Luxushotel The Fontenay eröffnet in Hamburg Alles schwingt

Infinity-Pool mit Alsterblick, Suite für 9000 Euro - und überall Kurven: In Hamburg eröffnet ein Fünf-Sterne-plus-Hotel mit einiger Verzögerung. Inhaber Kühne bezeichnete es als seine "kleine Elbphilharmonie".

The Fontenay, Hamburg

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Das gigantische Vordach zieht einen weiten Bogen um das runde Wasserbecken davor. Fassaden und Terrassen krümmen sich nach innen oder außen. Und im Hotel? Kurven, Kurven, Kurven. Keine Wand steht parallel zu einer anderen. Im Foyer checkt der Gast an geschwungenen Schreibtischen ein, die vor einem begrünten Innenhof stehen. Das benachbarte Atrium ist kreisrund, der Blick richtet sich 27 Meter in die Höhe.

Als der Hamburger Stararchitekt Jan Störmer über den Entwurf für das Luxushotel The Fontenay nachgrübelte, soll er sich mitten in den Alsterpark gesetzt und über die Prinzipien der chinesischen Harmonielehre Feng Shui nachgedacht haben. Inspiriert durch Wasser, Bäume und Himmel entwarf er ein Gebäude, dessen Grundform aus drei ineinander übergehenden Kreisen besteht. Und das alle, die diese Idee an der Hamburger Außenalster umsetzen sollten, wohl zur Verzweiflung brachte.

Atrium im The Fontenay
The Fontenay

Atrium im The Fontenay

"Alles ist sehr komplex", sagte der Auftraggeber Klaus-Michael Kühne dazu im September dem "Handelsblatt". "Die technisch sehr aufwendigen Strukturen des runden Baus haben wir völlig unterschätzt." Da habe ihm der Architekt keinen "reinen Wein eingeschenkt", beklagt er sich. Und Kühne, Logistikunternehmer, HSV- und Elbphilharmonie-Unterstützer, ist Kummer gewohnt. Auch der 75-jährige Störmer gibt zu: "Die Form dieses Hotels ist so stark, dass jedes Möbelstück eigentlich Rücksicht auf die Architektur nehmen muss."

Vieles an Mobiliar musste maßgefertigt werden - darunter eine 25 Meter lange gekrümmte Sitzbank. Oder die Teppiche der kurvigen Flure, die von der Hongkonger Edelmanufaktur House of Tai Ping nach den Grundrissen gewebt wurden, um keinen Verschnitt zu produzieren. Dann kamen noch Pech mit Beratern, eine Insolvenz und im August 2017 ein Wasserschaden hinzu, der die Eröffnung noch einmal hinausschob. Kühne bezeichnete das 100 Millionen teure Hotel inzwischen als "Liebhaberprojekt".

Nun aber, eineinhalb Jahre später als geplant, kann der 80-jährige Milliardär am Montag das Fünf-Sterne-Superior-Hotel The Fontenay im Viertel Rotherbaum offiziell in Betrieb nehmen. Es ist das erste neue Hotel dieser Kategorie in Hamburg seit fast 20 Jahren - und wird bereits international erwartet: Die "New York Times", die die Hansestadt als "Paradies für Architektur- und Designfans" zu einem der Top-Reiseziele 2017 erklärt hatte, empfahl das "superluxuriöse Fontenay" schon vor der Eröffnung. Seit vergangenem Jahr schon gehört es zu den "Leading Hotels of the World".

Experimentelle Küche mit Alsterblick

"Alles schwingt" könnte das Motto des Hauses sein. An das kreisförmige Atrium schließt sich das Gartenrestaurant Parkview an, aus dem der Gast durch die gerundete Fensterfront gen Alster blickt. Der Fahrstuhl neben den hinterleuchteten Onyxmarmor-Wänden bringt ihn dann zu seinem mindestens 28 Quadratmeter großem Zimmer (ab 320 Euro) oder der 195 Quadratmeter großen Fontenay Suite (9000 Euro). Unterwegs krümmen sich Flure um das Atrium und den begrünten Innenhof.

Die Fontenay Bar im sechsten Stock öffnet sich im 320-Grad-Winkel und ist umsäumt von einer Dachterrasse, die im Infinity Pool und Spa-Bereich endet. Über eine enge Wendeltreppe aus Holz erreicht der Gast von der Bar aus das Gourmetrestaurant Lakeside, wo er die experimentelle Küche des jungen Kochs Cornelius Speinle erwarten kann (Acht-Gang-Abendmenü für 165 Euro). Jederzeit im Blick: die fünf Hamburger Hauptkirchen, die Außenalster mit Segelbooten und die Innenalster mit dem Rathaus dahinter.

