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Tipp für Kapstadt: Die schönste Wandertour zum Tafelberg 

Wandern in Kapstadt: Die schönste Tour zum Tafelberg Fotos
Oliver Gerhard/ SRT

In Kapstadt liegt das Gipfelglück quasi vor der Hoteltür. Zum Tafelberg, dem Wahrzeichen der Stadt, führen rund hundert Wanderrouten hinauf - die schönste führt durch die Skelettschlucht.

Im Botanischen Garten von Kirstenbosch ist Morgensport angesagt: Zehn Männer und Frauen in weißen Jacken und Mützen heben die Füße wie Störche in die Luft - die Köche und Küchenhelfer des Parkrestaurants bereiten sich mit kollektiver Gymnastik auf den Ansturm des Tages vor.

Daneben wirken die Wanderer mit ihren dicken Stiefeln und Rucksäcken ziemlich behäbig, die an den Sportlern vorbeilaufen und in dem schattigen Urwald dahinter verschwinden. Vor ihnen liegt ein rund dreistündiger Aufstieg auf das Wahrzeichen Kapstadts, den 1087 Meter hohen Tafelberg. Leicht mit der Seilbahn zu erreichen, doch einen Gipfel beim Großstadttrip zu machen - das ist selten möglich.

Wer denn lieber zum Gipfel laufen möchte, der hat die Qual der Wahl, sagt Bergführerin Margaret Curran: steil und kurz oder lang und ausdauernd, still und einsam oder im Pulk mit Tagestouristen, über die Vorderseite oder die Rückseite des Berges. Mehr als hundert verschiedene Routen soll es geben. Die meisten Bergführer haben maximal ein halbes Dutzend im Angebot.

"Viele lassen sich von der Kürze der Platteklip-Route täuschen", sagt Curran, die 1985 von Irland nach Südafrika gezogen ist. Diese Strecke nahe der Seilbahn ist nur drei Kilometer lang, aber steil und anstrengend. Curran führt heute über die angeblich schönste Route durch die Skeleton Gorge, die Skelettschlucht.

Ein Bach rieselt in die Tiefe - der Rest eines Wasserfalls, der jeden Winter durch die Schlucht tost. "Eine schaurige Geschichte kann ich zum Namen Skelettschlucht leider nicht erzählen", sagt Curran. Kein Friedhof der Buschleute, kein verunglückter Tourist. "Das Skelett einer Kuh musste wohl für die Namensgebung herhalten", lacht die Bergführerin.

Portwein auf halber Strecke

Schon immer wanderbegeistert, nutzte die ausgebildete Therapeutin 1997 eine mehrmonatige Betriebspause der Tafelbergseilbahn und bot Touren auf den Gipfel an. Mit großen Erfolg: Heute wird sie mindestens viermal pro Woche gebucht. "Natürlich habe ich dabei nicht mehr den Wow-Effekt wie beim ersten Mal", sagt sie. "Aber je nach Begleitung sind die Wanderungen meist sehr unterhaltsam."

Und in einer Gruppe zugleich sicherer. Denn die "Gefahr, Opfer eines Überfalls, insbesondere bei Wanderungen in der Umgebung von Kapstadt zu werden, ist nach wie vor Ernst zu nehmen", darauf weist das Auswärtige Amt hin. Bei Ausflügen sollte man keine einsam gelegenen Wanderwege benutzen, unbelebte Gegenden meiden oder Wanderungen nur in Gruppen unternehmen.

Curran kann zwar keine Legenden über die Skeleton Gorge erzählen, von der ersten Frau auf dem Tafelberg ist aber mehr bekannt: Lady Anne Barnard, die Frau des damaligen Kolonialsekretärs, erreichte 1797 den Gipfel - rund 300 Jahre nach der Erstbesteigung durch den portugiesischen Admiral Antonio de Saldanha.

Die Lady und ihre Begleiter waren damals mit Dienern unterwegs, die Schachteln mit Wein und kaltem Fleisch trugen, wie sie in ihrem Tagebuch vermerkte. Auf halber Strecke tranken sie Portwein gemischt mit frischem Quellwasser. Um später lauthals "God save the King" anzustimmen.

Zwischen den Wipfeln surrt ein Kaphonigfresser. Der nur hier vorkommende Vogel mit dem langen Schwanz ist auf der Suche nach blühenden Proteen und kündigt den nahenden Fynbos an, die typischen Pflanzen der Kaphalbinsel: eine Mischung aus struppigen Büschen, flachen Nadelhölzern, winzigen Blüten und Früchten. Als eines von nur sechs Pflanzenreichen weltweit steht diese Vegetation als Weltnaturerbe unter Schutz.

