London als James-Bond-Filmkulisse Drehortjagd mit 007

James Bond verfolgt seine Feinde seit über 50 Jahren rund um die Welt. Seine Heimat aber ist London. Wo er wohnt, wo er jagt - hier sind die Drehorte.

ddp images/ Sony Pictures

London ist meist bedeckt - und "keine besonders fotogene Stadt". Das sagt zumindest Sam Mendes, Brite und gefeierter Regisseur der "James Bond 007"-Filme "Skyfall" und "Spectre". Dumm nur, wenn genau diese Stadt eine große Rolle im Leben des Hauptprotagonisten spielt. Als Wohnort, aber auch als Sitz des Geheimdienstes MI6, des Arbeitgebers des Filmhelden. Man müsse sich eben etwas einfallen lassen, sagt Mendes.

Was aber den Filmemachern zugute kommt: London ist auch eine Stadt mit vielen Gesichtern. In den Bond-Filmen trat London nicht nur als London auf, sondern auch schon als Hamburg, Shanghai oder Kuba. Als Bond-Fan kann man daher auch in London auf Drehortsuche gehen - und nicht nur in Chamonix, Udaipur, Griechenland oder auf den Bahamas:

Spektakuläre Drehorte, peinliche Drehpannen

Londoner Zufluchten: Wo James Bond wohnte

Auch ein Bond hat irgendwann Dienstschluss und geht nach Hause. Bisher aber war seine Privatwohnung in allen 24 Filmen erst dreimal zu sehen - zuletzt im jüngsten Bond "Spectre" (2015). Seitdem kennt man auch die genaue Adresse von 007: 1 Stanley Gardens, Notting Hill, erster Stock. Die Wohnung darunter wurde neulich zum Verkauf angeboten: für 2,25 Millionen Pfund - das ist London! Das Haus ist ein Altbau, mit Erkern, Säulen und gusseisernem Balkongitter. Gestrichen ist es in diesem Londoner Weiß mit leichtem Beigeton. Doch, er hat Geschmack, dieser Eton-Schüler.

Nur nicht in seiner spartanischen Junggesellenbude. "Gerade erst eingezogen?", fragt Miss Moneypenny, als sie bei ihm vorbeischaut. "Nein." Aber die Bilder lehnen alle noch an den Wänden, auf dem Boden stehen Kartons, und die Lampen sind noch nicht aufgehängt worden.

Bonds wahres Zuhause ist eben sein Arbeitsplatz, der Sitz des Auslandsgeheimdienstes MI6. Das Tragische ist: Nachdem er im vorletzten Film bereits seine Ersatzmutter, die Geheimdienstchefin M, verloren hatte, sprengte Erz-Bösewicht Ernst Stavro Blofeld in "Spectre" die Zentrale in die Luft. Schon in "Skyfall" (2012) gab es dort eine schwere Explosion - fortan war es nur noch eine abrissreife Ruine. Und noch viel eher, in "Die Welt ist nicht genug" (1999), riss eine Explosion ein Loch in die Außenwand.

Das reale MI6-Hauptquartier steht dagegen unversehrt an der Themse, Höhe Vauxhall Bridge. Nur im September 2000 schien die Fiktion plötzlich Wirklichkeit zu werden: Vom gegenüberliegenden Ufer aus wurde eine Rakete abgefeuert. Sie richtete zwar nur leichten Schaden an. Aber dass so etwas überhaupt passieren konnte, verursachte Aufregung. Hauptverdächtige waren nordirische Terroristen.

MI6-Gebäude am Südufer der Themse
TMN

MI6-Gebäude am Südufer der Themse

In "Spectre" hatte sich der Inlandsgeheimdienst MI5 direkt gegenüber auf der anderen Themseseite einen nagelneuen Glasturm hingesetzt. Dieses Gebäude wurde von Bond allerdings als feindliches Territorium betrachtet. Außerdem war es computeranimierte Fiktion - zumindest von außen. Die Innenszenen hingegen wurden in der City Hall gedreht, dem Londoner Rathaus des Stararchitekten Norman Foster.

