Istrien Felsküsten und Freizügigkeit

Die kroatische Halbinsel Istrien wird häufig die "zweite Toskana" genannt. Doch das Urlaubparadies lockt nicht nur mit ursprünglicher Natur, sondern auch mit freizügigen FKK-Regelungen.


Porec - Der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien hatte die Urlauberzahlen auf Istrien einbrechen lassen - obwohl die Kampfgebiete weit weg waren und auf der Halbinsel nichts zerstört wurde. Mittlerweile wird die Region wiederentdeckt. Viele der Urlauber kommen, weil sie ein preisgünstiges Urlaubsziel suchen. Bei einer anderen Gruppe spielt Geld dagegen absolut keine Rolle: Ein großer Teil der Ferienanlagenbetreiber stammt inzwischen aus dem Ausland, etwa aus Spanien oder Chile.

Zutritt nur ohne Badekleidung erlaubt
GMS

Zutritt nur ohne Badekleidung erlaubt

Die felsige Küste ist seit Jahrzehnten ein Paradies für Nacktbader. 1953 war Kroatien das erste Land in Europa, das FKK-Anhängern die Tore öffnete. Inzwischen allerdings wird FKK oder "oben ohne" fast überall an der Adria akzeptiert. In den istrischen Ferienanlagen wird deshalb viel Wert darauf gelegt, dass man hier "FKK erster Klasse" bietet und das Serviceangebot ständig ausbaut.

Über den Dächern von Rovinj
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Über den Dächern von Rovinj

Von Kanegra an der slowenischen Grenze im Norden bis Kazela an der Südspitze Istriens wetteifern etwa ein Dutzend große Urlaubsanlagen um die Gunst der Gäste. Zu jeder Anlage gehört ein Campingplatz. Wer es komfortabler liebt, kann aber auch in Hotels, Ferienwohnungen oder Pavillons unterkommen. Zu den am besten ausgestatteten Ferienzentren zählen die Touristensiedlungen Koversada bei Vrsar, Solaris in Porec und Valalta bei Rovinj.

Koversada ist aus der vorgelagerten autofreien Insel gleichen Namens hervorgegangen und misst mittlerweile 120 Hektar. Wegen seiner schönen Lage auf einer Landzunge erfreut sich auch das reine Campinggelände Ulika großer Beliebtheit. Ruhig und verträumt liegen Kanegra, Istra und Ladin Gay an der Küste.

In allen Anlagen wird deutsch gesprochen, auch Ausflüge sind unproblematisch. Zum Besichtigungsprogramm gehören die Plitvicer Seen mit ihren 17 Wasserfällen ebenso wie die Arena von Pula. Zu Beginn unserer Zeitrechnung kämpften dort vor 20.000 Zuschauern Gladiatoren um ihr Leben. An der Westküste schneidet der 600 Meter breite Limski-Fjord etwa zwölf Kilometer tief ins Land. Am Ufer sind noch immer die Kulissen des Karl-May-Filmes "Der Schatz im Silbersee" zu sehen, der dort 1962 gedreht wurde.

Vom Flugplatz bei Vrsar können Rundflüge über Rovinj und die zerklüftete Küste gebucht werden. Am Grund des klaren Wassers meint man die Seeigel zu erkennen, Fischerboote liegen wie Spielzeug auf einer Glasplatte darüber.

Istrien
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Im Vergleich zu früheren Zeiten haben viele Restaurantbesitzer ihre Speisekarten erheblich ausgeweitet. Unverzichtbare Bestandteile sind nach wie vor typische Gerichte wie Rasnjici und Cevapcici Djuvec - Fleisch mit Gemüse - oder Moussaka. Daneben kommt vor allem viel Fisch auf den Tisch, wie etwa Goldbrasse, sowie Tintenfisch oder Schalentiere. Ein einfaches Menü kostet durchschnittlich zehn Mark, ein halber Liter einheimisches Bier knapp drei Mark.

In eine andere Welt versetzt fühlt man sich in Golumbera, am Südkap Istriens. Nur von der See her ist die "Grotte der Erkenntnis" zugänglich. Durch den hohen Wasserstand ist der Zugang fast verschlossen. Hinein kommt deshalb nur, wer in das dunkle Innere der Felshöhle abtaucht. Auf dem Rücken schwimmend kann man dort über sich in der hohen Decke ein helles Loch sehen - für die Menschen in Istrien das Fenster zum Himmel.



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