Steinhaufen als Gipfelmarkierung

Bald darauf verlassen Margaret Curran und die Gruppe den schattigen Wald. Nebel hängt über den blühenden Zuckerbüschen, wie die Proteen auch genannt werden. Riesige Felsbrocken liegen in der Landschaft verstreut. Einer erinnert an einen gewaltigen Pferdekopf. Dann reißt der Nebel auf - das berühmte "Tischtuch" aus Wolken, das oft über dem Tafelberg hängt, öffnet sich.

Schweigend stehen die Wanderer an einem tiefen Abgrund, unter sich die glitzernde Fläche des Atlantiks. Zielstrebig steuert Curran auf eine Steinpyramide zu, die einzige Landmarke auf dem felsigen Plateau, das sich bis zum Horizont erstreckt. Unscheinbarer könnte der Gipfel des weltberühmten Tafelberges nicht sein. Der Steinhaufen wurde 1865 von Sir Thomas Maclear aufgeschichtet - nicht, um den Gipfel zu markieren, sondern weil der "Astronom ihrer Majestät" hier Berechnungen über die Erdkrümmung anstellen wollte.

Nach einer weiteren halben Stunde über ebene Pfade und Bohlenstege ist die Bergstation der Seilbahn erreicht. Und mit ihr viele Touristen aus aller Welt, die die Aussicht auf die südafrikanische Metropole Kapstadt zu ihren Füßen genießen. Flipflops klappern, Sprachfetzen aus Japanisch, Spanisch, Französisch, Deutsch schwirren durch die Luft.

Bald darauf gleiten die Wanderer in der Gondel zurück in die Tiefe. Schweigend, in Gedanken immer noch in der einsamen Bergwelt.

Oliver Gerhard/srt/abl

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
shakshirak 30.11.2015
Es mag zwar sein, dass die sicherheitslage in Südafrika im Allgemeinen etwas zu wünschen übrig läßt. Allerdings erscheint es mir ausgeschlossen, dass der doch recht steile und und anstrengende Aufstieg durch die Skeleton Gorge durch Wegelagerer beeinträchtigt wird. Zudem müßten derartige Wegelagerer mit dem Hubschrauber flüchten, da eine Flucht zu Fuß durch die Schlucht oder über das Plateau zur Seilbahn nicht sehr vielversprechend erscheint.
2.
chrismuc2011 30.11.2015
Da kommt wieder Sehnsucht nach meiner ehemaligen Heimat hoch:-(
3. Platteklip
Layer_8 30.11.2015
War auf jeden Fall besser, als an der Seilbahn anstehen. Zeitlich kams wohl aufs gleiche raus. Soo steil fand ich das jetzt nicht und dann einen halben Tag oben verbracht. Und während des Sonnenuntergangs doch runtergefahren. Alleine, während alle oben waren. War ein wunderschöner Tag. Vorsicht! Gefährliche Klippschliefer :D
4. welches Sicherheitsrisiko...?
Oskar ist der Beste 30.11.2015
die einzigen Unzuträglichkeiten z.b durch "helfende Hände" am Geldautomaten sind mir bisher entweder in der Camps Bay oder in Victoria Wharf wiederfahren, also den Touristen Hotspots. Ansonsten ist Kapstadt so gefährlich wie Bad Oldesloe. Und die überfälle auf Touristen, die den Tafelberg besteigen, sind über ein Jahrzehnt her...mittlerweile werden alle bekannten Aufstiege von der Polizei und Sicherheitskräften überwacht. Ich persönlich bevorzuge übrigens den steilen Anstieg auf den Tafelberg, da man dort mit etwas Glück auch Kobras in der Sonne liegen sehen kann. (ich bin 15 mal in Kapstadt gewesen und wohne immer in Khayelitsha und bewege mich da immer unbeheligt; es ist auch deshalb sehr viel angenehmer dort, weil man da auf einmal merkt, daß man in Afrika ist und man bekommt auch viel mehr Kontakt mit den Einheimischen (Schwarzen)... Geschichten von Weißen Südafrikanern (meist Rassisten), daß früher alles besser war, interessieren mich dagegen etwa soviel wie das Gequatsche von Nazis, das es im 3. Reich auch gute Sachen gegeben habe.
5. Die schoenste Route
sehgurke 01.12.2015
ist der Aufstieg von Camps Bay. Die Plattekloof Route ist unangenehm und macht ueberhaupt keinen Spass.
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