Kinderdetektive in Palma de Mallorca Halt! Stehen bleiben!

Wer hat Chopins Kopf gestohlen? Und was passiert in der "Straße des Windes"? Mit einer kriminalistischen Schnitzeljagd lassen sich auch Kinder für einen Kulturbummel in Palma de Mallorca begeistern. Und lösen ganz nebenbei das Rätsel, wo es das beste Eis der Stadt gibt.

Von Jutta Christoph


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Palma de Mallorca: Nick Nickerbocker legt die Fährte
"Hey, ihr - bleibt doch mal stehen!" Trotz der Hitze von 33 Grad ist Linus mit seinen Freunden im Laufschritt unterwegs. "Ich glaube, hier geht's lang! Das sind doch die Arabischen Bäder, oder?" Seine beiden jüngeren Brüder, Luis und Zino, sind sich nicht ganz sicher. Und auch Rani, eine Freundin der Jungs, weiß nicht weiter.

"Wollen wir uns aufteilen?", fragt Linus. "Ich gehe mit Rani rein, und ihr guckt, ob es im Garten weitergeht." Vorsichtig wagen sich Linus und Rani in das 1000 Jahre alte Dampfbad, das von den Mauren erbaut wurde. Drinnen ist es stockdunkel. "Das ist 'ne Sackgasse", sagt Linus, "wir müssen zurück."

Vier Kinder und ein Elternpaar mitten in der Altstadt von Palma de Mallorca. Die Kinder verfolgen eine im wahrsten Sinne des Wortes heiße Spur und versuchen, einen Kriminalfall zu lösen. "Wir müssen weiter in die Carrer Portella!", ruft Zino. "Und dort dann nach links zur Can Formiguera", ergänzt Rani. Sie sind mit vollem Eifer bei ihren Ermittlungen.

Und die Eltern freut's.

Schließlich brauchen sie doch bloß den Kindern zu folgen, um ganz nebenbei die schönsten Paläste, Patios und Cafés der Altstadt zu sehen. Mit einer Führung durch das historische Zentrum hätten sie ihre Kleinen kaum ködern können. Mit einer spannenden Geschichte, einer Mischung aus Kriminalfall und Schnitzeljagd, allerdings schon. Also weiter auf den Spuren von Nick Nickerbocker, dem Meisterdetektiv.

Rallye für die Geburtstagsgäste

Nick Nickerbocker entstammt der Feder von Marie-Thérèse und Roman Hummelt. Hummelt lebt während der Wintermonate in Palma. Zusammen mit seiner Tochter Marie-Thérèse hat er die Geschichte von Nick Nickerbocker und dem Fall "Kunstraub unter Palmen" zu Papier gebracht. "Vor einigen Jahren feierten wir einen 50. Geburtstag, und viele Freunde waren mit ihren Kindern gekommen", erinnert sich Hummelt. Damals stand er vor der Frage: Wie macht man den Kleinen einen Altstadtbummel schmackhaft? "In Palma selbst gibt es ja kaum Angebote für Kinder." Und so tüftelten Vater und Tochter den Kriminalfall aus. 2001 war das.

Die Tour beginnt in der Bar Bosch an der Plaça Rei Joan Carles I. Die Bar gilt seit mehr als 50 Jahren als Wohnzimmer der Stadt. Auf der Terrasse kann man bei einem Café con Leche in Ruhe die Einleitung des Büchleins "Kunstraub unter Palmen" lesen.

Linus, mit seinen 13 Jahren der älteste unter den Hobby-Detektiven, liest vor: "Nick Nickerbocker ist eine Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond, er kommt auf der ganzen Welt ohne Stadtplan zurecht. Heute flog der Meisterdetektiv vor Sonnenaufgang von Paris nach Mallorca, um in Palma einen mysteriösen Kunstraub aufzuklären. Die spanische Nationalpolizei gab ihm zwei Hinweise. Einen Bericht über den Tathergang: Schusswechsel an der Plaça Chopin, Maskierter entkommt mit der Bronzebüste des Komponisten. Und eine handgezeichnete Skizze von der Altstadt, die der Täter bei der Flucht verloren hat. Seine Spur endet an der Plaça Rei Joan Carles I, wo Nick Nickerbocker nach einem ersten Hinweis sucht."

