75 Jahre Golden Gate Bridge: Sonnengruß am Brückenpfeiler

Golden Gate Bridge: Brückenparty zum 75. Fotos
TMN

Yogastunde, Bootsparaden und ein buntes Feuerwerk: Zum 75. Geburtstag der Golden Gate Bridge gibt es in San Francisco ein großes Fest. Tänzer schmeißen sich in Roben der dreißiger Jahre, Guides entführen zu nächtlichen Touren - und Brückenmaler greifen tief in den orange-roten Farbtopf.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

San Francisco - Für seinen 75. Geburtstag wirft sich das Wahrzeichen von San Francisco in Schale. Erstmals seit der Einweihung der Golden-Gate-Brücke im Jahr 1937 werden die beiden Hauptkabel auf ganzer Länge - immerhin 2332 Meter - frisch angestrichen. Rechtzeitig bis zum 27. Mai schaffen es die Brückenmaler allerdings nicht. Der im letzten Sommer begonnene Facelift für die im Durchmesser knapp einen Meter dicken Drahtseile mit der Farbe International Orange wird mehrere Jahre dauern.

"Es ist ein anstrengender Job, aber wir sind alle sehr stolz darauf, dass wir uns um eine weltberühmte Ikone kümmern", sagt Dennis "Rocky" Dellarocca, der seit 28 Jahren auf der Golden-Gate-Brücke arbeitet. Anfangs selbst mit Malerrolle und Sprühgeräten, inzwischen leitet der 58-jährige Kalifornier ein 40-Mann-Team, das mit frischer Farbe unermüdlich gegen Rost und Abnutzung kämpft: bei Wind und Nebel, von der Autotrasse bis zu den beiden Turmspitzen 227 Meter hoch über dem Pazifik, auf schwingenden Kabeln bis zum Fuß der Stahlträger, die von riesigen Zementfüßen im Meer gehalten werden. "Ich träume in International Orange", sagt Rocky und grinst.

Es ist nicht nur das unverkennbare Rotorange zwischen den weißen Schaumkronen des Pazifiks und dem stahlblauen kalifornischen Himmel, das die Golden Gate zur meist fotografierten Brücke der Welt macht. Auch die eleganten Art-Déco-Formen, die das "Goldene Tor" zwischen San Francisco und den grünen Hügeln von Marin County im Norden überspannen, locken jedes Jahr rund zehn Millionen Menschen aus aller Welt an.

Jogger, Radler, Rollschuhfahrer

Auch Simone Denzer, 22, und Jan Sölbrandt, 21, aus Wiesbaden zieht es auf ihrer ersten Kalifornientour gleich nach der Ankunft in San Francisco auf die Brücke. "Da muss man einfach mal drüber gelaufen sein", sagen sie. In 45 Minuten kann man die knapp drei Kilometer von einem zum anderen Ende schlendern. Dabei teilt man den drei Meter breiten Gehweg an der Ostseite der Brücke mit Joggern, Rollschuhfahrern und Radfahrern.

Beim Fotografieren und Bummeln zu den Stoßzeiten kann es eng werden. Wer schwindelfrei ist, läuft am besten am Geländer lang. Das reicht den meisten gerade bis zur Brust, gleich dahinter geht es 70 Meter in die Tiefe. "Jacke einpacken und drüberlaufen", sagt Brückenmaler Rocky, "du musst die Brücke fühlen, wie sie lebt und vibriert." Wer mit dem Mietfahrrad von San Francisco aus die Brücke bezwingt, muss aufpassen. Heftige Windböen machen das mitunter zu einem anstrengenden Vergnügen.

Mit einem Fußgänger-Tag war die Brücke am 27. Mai 1937 feierlich eingeweiht worden. Der nur 1,60 Meter große Bauherr Joseph Baermann Strauss, Nachfahre deutscher Einwanderer, erklärte stolz: "Das mächtige Werk ist vollbracht." Nach nur vierjähriger Bauzeit mit einem Budget von 35 Millionen Dollar präsentierte der Ingenieur ein architektonisches und ästhetisches Wunder. Mit einer Spannweite von 1280 Metern zwischen den beiden Pfeilern war es die längste Hängebrücke der Welt. Erst 1964 stahl ihr New Yorks Verrazano Narrows Bridge den Titel. Seit 1998 hat die japanische Akashi-Kaikyo-Brücke mit 1991 Metern Spannweite die Nase vorn.

200.000 Menschen spazierten bei der Eröffnung über die Golden-Gate-Brücke, rund 50.000 Hotdogs wurden an die hungrigen Schaulustigen verkauft, listet das Archiv der Brückenverwaltung auf. Beim Auftakt für den Autoverkehr tags darauf wurden über 30.000 Limousinen gezählt. Eine Woche lang feierte die Stadt, seitdem gab es für die Brücke keine ruhige Minute. Die größte Belastungsprobe kam am 50. Geburtstag, als 300.000 Menschen morgens um 6 Uhr von beiden Seiten auf das Bauwerk strömten - weit mehr als erwartet. Die gewöhnlich leicht nach oben gebogene Fahrtrasse drückte sich unter ihrer Masse durch. Die kühne Konstruktion hielt stand, doch die Verantwortlichen zitterten.

