Gran Hotel Manzana von Kempinski Erstes Luxushotel in Havanna eröffnet

Kapitalismus trifft auf Sozialismus. In Havanna werden historische Prunkbauten zu Luxushotels umgebaut. Allen voran eröffnet jetzt eines der größten Prestigevorhaben: das Gran Hotel Manzana.

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Vor dem weiß strahlenden Prunkgebäude klappern Pferdekutschen, Autos aus den Fünfzigern schleichen vorbei. Der Gegensatz von Luxusurlaub und Alltag könnte kaum größer sein - Kapitalismus trifft auf Sozialismus: Hier am Parque Central, mitten in Havanna, hat in einem 1917 erbauten einstigen Einkaufszentrum das Gran Hotel Manzana eröffnet. Gemanagt wird es von der Schweizer Kempinski-Gruppe.

Das Luxushotel ist das erste nach europäischem Maßstab, das in Kubas Hauptstadt eröffnet. Die Gäste des Fünf-Sterne-Hauses müssen für eine Nacht in einem der 246 Zimmer und Suiten zwischen 440 Dollar und knapp 2500 Dollar (390 bis 2200 Euro) hinblättern. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Monatsverdienst im Land liegt bei rund 30 Dollar.

Dafür aber stehen den Urlaubern ein Swimmingpool auf dem Dach, vier Bars und zwei Restaurants sowie eine Shoppingmeile im Erdgeschoss zur Verfügung. In den Boutiquen von Versace, Giorgio Armani, Lacoste oder Montblanc glitzern hochpreisige Mode, Uhren und Schmuck: Eine Bulgari-Uhr etwa ist mit 10.200 Dollar ausgezeichnet, eine Canon-Kamera mit 7542 Dollar.

Mit großen Augen laufen die Kubaner durch die glänzenden Marmorhallen. Während Teenager für Facebook-Selfies vor den Geschäften posieren, sind die Älteren überwältigt von Gütern, die mehr als ihr lebenslanges Einkommen kosten. Betrieben wird das Hotel gemeinsam von Kempinski und dem kubanischen Reiseveranstalter Gaviota, der vom Militär kontrolliert wird und sich zum größten Unternehmen des Landes entwickelt hat.

Selfie mit Manzana
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Selfie mit Manzana

Angesichts des Luxus gehen die Reaktionen im Land auseinander: "Das tut weh, weil ich nichts kaufen kann", sagt Rodolfo Hernandez Torres. Der 71-Jährige ehemalige Elektriker lebt von 12,50 Dollar im Monat. "Diese Geschäfte sind für Millionäre. Reiche Touristen anlocken - das ist Entwicklung", sagt dagegen die 55-jährige Büroangestellte Maritza Garcia. "Wir sind ein sozialistisches Land, aber die Wirtschaft muss kapitalistisch sein."

Das Warten auf die US-Touristen

Das fünfstöckige Gran Hotel Manzana ist nicht der einzige Luxusbau, der in Havanna entsteht. Viele der bröckelnden Bauten werden in Kooperationen von Gaviota mit westlichen Hotelketten zurzeit umgebaut - der Ansturm der Touristen aus aller Welt der letzten Jahre macht dies nötig. So etwa die Hotels Riveria und Packard von Iberostar oder das Sofitel So La Habana von Accor. Tourismus ist für Kubas Wirtschaft der wichtigste Devisenbringer.

Die Luxushotels sollen vor allem Touristen aus den USA anziehen. Diese dürfen zwar trotz erleichterter Einreisebedingungen offiziell immer noch nicht als Urlauber einreisen, stellen aber die große Hoffnung für die kubanische Branche dar. Sollte es zu einem kompletten Sanktionsverzicht kommen, könnte die Zahl der Besucher aus den USA enorm zulegen. Schon 2016 waren es 74 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt kamen vier Millionen Touristen aus aller Welt.

Am Dienstag verkündete auch der US-Reisevermittler Expedia, dass er Online-Hotelbuchungen für Kuba ins Angebot aufgenommen hat. "Ich sehe großes Potenzial", sagte die Karibik-Managerin. "Wir sprechen über das größte Land in der Karibik mit Plänen für viele neue Hotels."

Der neue Präsident der USA, Donald Trump, wird jedoch kaum das Embargo weiter aufheben. In den nächsten Tagen wird eine Stellungnahme zur kommenden Kuba-Politik aus dem Weißen Haus erwartet, berichtet die "Financial Times": Es stehe nicht zur Debatte, dass er Barack Obamas Kuba-Strategie ändern, sondern nur, wie viele Schritte er zurückgehen wird. Das wären schlechte Nachrichten für die westlichen Investoren und vor allem für die Kubaner.

abl/AP/dpa

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