Ein Rundgang durch das Hotel The Fontenay in Bildern:

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Hamburger Sternehotel: Ein Rundgang durch das Hotel Fontenay

Immer wieder neue Ein- und Ausblicke eröffnen sich in und von dem hellen Gebäude mit seinen 14.000 Quadratmeter Glasfläche. Dabei setzte der gebürtige Hamburger Kühne, der zusammen mit seiner Frau auch Details bei der Ausstattung mitgestaltete, auf hanseatisches Understatement statt auf Dubaier Blattgold-Blingbling. Helle Beigetöne dominieren und viele Naturmaterialien - wie Holz, Leder, Granit und Onyxmarmor. Das Fontenay sei "eine Hommage an die Hansestadt: offen, kosmopolitisch und ausgesprochen gastfreundschaftlich", schmeichelt das Hotel den Hamburgern.

Boom an ausländischen Touristen

Um sie zu erleben, müssen Architekturfans noch nicht mal übernachten - willkommen sind in der Hotelgastronomie alle. "Ein guter Mix" solle entstehen, sagt Pressesprecherin Claudia Bellmann dazu - wenn sich die Hanseaten hier wohlfühlen, dann auch die internationale Kundschaft. Diese betuchteren Reisenden erwartet das Hotel vor allem aus der Schweiz - wo auch Klaus-Michael Kühne residiert -, Skandinavien und den USA.

Genau diese Länder stellen auch die meisten ausländischen Touristen, die der Hansestadt in den vergangenen Jahren einen Boom bescherten - seit Januar vergangenen Jahres angelockt auch durch die international gefeierte Elbphilharmonie. Ein Viertel der 13,8 Millionen Übernachtungen 2017 wurde aus dem Ausland gebucht - das waren 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Am stärksten stieg mit 14,3 Prozent die Zahl der Übernachtungen von US-Amerikanern, die meisten der ausländischen Besucher reisten aus Dänemark, der Schweiz und Großbritannien an.

Der Präsident des Hotelverbands Dehoga in Hamburg, Franz J. Klein, zeigt sich mit der Entwicklung zufrieden: Die Nachfrage nach Hotelzimmern steigt und auch die Auslastung, die mit 80,3 Prozent höher als in Berlin oder München liegt. Gleichzeitig wird das Angebot größer, denn die Branche zieht nach: In den kommenden 1,5 Jahren sind etwa 20 Hotelprojekte in Hamburg im Plan, sagt Klein - und das in allen Kategorien. Das Fontenay sei im Luxussegment eine Bereicherung und vor allem attraktiv für internationale Gäste.

Als "meine kleine Elbphilharmonie" bezeichnete Klaus-Michael Kühne sein Hotel The Fontenay: teuer und immer wieder verzögert. Als das Konzerthaus an der Elbe fertig gestellt war, war der Ärger fast vergessen. Auch Milliardär Kühne sieht seine Investition gelassen und sagte dem "Handelsblatt": "Ein Hotel glitzert mehr als eine Spedition und macht Spaß. Das leisten wir uns."

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insgesamt 37 Beiträge
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xcountzerox 17.03.2018
1. "Das Ehepaar Kühne hat bei der Ausstattung viele Anregungen gegeben"
Merkt man. Ich fühle mich da bei der Einrichtung, Farben und Möbeln in die 70-er versetzt. Fast schon Ostblock Eindruck.
sking 17.03.2018
2. Was?
Das Geld hätte er auch sinnvoller investieren können. Ich denke da an den HSV.
vincent-april 17.03.2018
3. Schön, dass es das noch gibt,
ein Liebhaberprojekt, welches nicht nur auf schnelle Rendite zielt.
elgrandee 17.03.2018
4. Überschrift
Sehr beklemmende, drückende Atmosphäre auf den Bildern. Da könnte man aus dem Stand ein Remake von Shining drehen. Sehr überladen, aus der Zeit gefallenes Mobiliar und wenig einladend. Luxus wird heute ganz anders verkauft, als es dort versucht wird.
Heimwerkerin 17.03.2018
5. Nein.
Im Gegensatz zur Elbphilharmonie weckt dieses Bauwerk bei allem handwerklichen Geschick keine guten Gefühle. Jedenfalls mir wäre Grundschulbildung für ein Kind wichtiger als vier Wochen Bauchpinselei, was für ein besonderer Mensch ich doch sei.
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