Geburtstagsparty an der Uferpromenade

"Diesmal machen wir es anders", stellt Brücken-Sprecherin Mary Currie sofort klar. "An ihrem 75. Jubiläum ist die Brücke nicht die Bühne, sondern nur Kulisse." Für Fußgänger wird die Golden Gate am Sonntag, den 27. Mai, gesperrt, nur der Autoverkehr läuft weiter. Gefeiert wird am Wochenende entlang der Uferpromenade, von dem historischen Fort Point am Fuß der Brücke bis zum Pier 39 in San Franciscos touristischem Viertel Fisherman's Wharf, sechs Kilometer entfernt.

Zum Jubiläum Ende Mai werden Hunderttausende Menschen in San Francisco erwartet. Als Ständchen für das Geburtstagskind sind Ausstellungen, Bootsparaden, Musik und Tänze in Kostümen der dreißiger Jahre geplant. Es fängt mit Yoga auf der Brücke bei Sonnenaufgang am Tag vor dem Jubiläum an. Mit einem riesigen Feuerwerk am Sonntagabend soll es gebührend ausklingen.

Für die Gäste gibt es noch ein dauerhaftes Geschenk. Auf dem Brückenvorplatz entsteht ein Besucherpavillon, "wo es auf alle Fragen zur Golden-Gate-Brücke Antworten gibt", erzählt Mary Currie. Neu sind auch nächtliche Brücken-Touren und eine Fotoattraktion mit witzigen Schnappschüssen, etwa von sich auf der Turmspitze. "Vor allem bei Nebel ist das praktisch, denn da ist oft nichts von der echten Brücke zu sehen", sagt Currie.

Barbara Munker, dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Autos damals und heute ...
baninchenrenner 28.04.2012
Lustig ist die historische Aufnahme vom Eröffnungstag im Jahre 1937, als die Brücke erstmals von Autos befahren wurde: Alle Karossen sehen darauf mehr oder weniger gleich aus, wie aus der selben Fabrik. Dabei waren das alles bestimmt "bunt" durcheinander gewürfelte Fords, Chryslers, Buicks usw. ... Aber wie ging noch mal der nicht totzukriegende "Früher-war-alles-besser"-Mythos?: Heutzutage würden alle Autos gleich aussehen, langweilig und ohne jede individuelle Ausstrahlung. Und wie liebevoll persönlich dagegen die guten alten Oldtimer daher gekommen sein sollen ... Hier ist der Gegenbeweis bildlich und dokumentarisch erbracht. Bitte einprägen!
2.
Otoshi 29.04.2012
Zitat von baninchenrennerLustig ist die historische Aufnahme vom Eröffnungstag im Jahre 1937, als die Brücke erstmals von Autos befahren wurde: Alle Karossen sehen darauf mehr oder weniger gleich aus, wie aus der selben Fabrik. Dabei waren das alles bestimmt "bunt" durcheinander gewürfelte Fords, Chryslers, Buicks usw. ... Aber wie ging noch mal der nicht totzukriegende "Früher-war-alles-besser"-Mythos?: Heutzutage würden alle Autos gleich aussehen, langweilig und ohne jede individuelle Ausstrahlung. Und wie liebevoll persönlich dagegen die guten alten Oldtimer daher gekommen sein sollen ... Hier ist der Gegenbeweis bildlich und dokumentarisch erbracht. Bitte einprägen!
Schauen Sie besser nochmal genau hin. Oder gehoeren Sie zu den Menschen fuer die z.B. alle Asiaten ebenfalls alle gleich aussehen?
3. @ Otoshi
baninchenrenner 30.04.2012
Zitat von OtoshiSchauen Sie besser nochmal genau hin. Oder gehoeren Sie zu den Menschen fuer die z.B. alle Asiaten ebenfalls alle gleich aussehen?
Sorry, aber lesen Sie besser nochmal genau meinen Kommentar: Dort steht nämlich: "mehr oder weniger"! Und genau damit habe ich die fast schon vernachlässigbaren optischen Unterschiede, die es ja zweifelsohne gibt, erschöpfend erwähnt. Oder sieht diese gleichförmig daherzumarschieren scheinende Benzinkutschenkarawane nicht auffallend monoton aus? Allein die Windschutzscheiben sehen alle nahezu identisch aus, kleine zweigeteilte "Brotscheiben". Ich hatte mir die "Jugendjahre" der Automobilzeit etwas bunter und formenfröhlicher vorgestellt als sie tatsächlich schon nach kurzer Zeit daherkam und war ob dieser Einheitsoptik doch ziemlich erstaunt. Oder es waren ausgesuchte Leute, Geschäftsleute und Beamte womöglich, die mit ihren gutbürgerlichen Dienstkarossen das Erstbefahrungsprivileg genießen durften. Das würde die frappierende Ähnlichkeit der Autos erklären. Ach, noch etwas zu Ihrem unappetitlichen "Auto-asiatische-Menschen-Vergleich": ja doch, alle Asiaten sehen in meine Augen gleich aus, ich kann Inder, Israelis, Indionesier oder Japaner ganz schwer auseinander halten!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Städtereisen
RSS
alles zum Thema USA-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
  • Zur Startseite

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


Fotostrecke
Nationalparks in den USA: Weniger Autos und Plastikmüll