Kurztrip-Tipps Der perfekte Tag in Kapstadt

Kapstadt feiert sich als Welt-Designhauptstadt. Dabei hat sie den Titel gar nicht nötig: Elf Kulturen sorgen bereits für einen unvergleichlichen Stilmix - auch im Trendviertel Woodstock. Die besten Tipps für einen Kurztrip.

Dieter Losskarn

Dieter Losskarn lebt seit mehr als 20 Jahren in Kapstadt. Im SPIEGEL-ONLINE-Fragebogen verrät der Reisebuchautor, warum seine Wahlheimat für ihn die schönste Stadt der Welt ist.

Herr Losskarn, wo in Kapstadt startet man am besten in den Tag?

Zum Aufwachen unter der Woche empfehle ich die Jason Bakery mit besonders leckerem Brot und das im Klinkerstil gehaltene Origin im Trendviertel Cape Quarters, wo der Kaffee direkt im Haus geröstet wird. Meine erste Wahl fürs Wochenende ist der Bay Harbour Market in Hout Bay. Unter den Dutzenden Essens- und Verkaufsständen in den alten Lagerhäusern serviert ZA Caf die beste Bohne, aus fairem, afrikanischem Anbau, aber leider im Pappbecher. Also: die eigene Tasse mitbringen - und unbedingt die frischen Mandel-Croissants probieren!

Welchen Teil von Kapstadt abseits des Zentrums sollte man gesehen haben?

Eine Tour durch die Stadt beginnt man am besten am Heritage Square zwischen der pulsierenden City mit Long und Bree Street und dem ältesten Viertel Bo-Kaap. In den Kopfsteinpflasterstraßen mit den bunten Häuschen aus den 1780er Jahren leben hauptsächlich Moslems. Die Auwal Mosque in der Dorp Street ist die älteste Moschee Südafrikas.

Die schönste Aussicht in Kapstadt und Umgebung...

...bietet sich außer vom Tafelberg und Lion's Head auf der eineinhalbstündigen Wanderung zum Chapman's Peak, oberhalb der gleichnamigen, spektakulären Küstenstraße. Die beiden aussichtsreichsten Restaurants gehören zu den Top Ten des Landes: das Roundhouse in einem historischen Gebäude unterhalb des Lion's Head sowie der Pot Luck Club auf einem ehemaligen Lagerhaus im Trendviertel Woodstock.

Mittags speist man am besten...

...in der Waterfront am Pier. Für Fisch empfehle ich das Harbour House, im Belthazar gibt es die besten Steaks der Stadt. Ein Stückchen aus der Stadt raus, an der False Bay, befindet sich das La Parada in Kalk Bay. Hier gibt es exzellente Tapas mit Hafenblick.

Eine Spezialität, die man unbedingt kosten sollte:

Die gekringelte Boerewors ist eine gewürzte Bratwurst, die beim Braai, dem südafrikanischen Barbecue, nie fehlt. Braai hat Kultstatus und wird traditionell von Männern mit Bierflasche in der Hand zubereitet. Südafrikas Nationalwurst wird bei Gourmet Boerie in der Kloof Street zelebriert.

Wo kann man ausgiebig shoppen?

Im ersten Stock der Waterfront-Mall gibt es viele kleinere Modeläden von einheimischen Designern wie Sun Goddess und das Young Designer Emporium (YDE). Wunderbar sind auch die Kreationen von Carrol Boyes, nützliche Dinge, attraktiv gestylt, vom Flaschenöffner bis zur Türklinke.

Ein besonderes Café, in dem sich eine Rast lohnt...

...ist das Truth Coffee Cult im Steampunk-Ambiente in der Buitenkant Street, in dem es auch freies W-Lan gibt.

Ein ausgefallenes Mitbringsel:

Ein Stück Township-Art - aus Plastik, Metall oder Draht hergestellte Skulpturen, die oft auch Händler am Straßenrand anbieten.

Kapstadt ist in diesem Jahr Welt-Designhauptstadt. Wo ist die Stadt am kreativsten?

In Kapstadt tragen elf verschiedene Sprachen und Kulturen zu einem unvergleichlichen Stilmix bei. Am stärksten merkt man das in Woodstock, wo vor ein paar Jahren die urbane Erneuerung begann. Abbruchreife Gebäude wurden stilvoll restauriert, heute haben lokale Designer hier ihre Geschäfte. Den Anfang machte die alte Keksfabrik The Old Biscuit Mill, aus der ein kreatives Geschäfts- und Veranstaltungszentrum geworden ist.

Das gibt's nur in Kapstadt:

Kapstadt ist die einzige Millionenmetropole der Welt, die direkt in einem Nationalpark liegt. Die Wanderung in die Wildnis des Tafelbergmassivs beginnt mitten in der City - naturnäher geht's kaum.

Die beste Zeit für einen Besuch:

März, April, Mai (im Süd-Herbst) oder September/Oktober (im Südfrühling). Im heißen Sommer bietet Kapstadt allerdings auch etwas ganz Besonderes: die sonntäglichen Picknickkonzerte in den Kirstenbosch Botanical Gardens. Hier treten Südafrikas beste Bands auf und immer wieder auch internationale Stars wie Elton John oder Bryan Adams. Dann ist aber auch die Hölle auf den Straße los, da ganz Südafrika in Kapstadt Urlaub macht.

