Aus Panama-Stadt berichtet Tobias Käufer
Drei kleine Gefäße braucht ein Butler im höchsten Gebäude Lateinamerikas, um einen Cappuccino zu servieren: eins für den Espresso, eins für die heiße Milch und eins für den Schaum. Vor den Augen des Gastes bereitet der Mann das heiße Getränk zu. Wenn Donald Trump ein neues Hotel baut, dann müssen Superlative her - und dann wird der Cappuccino eben auch nicht in einer ordinären Tasse serviert.
Der Trump Ocean Club an der Pazifikküste des mittelamerikanischen Landes setzt in der Region neue Maßstäbe. Der vor zwei Monaten eingeweihte Bau mit den Konturen eines Segels bietet einen Luxus, der vor allem zahlungskräftige Geschäftsleute und Touristen anlocken soll. Exakt 284 Meter und 70 Stockwerke hoch ist die Edelherberge, die nach Wunsch von Panamas Staatspräsident Ricardo Martinelli künftig die Postkarten seines Landes schmücken soll.
Panama-Stadt ist das pulsierende Finanzzentrum Lateinamerikas und eines der wichtigsten Drehkreuze für den Luftverkehr in der Region. Es ist aber auch das Paradies der Steuersünder und Briefkastenfirmen-Betreiber, eine Klientel, die es gerne komfortabel hat. Für all diese Gäste entstehen derzeit in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes Tausende von Luxus-Apartments. Es scheint, als hätte die Weltwirtschaftskrise einen großen Bogen um das kleine Land gemacht: das Wirtschaftswachstum betrug zuletzt 9,7 Prozent.
Die Armenviertel von Panama-Stadt sind gerade einmal fünf Autominuten vom Trump Ocean Club entfernt: Nach San Miguel oder Santa Cruz wird sich allerdings vermutlich trotzdem kein Hotelgast verirren. Stattdessen bleibt man unter sich - auf der 900 Quadratmeter großen Terrasse tritt man sich auch nicht gerade auf die Füße. Die Zimmerpreise ab 300 US-Dollar pro Nacht für das kleinste Zimmer sorgen für eine natürliche Selektion unter den Gästen.
Zimmerservice für Vierbeiner
Dafür bekommen sie Luxus, Komfort - und jede Menge Aufmerksamkeit: "Wir stellen jedem Gast einen persönlichen Attaché zur Verfügung", sagt Marketingdirektor Thierry Baurez. Der moderne Hotelgast erwartet vor allem Service-Dienstleistungen rund um die Uhr: Für den mitgebrachten Hund gibt es einen speziellen Room-Service mit Menükarte. Sollte keine Zeit für den Kauf eines Geschenkes für die Liebsten bleiben, geht eben der Attaché shoppen.
Was sich zunächst komfortabel anhört, kann aber ganz schön nerven. Gleich mehrmals am Tag klopft es an der Zimmertür: Die Gastgeber wollen wissen, ob denn auch wirklich alles in Ordnung ist.
Dabei ist der Ausdruck "in Ordnung" irgendwie fehl am Platze im Trump Ocean Club. Vom 14. Stock aus haben die Gäste eine atemberaubende Aussicht auf die Wellen des Pazifiks, die in Richtung Küste rollen. Die beeindruckende Skyline von Panama-Stadt wirkt noch ein wenig spektakulärer, wenn man sie aus dieser Höhe vor Augen hat und gerade ein paar Bahnen in einem der fünf Pools zieht.
Das optische Erlebnis wird allerdings zumindest noch für einige Monate lang durch Baustellenlärm getrübt bleiben. Links und rechts des riesigen Trump-Komplexes entstehen derzeit ein paar weitere riesige Apartmentkomplexe.
Per Highspeed-Katamaran zur Hotel-Insel
Auch der Trump Ocean Club ist noch nicht ganz fertig. Im Februar 2012 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann bietet der gesamte Komplex fast 400 Zimmer, einen ähnlich großen Apartmentbereich, eine eigene Insel, die per Highspeed-Katamaran angefahren wird, ein Shopping-Center und ein Kasino. Von all dem erfährt der Gast durch Ivanka Trump, Tochter des Immobilien-Tycoons und ehemaliges Model: Im hoteleigenen TV-Kanal prahlt sie per Video-Vorschau mit allem, was noch auf der Unfertig-Liste steht.
Einen großen Teil des versprochenen Luxus kann man jedoch bereits erahnen. Die kolumbianische Designerin Adriana Hoyos hat dem Bau mit Elementen aus der Geschichte Panamas eine besondere Note verliehen. Ungewöhnlich für lateinamerikanische Verhältnisse: Es läuft nicht überall Sicherheitspersonal herum.
Stattdessen wird jeder Schritt des Gastes außerhalb der Zimmer per Videokamera verfolgt. In Stockwerk 15 schlägt das technische Herz der digitalen Überwachung. Sollte es Ärger geben, wird von hier aus der Einsatzbefehl gegeben. Irgendeine Kamera zeichnet also stets auf, wer wann welches Zimmer betritt.
"Panama boomt, es ist das Herz der lateinamerikanischen Finanzwelt. Hier werden täglich Geschäfte gemacht", sagt Thierry Baurez. Die damit verbundene Kundschaft ist seine Zielgruppe.
Für Panama-Stadt sei das Hotel ein Wirtschaftsfaktor und eine Jobmaschine, versichert Baurez. Ein Gesetz schreibt vor, dass 90 Prozent der künftig rund 1000 Mitarbeiter Einheimische sein müssen.
Auch wenn Trump also für Arbeitsplätze sorgt, besonders beliebt ist der US-amerikanische Bauherr in dem nur 3,3 Millionen Einwohner zählenden Land nicht: Vor Kurzem hatte er die Panamaer mit der Äußerung verärgert, die USA hätten den Panamakanal vor 34 Jahren ohne Gegenleistung an sie verschenkt. Die Frage um die Vorherrschaft über den für den Handel immens wertvollen Seeweg hatte über Jahrzehnte immer wieder für schwere Spannungen zwischen den USA und dem mittelamerikanischen Staat gesorgt.
Offenbar will Trump seinen verbalen Aussetzer nun wieder gutmachen: Im Jahr 2013 wird er seinen Miss-Universe-Wettbewerb in Panama ausrichten.
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