Und wo jetzt, nicht ganz zufällig, auch die vier Kinder mit den beiden Erwachsenen sitzen. Alle vier haben eine "Bordkarte" in der Hand, auf der sie ihre Lösungen notieren können. Die erste Frage lautet: "Welches unheimliche Wappentier von Palma sitzt auf der Säule am Brunnen der Plaça?" Linus läuft zur sprudelnden Fontäne und entdeckt dort eine kleine, schmiedeeiserne Fledermaus. Ein erster Hinweis: Hat hier die Fledermausbande ihre Finger im Spiel? Das vermutete ja schon der Polizeipräsident, der Nick Nickerbocker auf den Fall angesetzt hatte.

Wie viele Heilige können lesen?

Die Spur führt die Kinder weiter über Palmas Prachtstraße, den Passeig des Born, in den Garten des Almudaina-Palasts. An den Mauern der ehemaligen arabischen Festung führen Treppen zur Südterrasse der Kathedrale. Von hier aus wandert der Blick über den Fischereihafen, den Sporthafen und über die Anlegeplätze der Kreuz fahrt schiffe. Allerdings genießen diese Aussicht nur die Erwachsenen.

Denn die Kinder stehen längst vor der nächsten Aufgabe: Vor der Kathedrale sollen sie das Rätsel lösen, wie viele der Heiligen im Portal del Mirador lesen können. "Wie soll man das wissen?", fragt Luis. Gute Frage. Denn das Südportal der Kathedrale La Seu ist dermaßen reich und prunkvoll verziert, dass man auf den ersten Blick nur ein paar Engel erkennen kann. Von dieser Seite erinnert das gotische Gotteshaus, an dem vom 13. bis Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut wurde, an eines der bei Kindern so beliebten Wimmelbücher.

Und nun hinein in den Jardí del Bisbe, den Garten des Bischofs, in dem Trampelpfade durch einen kleinen Orangen- und Zitronenhain führen, vorbei an Springbrunnen und Steinbänken. Aus dem Garten führt der zerrissene Stadtplan des Ganoven, den die Kinder zusammensetzen mussten, durch die engen Straßen von Sa Portella, dem Kern der Altstadt und dem Herzen der früheren arabischen Siedlung.

Kurz darauf passieren die Detektive eine der kuriosesten Gassen der Stadt: die Carrer de Vent. Übersetzt heißt sie "Straße des Windes", denn hier weht der Wind zu jeder Tageszeit. Im Sommer wie im Winter. "Das muss ich ausprobieren!", ruft Linus und läuft die Gasse hinab. Zunächst spürt er nur einen feinen Hauch, doch je weiter er kommt, desto stärker bläst der Wind. Am Ende flattern seine Haare und Hosenbeine im Luftstrom. "Macht doch mal ein Foto von mir!", ruft Linus ganz aufgeregt. In der Nähe könnte man die Kirche Sant Francesc mit ihrem romantischen Kreuzgang bewundern - oder stattdessen ein mallorquinisches Mandeleis naschen.

Bronze- oder Gipskopf?

Keine Frage, wofür sich die Detektive entscheiden: Das beste Eis der Stadt gibt es in der Xocolateria Ca'n Joan de S'Aigo, einem Traditionscafé, das 1700 eröffnet wurde. Das Mandeleis kommt stilvoll in Gläsern, über den Marmortischen schweben hellgrüne Kronleuchter aus Glas, am Boden breiten sich Fliesen mit eigenwilligen Ornamenten aus. Am Nachbartisch trinkt ein verdächtig aussehender Tourist eine Schokolade und lässt sich die Quartos schmecken, ein Biskuit-Gebäck, das hier schon Joan Miró, Mallorcas berühmtester Maler, regelmäßig bestellte.

"Wir haben die Route so gelegt, dass man an den schönsten Kaffeehäusern vor- beikommt", sagt Roman Hummelt. "Die besten Cafés von Palma liegen versteckt in den Seitengassen." Ziemlich praktisch, so können die Eltern mit ihren Detektiven jederzeit eine Pause einlegen. Die Cafés und Restaurants sind handverlesen. "Das sind alles Lokale, in die wir selber gehen", sagt Hummelt.