Bond, verkörpert von Daniel Craig, zieht sich in "Spectre" mit seinen Getreuen in einen unterirdischen Bunker zurück, der per Boot über einen Tunnel erreichbar ist. Die schummrige Einfahrt liegt jedoch gar nicht an der Themse in der Nähe der MI6-Zentrale, sondern weit entfernt im Norden Londons am Camden Lock, mitten im Touristen-Hotspot Camden Market.

Später treffen sich M, Q und Miss Moneypenny in einem Restaurant, und zwar nicht in irgendeinem, sondern dem ältesten der Stadt: Rules Restaurant in 34-35 Maiden Lane, Covent Garden. Gegründet von Thomas Rule im Jahr 1798, verspeist man dort seit jeher sehr britische Gerichte wie Pies, Puddings und schottisches Moorhuhn. Zu den Fans zählten Charles Dickens und Charlie Chaplin.

Londoner Verkehr: Wo James Bond auf Verfolgungsjagd ging

In "Skyfall" setzt Bond dem Fiesling Raoul Silva nach. Dieser taucht im öffentlichen Nahverkehr unter, der dem Aston-Martin-Fahrer Bond nun so gar nicht vertraut ist. 007 sucht Hilfe bei Q und teilt ihm mit, dass er sich in der U-Bahn-Station Temple befinde.

Tatsächlich entstand die Szene auf einem stillgelegten Bahnsteig der Station Charing Cross unter dem Trafalgar Square. Dieser ehemalige Bahnsteig der Jubilee Line wird manchmal noch von der U-Bahn reaktiviert - meist ist er aber geschlossen. Allerdings sieht er auch nicht anders aus als die anderen Bahnsteige in Charing Cross.

Sehr aufwendig zu drehen und dementsprechend teuer sind Verfolgungsjagden über die Themse, zuletzt in "Spectre". Solche Szenen mitten in der Stadt und in der Nähe des Parlaments und der Ministerien sind nur mit langem Vorlauf möglich - in diesem Fall waren es 20 Monate. Allein zur Unterrichtung der Anwohner wurden 11.000 Briefe verschickt.

Am Ende der Verfolgungsjagd stürzt Christoph Waltz als Blofeld mit seinem Hubschrauber auf die Westminster Bridge und wird schwer verletzt von M festgenommen. Am Südende der Brücke befindet sich in einem Sockel die Tür, durch die Pierce Brosnan in "Stirb an einem anderen Tag" (2002) zu Treppe gelangt.

Sie führt ihn geradewegs in die verlassene U-Bahn-Station Vauxhall Cross, in der Q seine exzentrischen Waffen, Autos und Flugapparate konstruiert. Die geheimnisvolle Tür gibt es wirklich - aber erstens ist sie abgeschlossen, und zweitens befindet sich dahinter lediglich eine Besenkammer mit Putzzeug.

London als Double: Welche Städte hier gefakt wurden

In "Goldeneye" (1995) wird der weitläufige Innenhof des palastartigen Somerset House zu St. Petersburg: ein paar russische Flaggen, ein paar alte Ostblock-Autos und eine Lenin-Statue - schon ist die Illusion perfekt. Aufgrund ihrer Geschlossenheit ist die aus dem 18. Jahrhundert stammende Anlage mitten im Stadtzentrum eine der beliebtesten Londoner Filmkulissen.

Für eine "Goldeneye"-Szene mit Bond-Girl Izabella Scorupco in einer russisch-orthodoxen Kirche nutzte die Filmcrew die St. Sophia's Cathedral in der Moscow Road im Viertel Bayswater in der Nähe von Kensington Gardens. Von außen wirkt das griechisch-orthodoxe Gotteshaus recht unscheinbar, aber im Inneren entfaltet sich eine geradezu byzantinische Pracht. Leider ist es nur am Wochenende zu den Gottesdiensten geöffnet.

Wer an Bonds Anfänge zurückgehen will, muss den Club les Ambassadeurs in Mayfair aufsuchen: Mit dem ersten Auftritt von Sean Connery in "007 jagt Dr. No" war der Agent zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen. "Bond, James Bond" stellt er sich in dem Kasino vor. Eine Legende war geschaffen.

Christoph Driessen, dpa/abl

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