Sehenswürdigkeit in Gefahr Großer Basar in Istanbul droht einzustürzen

Bis zu eine halbe Million Menschen schiebt sich täglich durch die Gassen des Großen Basars in Istanbul. Doch nicht die Besucher sind eine Gefahr für die Bausubstanz des alten Riesenmarktes, sondern die Händler. Sie sollen Keller ausgegraben haben, um sich mehr Platz zu verschaffen.

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Istanbul - Goldschmuck, Ledertaschen, Tabak, Tee und Tücher: Auf dem Großen Basar in Istanbul gibt es kaum etwas, das es nicht gibt. Es funkelt und leuchtet bei den Juwelen- und Lampenhändlern. Orientalische Töne dudeln aus kleinen Cafés, Frauen schlingen sich farbenfrohe Schals um die Hälse, stecken sich Ringe an und betrachten sich im Spiegel.

Der Große Basar ist ein Shoppingparadies für Istanbul-Reisende. Unter einem Gewölbe, das 64 Straßen überdacht, gibt es in mehr als 3500 Geschäften einen großen Reichtum an schönen und scheußlichen Dingen zu kaufen. Doch die Sehenswürdigkeit im Stadtteil Sultanahmet droht zu verfallen. Denn mit eigenmächtigen Umbauten haben Händler das mächtige Gebäude einem Bericht zufolge kurz vor den Einsturz gebracht.

Insgesamt 135 Geschäfte hätten ganze Wände entfernt, um mehr Platz zu bekommen, berichtete die türkische Zeitung "Today's Zaman" am Montag unter Berufung auf eine Untersuchung, die die Leitung des Basars in Auftrag gegeben hatte. Die Geschäftsleitung des im 15. Jahrhundert gebauten Marktes kündigte Strafen an.

Dem Bericht zufolge haben 926 Händler ihre Geschäftsfläche vergrößert, indem sie die dicken Wände dünner machten. Zudem seien 242 Öffnungen in Wände gegraben worden. Ermittler fanden auch illegal gebaute Kellergeschosse. Dazu komme, dass die Dächer die zusätzliche Last von Klimaanlagen, Satellitenschüsseln und Wassertanks tragen müssen. Bereits 2009 hatte man dem Großen Basar eine Einsturzgefahr attestiert. Das Dach rutsche jedes Jahr ein bis zwei Zentimeter zur Seite, hieß es damals.

Der Markt, der auf türkisch Kapali Çarsi (Überdachter Markt) heißt, ist eine der großen Touristenattraktionen in Istanbul. Bis zu eine halbe Million Menschen besucht täglich die Anlage, die auch über zwei Moscheen verfügt. Die Behörden haben angekündigt, den Basar komplett renovieren zu wollen, streiten aber mit den Ladenbesitzern über die Kosten.

jus/dpa



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insgesamt 12 Beiträge
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Kauzboi 20.08.2013
1. Und nu?
Zu warten bis die Sache einstürzt und hunderte oder tausende Tote zu beklagen sind? Ja, ich denke darauf läuft es hinaus...
mischpot 20.08.2013
2. Ja hier müssen die türkischen Behörden
den Markt schließen. Bei einem Einsturz und womöglich hunderten von Toden hätten Sie dies sonst billigend in Kauf genommen und wären des Mordes anzuklagen.
quercuselstein 20.08.2013
3. Wahnsinn
Wie kann man nur so etwas machen? Wände einreißen, dünner machen und Durchbrüche schaffen? Wahnsinn! Wenn das zur Hauptreisezeit einstürzen sollte, dann gehen die Opferzahlen in die Tausende! Nur wegen ein paar Dinar/Euro mehr....
aha47 20.08.2013
4. Währung
Zitat von quercuselsteinWie kann man nur so etwas machen? Wände einreißen, dünner machen und Durchbrüche schaffen? Wahnsinn! Wenn das zur Hauptreisezeit einstürzen sollte, dann gehen die Opferzahlen in die Tausende! Nur wegen ein paar Dinar/Euro mehr....
Die Währung der Türkei heißt weder Dinar noch Euro.
suppenkoch 20.08.2013
5.
Zitat von quercuselsteinWie kann man nur so etwas machen? Wände einreißen, dünner machen und Durchbrüche schaffen? Wahnsinn! Wenn das zur Hauptreisezeit einstürzen sollte, dann gehen die Opferzahlen in die Tausende! Nur wegen ein paar Dinar/Euro mehr....
Na ja, über Statik denken die Leute nicht nach. Warum auch, der Nachbar macht es ja auch und bislang ist nichts passiert. Und dann jammern alle, wenn das ganze kollabiert und keiner will schuld sein.
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