Budapests Wellness-Oasen: Party im Thermalbad

Nirgendwo sonst sprudelt täglich mehr Heilwasser aus Thermalquellen: Wer sich nicht entscheiden kann, ob er einen Badeurlaub oder einen Städtetrip machen will, kommt in Budapest voll auf seine Kosten. Besonders beliebt sind Wellness-Partys bis in die frühen Morgenstunden.

Budapest: Wellness und Feiern Fotos
Stephan Orth

Budapest - Laszlo Lakis Liebe gilt dem Schwarzweißfilm. "Eigentlich wollte ich ein Kino mieten, um dort die mit neuer Musik unterlegten Filme zu zeigen", sagt der Musiker. "Doch die Suche nach einem geeigneten Raum gestaltete sich schwierig. Irgendwann kam ich auf die Idee, die Filme in einem der Budapester Bäder zu präsentieren", erinnert er sich. Die Verantwortlichen seien zunächst skeptisch gewesen, hätten dann aber zugestimmt. 130 Leute kamen zur Premiere. Sie alle waren sich einig, dass es weitergehen muss.

Heute, 16 Jahre später, locken die legendären Cinetrip-Partys Jugendliche aus ganz Europa in Budapests Bäder. In Bikinis und Badehosen tanzt das Partyvolk zu wilden Klängen aus den Boxen. Die Besucher sind begeistert von der einzigartigen Mischung aus moderner Musik, cineastischen Effekten und der historischen Atmosphäre. Die Tickets sind begehrt und müssen lange im Voraus gebucht werden. Beliebt sind auch die Bädertouren. Dann gibt es mehrere Partys gleichzeitig - ein kostenloser Bustransfer ermöglicht den Wechsel von einem zum anderen Bad.

Mehr als 70 Millionen Liter mineralhaltiges Heilwasser sprudelt jeden Tag aus den 118 Thermalquellen von Budapest. Das gibt es in keiner anderen Großstadt der Welt. Eigentlich müsste die Stadt deshalb Bad Budapest heißen. Das Badeleben ist schon so alt wie die Stadt selbst. Bereits die Römer wussten um die wohltuende Wirkung der heißen Quellen, auch die Türken schätzten die Bäder. Heute kommen auch Feierwütige im Thermalwasser auf ihre Kosten.

Schach zwischen Dampfwolken

Bis zu 2000 Besucher werden zu den Partys im Széchenyi-Heilbad eingelassen. Es gehört zu den größten Badekomplexen Europas und liegt im Stadtwäldchen auf der Pester Seite der Stadt. 1913 wurde es eröffnet, 1927 kam das Freibad dazu. Hier sind sie tatsächlich zu finden, die Schach spielenden Gäste, umgeben von Dampfschwaden. "Sie sind eines der bekanntesten Budapester Fotomotive", sagt die Dame an der Kasse. "Schließlich sind die Bäder nicht nur für Partys da."

"Gehen Sie ruhig mal durch die ganze Anlage, Sie werden staunen", sagt sie und reicht dem Besucher die rund zehn Euro teure Eintrittskarte. Und tatsächlich, in der besonderen Atmosphäre der neobarocken Gebäude beeindrucken die hohen Beckenhallen, bei denen der Einfluss römischer Badekultur sichtbar wird, ebenso wie die von den Griechen übernommenen Wannenbäder oder die Saunen, Schwitzräume und Tauchbecken, die an Finnland erinnern.

Weil das Thermalwasser hier mit 74 Grad an die Oberfläche kommt, kann das weitläufige Freibad auch im Winter öffnen. Bei Wassertemperaturen zwischen 27 und 38 Grad sitzen Besucher im heißen Wasser, schauen dem Schneetreiben zu oder frönen auf schwimmenden Brettern dem Schachspiel.

Historische Maschine sorgt für Wellen

Baden in einem Baudenkmal - so könnte das Motto für das Gellert-Bad lauten. Mit seiner Jugendstilarchitektur ist es das Juwel der Budapester Bäder. Besonders sehenswert sind die zweistöckige Badehalle mit Loggia und Glaskuppel, aufwendig geschmückt mit bunten Mosaiken, Säulen, Statuen und Vasen und das noch im Originalzustand von 1918 erhaltene Thermalbad der Herren. Fußböden, Wände und Becken sind hier mit Zsolnay-Keramik in verschiedenen Türkistönen verkleidet.

Spaß macht auch das Baden draußen im Wellenbad. Die Wellenmaschine wurde bereits 1927 installiert. Wie in vielen anderen Bädern auch steht ein breites Spektrum von wohltuenden Behandlungen zur Auswahl - von Tuffstein-Massagen, Schokoladen-Anwendungen über Schlammpackungen bis zu Kohlensäurebädern.

Baden wie der türkische Pascha können Besucher im Rudas-Bad. Es liegt direkt an der Donau unweit der berühmten Kettenbrücke. Pascha Mustafa Sokoli war es, der das seither weitgehend unveränderte Bad 1566 auf den Resten eines älteren Bades errichten ließ. Eine wuchtige Kuppel, getragen von acht roten Marmorsäulen, überspannt das Hauptbecken.

Die vier in den Ecken befindlichen Becken enthalten unterschiedlich warmes und leicht nach faulen Eiern riechendes Wasser. Die neue Badekultur ist auch im Rudas-Bad angekommen: Nur in Badesachen und Flip-Flops kommen junge Leute zur Cinetrip-Party.

"Das ist eine Mischung aus Spa und Party", erklärt Veranstalter Laki. "Die Leute lassen sich im Wasser treiben, planschen oder schmusen bis 4 Uhr morgens." Dass das heute möglich ist, sei eine Sensation. Schließlich durften nach türkischer Tradition Frauen bis 2005 das Bad nicht einmal betreten, fügt er hinzu.

Schon immer für jedermann zugänglich war Budapests erstes Freibad, das Palatinus-Bad. Es liegt eingebettet in der gepflegten Parklandschaft der Margareteninsel. Die riesige Poollandschaft mit elf Becken, Wellenbad und fünf Rutschbahnen wird ebenso mit Thermalwasser gespeist wie die im Nordteil der Insel liegenden Kurhotels.

Detlef Berg/dpa/sto

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