zuvor verstorbene Prinzessin Diana. Doch dann wurde für diese doch ein umstrittener Gedenkbrunnen im Hyde Park errichtet, und Lumleys Vorschlag blieb unrealisiert - bis jetzt. Als der Architekt Thomas Heatherwick ihr 2012 erzählte, dass die TfL einen Aufruf für Entwürfe zu einer neuen Fußgängerbrücke gestartet hatte, wagten sie gemeinsam einen neuen Vorstoß, wie Lumley jüngst im "Evening Standard" erzählte.

Wie die 367 Meter lange Brücke im Detail aussehen wird, wenn sie denn realisiert wird, ist noch unklar. Nach dem Entwurf des Heatherwick Studios soll sich ihre Struktur über die ganze Länge "verengen und erweitern", von sechs Metern an der schmalsten bis zu 30 Metern an der breitesten Stelle. Aus der Luftansicht wirkt das Bauwerk wie eine gigantische grüne Brille, wie man in den Unterlagen für eine gerade erfolgte Bürgerbefragung sieht. Mit dem Aufruf sollte die Bevölkerung an einer Weiterentwicklung der Pläne beteiligt werden. Die Ergebnisse werden noch in diesem Monat bekanntgegeben.

Ein Garten mit "magischer Qualität"

Neben Heatherwick, der mit dem Doppeldeckerbus zuletzt ein schon bestehendes Londoner Wahrzeichen modernisiert hatte, wird der englische Fernsehgärtner Dan Pearson entscheidend das Gesicht der Brücke prägen. Neben 270 Bäumen will er über der Themse einen Garten anlegen, der durch saisonale Pflanzen "in jeder Woche des Jahres anders ist", sagte Pearson dem "Evening Standard". Die Brücke sei schon vom Ansatz her eine Übung in Phantasie: "Ein schwebender Garten, der sich über dem Wasser erhebt, es nicht berührt und all diesen Raum um sich herum hat - allein das schon verleiht ihm eine magische Qualität."

Doch nicht alle Briten wollen diese Magie erkennen. So kritisierte etwa der Parlamentarier Lord Davies of Oldham, Mitglied im House of Lords, das Projekt als Geldverschwendung und bezweifelte den Nutzwert der Brücke. Sie sei ein "sehr teures öffentliches Kunstwerk", sagte Lord Davies laut BBC News, und könne kaum als Transportmittel bezeichnet werden. "Das ist ein Eitelkeitsprojekt des Bürgermeisters", für das am Ende die Steuerzahler aufkommen müssten.

Stadt-Oberhaupt Boris Johnson selbst sagte am Rande einer Veranstaltung in London vor einigen Tagen, die Brücke sei ein "wunderbarer Entwurf" und Teil seiner Vision von London im Jahr 2050, wie das Magazin "New Civil Engineer" zitiert. Er wisse aber selbst nicht genau, wofür sie gut sei - außer für eine "ordentliche Zigarette" oder ein "romantisches Treffen".

emt

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Nicht vergessen
Mertrager 12.02.2014
... Platz für die Kamers und Mikrofone zwischen den Pflanzen einzuplanen.
2. wo ist das problem?
pefete 12.02.2014
von diesen haben wir mehrere in deutschland. sie heißen wildbrücken und führen über die autobahn. ausserdem ist der zoo duisburg, den eine autobahn trennt, durch eine ähnlich brücke miteinander verbunden.
3. auch nicht vergessen
UluKay 12.02.2014
Sollte von den Bankern in London bezahlt werden. Wäre doch mal eine nette Geste um den ramponioerten Ruf etwas zu verbessern. :-)
4. Na wofür soll's wohl gut sein? Blöde Frage.
xtraa 12.02.2014
Für das Auge, die Ästhetik, zum Spazieren und der Kultur wegen. Kurzum für alles, was zuerst kommt, noch vor Arbeit, Büro und Geld.
5. Vernünftige Geldverschwendung
cicero_muc 12.02.2014
Gute Idee. Die Londoner haben es hingekriegt einen neuen Flughafen zu bauen und die olympischen Spiele auszurichten. Jetzt können sie sich auch mal sowas gönnen. Solche Projekte würden auch uns gut tun, jedenfalls wesentlich mehr als dieser seltsame Kasten den Hamburg versucht zu bauen. So gesehen zeigen uns die Engländer eine lange Nase.
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