Innovativer Stadtplan Knüller gegen den Faltwahn

Ein italienischer Designer hat Stadtpläne mit ausgesprochen simpler Handhabung entworfen: Sie werden einfach zusammengeknüllt. Das Konzept kommt bei Städtereisenden bestens an - schon ist die Berlin-Karte ausverkauft.

Palomar

Mailand - Manche Ärgernisse scheinen derart unvermeidlich und alternativlos, dass man sie einfach hinnimmt. In diese Kategorie fiel bislang auch der Stadtplan beim Besuch unbekannter Metropolen - ein postergroßes Stück Papier, dessen Faltung die besondere Eigenschaft zu haben scheint, dass sie, einmal entfaltet, niemals wieder rekonstruiert werden kann. Ein ausgesprochener Nachteil bei einem Dokument, das dazu bestimmt ist, häufig ausgebreitet und wieder zusammengelegt zu werden.

Die daraufhin spontan entwickelten Origami-Techniken sind entweder enervierend kompliziert oder resultieren in zerrissenen Fragmenten. Irgendwann begnügt man sich damit, den Stadtplan einfach wieder in die Tasche zu stopfen - und ihn dort zu belassen.

Auch digitale Navigationssysteme konnten bislang keine angemessene Abhilfe schaffen: Smartphones etwa haben viel zu kleine Displays - sie bieten keinen Überblick und damit kein Gefühl für die ganze Stadt.

Knüller für die Hosentasche

Manchmal sind die Lösungen für derartige Probleme jedoch so simpel, dass sich die Frage stellt, wieso bislang noch niemand darauf gekommen ist: Der italienische Designer Emanuele Pizzolorusso hat einen Stadtplan entwickelt, der Städtereisende vom Faltwahn befreit - er wird einfach zusammengeknüllt und sodann in die Hosentasche oder ein mitgeliefertes Beutelchen gesteckt. Möglich macht den Knüller-Plan ein quasi unzerstörbares Material, das wasserfest und knitterfrei sein soll.

Die in ausgebreitetem Zustand 87 mal 58 Zentimeter messenden Pläne wiegen 20 Gramm und enthalten Informationen zu Sehenswürdigkeiten. Dazu werden zehn subjektiv ausgewählte "SoulSights" vorgestellt - laut Anbieter "Orte mit besonders intensiver Ausstrahlung".

Bislang gibt es die von der Mailänder Firma Palomar produzierten "Crumpled City Maps" für fünf Städte: New York, Paris, London, Rom und Berlin - allerdings ist ausgerechnet der Plan der deutschen Hauptstadt zurzeit ausverkauft.

Weitere fünf bis zehn Städte in Asien und den USA sollen folgen, wie das Internetportal Gadling berichtet. Als nächstes ist allerdings ein Plan für eine weitere deutsche Stadt angekündigt - auch Hamburg soll es bald in knüllbarer Form geben.

fdi

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Langles 05.12.2010
1. Wirklich praktisch oder eher Scherzartikel?
Bleibt immer noch der Nachteil, dass man im Ernstfall mit einer riesigen Karte zu kämpfen hat, was besonders bei Wind sehr unterhaltsam ist. Außerdem wollte ich dieses Säckchen nicht in Hosen- oder Hemdtasche haben. Passt wahrscheinlich auch gar nicht. Neenee, ich glaub', ich bleib' für solche Fälle bei meiner bewährten PopOut-Maps-Sammlung. Die passen in o.g. Taschen und sparen auch deshalb tatsächlich Zeit im Vergleich mit Google Maps und GPS auf dem Handy. Übrigens würde ich den Designer rausschmeißen, wenn ich der Knitterkartenhersteller wäre -- das Big-Apple-Logo für New York hat dieser Faulpelz in drei Arbeitsschritten (Biss entfernen, spiegeln, Zweig hinzugefügen) aus dem Apple-Inc.-Logo hervorgezaubert, anstatt selbst kreativ zu sein, wofür er vermutlich bezahlt worden ist.
ElOmda 05.12.2010
2. Die Meldung
ist interessant und bestimmt Auslöser um mir so einen Plan zu kaufen. Spiegel online ist quasi gut wenn man nicht ständig aus Imponiergehabe das Wort " quasi" verwenden würde. ".. aus quasi unzerstörbaren ...
Ken, 05.12.2010
3. Nette Idee
Zitat von ElOmdaist interessant und bestimmt Auslöser um mir so einen Plan zu kaufen. Spiegel online ist quasi gut wenn man nicht ständig aus Imponiergehabe das Wort " quasi" verwenden würde. ".. aus quasi unzerstörbaren ...
Das ist das Material, aus dem die Ikea-Taschen sind. Coole Idee, damit eine eigene Firma zu gründen und abzusahnen. Knitterfrei ist das Material natürlich nicht, aber da es aus beschichtetem Plastik besteht, ist es leichter zu glätten als Papier. Ken
Tjelfe, 05.12.2010
4. Nur noch ein Thema...
Zitat von LanglesBleibt immer noch der Nachteil, dass man im Ernstfall mit einer riesigen Karte zu kämpfen hat, was besonders bei Wind sehr unterhaltsam ist. Außerdem wollte ich dieses Säckchen nicht in Hosen- oder Hemdtasche haben. Passt wahrscheinlich auch gar nicht. Neenee, ich glaub', ich bleib' für solche Fälle bei meiner bewährten PopOut-Maps-Sammlung. Die passen in o.g. Taschen und sparen auch deshalb tatsächlich Zeit im Vergleich mit Google Maps und GPS auf dem Handy. Übrigens würde ich den Designer rausschmeißen, wenn ich der Knitterkartenhersteller wäre -- das Big-Apple-Logo für New York hat dieser Faulpelz in drei Arbeitsschritten (Biss entfernen, spiegeln, Zweig hinzugefügen) aus dem Apple-Inc.-Logo hervorgezaubert, anstatt selbst kreativ zu sein, wofür er vermutlich bezahlt worden ist.
Auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben können: SPON berichtet ab und zu auch noch über etwas anderes als die neuesten Gadgets von Apple...
faustjucken_tk 05.12.2010
5. ...
Warum bin nicht ich auf sowas gekommen?
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