Aufpassen müssen Touristen bei…

...Township-Touren. So ein Ausflug gehört zum Pflichtprogramm, hier schlägt das afrikanische Herz der Stadt. Aber: Nicht auf eigene Faust losziehen! Nur organisiert im Minibus und mit ortskundigen Führern, die in den Townships leben oder aufgewachsen sind, und über einen Anbieter, der die lokalen Projekte kennt und unterstützt.

Können Sie jemanden empfehlen?

Mandisa von Bonani Our Pride Tours holt ihre Gäste an deren Unterkunft ab, wenn sie nicht schon gleich in ihrem Bed & Breakfast übernachten. James bringt Besuchern mit seinem Partner Xolani innovative Fair-Trade-Projekte in den Townships näher. Ihr nicht profitorientiertes Unternehmen nennt sich Uthando, was auf Xhosa "Liebe" bedeutet.

Eine unvergessliche Nacht erlebt man…

...im Grand Daddy Airstream Trailer Park in der Long Street. Hier kann man in einem von sieben kultigen Original-Airstream-Wohnwagen aus den USA übernachten. Definitiv das skurrilste Bett in der Mother City. Und die Daddy Cool Bar für einen guten Absacker ist auch direkt im Haus.

Wohin sollte man gehen, wenn man Kapstadt schon kennt?

Ans Kap, um die Seitenwege zu einsamen Stränden und Lokalitäten wie dem zauberhaften Venus Pool zu erkunden. Im Weinland bieten sich Robertson und Elgin als Alternativen zu dem populären Weinort-Trio Franschhoek, Paarl und Stellenbosch an.

Sie selbst leben seit 20 Jahren in Kapstadt. Was darf in Ihrer Liebeserklärung an die Stadt nicht fehlen?

In Kapstadt habe ich nie das Gefühl, dass ein Kontinent zwischen mir und Europa liegt. Kapstadt ist Afrika light - und wenn ich Afrika will, fahre ich raus, in die Karoo oder die Westküste hoch. Ich lebe in Hout Bay, wo der Chapman's Peak Drive beginnt. Neben einem herrlichen Strand an der von Bergen gesäumten Bucht gibt es hier auch einige coole Kneipen. Mein Favorit ist Dunes, wegen seiner Lage am Beach - und dem nach deutschem Reinheitsgebot gebrauten Windhoek Lager vom Fass.

Die Fragen stellte Eva-Maria Träger

Buchtipp: "CityTrip Kapstadt". Reise Know-How; 144 Seiten; 9,95 Euro



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Oskar ist der Beste 28.04.2014
1.
ich bin seit 1998 14x in Kapstadt gewesen und kein einziges hier gezeigtes Foto wuerde einen 12 Stunden Flug rechtfertigen, da man all das auch in Europa kriegen kann. Das wirklich interessante an Kapstadt liegt in den Bereichen um den Flughafen und diese Gegend nennt sich Afrika.
Master_of_Darkness 28.04.2014
2. Kurztrip nach Kapstadt
Zitat von sysopKapstadt feiert sich als Welt-Designhauptstadt. Dabei hat sie den Titel gar nicht nötig: Elf Kulturen sorgen bereits für einen unvergleichlichen Stilmix - auch im Trendviertel Woodstock. Die besten Tipps für einen Kurztrip. http://www.spiegel.de/reise/staedte/kapstadt-und-woodstock-die-besten-tipps-fuer-den-urlaub-a-965567.html
Kapstadt liegt ja auch gleich um die Ecke. Ideal also für einen Kurztrip... Oh Mann. Was sagen eigentlich die Redaktionskollegen, die immer so hysterisch über den Klimawandel berichten, zu solchen Beiträgen?
cadaquesien 28.04.2014
3. optional
Ein "Kurztrip" nach Südafrika. Merkt eigentlich noch irgendjemand irgendetwas?
lsrider 28.04.2014
4. Alles richtig, der Herr, aber ...
... was versteht er unter einen 'Kurztripp'? Zwei Tage im Flieger für einen Tag Kapstadt? Also ich kenne auch Kapstadt und weiß dass es für diese Stadt mind. eine Woche braucht ... ;-)
xysvenxy 28.04.2014
5. Könnte SPON mal bitte...
... die Bedeutung des Wortes 'Kurztrip' nachschlagen? Es geht mir schon länger auf den Keks, dass im Bereich Reise' immer mal wieder Destinationen genannt werden die Ottonormalsterblicher wohl kaum mal eben so besuchen dürfte. Bleibt doch mal in der Realität, liebe Schreiberlinge, ja? Unter 'Kurztrip verstehe ich ein Reiseziel in meiner Umgebung, max. innerhalb Europas. Genauso befremdlich sind diese ganzen 'Geheimtipps' zu bisher touristisch nicht oder kaum erschlossenen Gefilden. Mir wäre es lieber das bliebe auch so - aber nein, SPON sorgt für bei den Einheimischen für die Konjunktur statt evtl. ein wenig Rücksicht darauf zu nehmen daß es wirklich noch schöne Flecken auf der Erde gibt die noch nicht dem Tourismus anheim gefallen sind.
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