Und so sind einige Aufgaben der jungen Detektive kulinarischer Art. Jeder der drei Tatverdächtigen im "Kunstraub unter Palmen" hat natürlich sein eigenes Lieblingsgebäck, an dem man ihn er kennen kann. Und natürlich eine bestimmte Schuhgröße, eine spezielle Tatwaffe und ein eigenes Motiv.

Nach der Lösung eines Zahlenrätsels und nach einigen verwirrenden Spiegelschrift-Botschaften kommt die Reisegruppe am Tatort an. Auf der Plaça Chopin steht die Statue von Frédéric Chopin. Der Komponist blickt streng von seinem hohen Sockel herab. "Ich dachte, der Kopf wurde geklaut!", ruft Linus. Sein Bruder Luis liest die entscheidende Stelle vor: "Die Gangster haben den Bronzekopf wahrscheinlich gegen eine Kopie aus Gips ausgetauscht."

"Echt?", fragt Linus, stellt seinen Bruder als Räuberleiter an die Statue, steigt hoch und klopft oben gegen Chopins Kopf. "Ne", sagt Linus, "das ist kein Gips, das ist wirklich Bronze." Und so hat Linus am Ende noch ein Geheimnis gelüftet, das er gar nicht lüften sollte: dass die ganze Geschichte reine Fiktion ist. Aber ein guter Detektiv geht den Sachen nun einmal vollständig auf den Grund. Nick Nickerbocker wäre jedenfalls mächtig stolz auf seinen jungen Schüler Linus gewesen.

Die Detektiv-Tour "Kunstraub unter Palmen" kann man sich als Manuskript unter www.nicknickerbocker.de für 7,50 Euro herunterladen.

Aus dem "ADAC Reisemagazin", Heft "Mallorca"

insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
Internetnutzer 01.03.2010
1. Mallorca
Der beste Tip für Mallorca: Nicht besuchen, lieber zuhause bleiben. Schrecklich diese Insel.
T. Wagner 01.03.2010
2.
Zitat von sysopMallorca für alle - abseits von Ballermann und Co. zeigt die Baleareninsel erst ihre Schönheit. Sind Sie auch ein Insel-Fan? Welche Tipps haben Sie?
Ein Zimmer in einer netten, kleinen Urlauber-Finca in den Bergen mieten, morgens die Glocken der Ziegenherde beim Aufwachen hören, die Sonne genießen, einen der kleinen Orte besuchen, über abenteuerliche Strassen in den Inselnorden fahren. Oh, und natürlich: den Ballermann meiden. Mallorca ist eine schöne, idyllische, grüne Insel. Einfach zum Verlieben!
Guillermo Emmark 02.03.2010
3. Gar nicht wahr!
Zitat von InternetnutzerDer beste Tip für Mallorca: Nicht besuchen, lieber zuhause bleiben. Schrecklich diese Insel.
Lieber mal Palma mit dem Rad entdecken. Z.B. so:http://www.youtube.com/watch?v=EQ2DresyBVU
Juro vom Koselbruch 02.03.2010
4.
Zitat von InternetnutzerDer beste Tip für Mallorca: Nicht besuchen, lieber zuhause bleiben. Schrecklich diese Insel.
Hab ich auch gedacht. War aber ein fettes Vorurteil. Wissen wir, seit wir auf Malle waren. Malle ist nicht Ballermann wie Deutschland nich St. Pauli ist. Und es gibt auch Deutsche dort, die sich benehmen können.
caricia 02.03.2010
5.
Grundsätzlich gilt: Machen Sie Ihren Urlaub irgendwo im Norden und/oder Osten. Mindestens Hundert Kilometer von Palma entfernt. Da erleben Sie Spanien, Natur und Ruhe. Es lässt sich nicht immer vermeiden, pingeliche deutsche Urlauber im Rentenalter zu begegnen, die nur rummeckern und furchtbar aussehen. Aber ansich ist Mallorca eine fabelhafte Insel mit netten Menschen und einer beeindruckenden Natur.
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