Kopenhagen Ein Herz für Grünes

Speisen im Dachgarten, Cruisen im Solarboot und Sightseeing per Rad - Kopenhagen ist der perfekte Ort für einen umweltfreundlichen Urlaub, der Spaß macht. Hier die Highlights, nicht nur für Hipster.

Andrea Fjordside Pontopiddan / ØsterGRO / TMN

Über eine steile Wendeltreppe aus Stahl führt der Weg aufs Dach. Ganz oben, wo die Sonne am Spätsommerabend noch einige letzte Strahlen hinschickt, erwartet den Besucher eine urbane Gartenoase aus grünen Pflanzen und Kräutern: die Dachfarm ØsterGRO im Kopenhagener Stadtteil Østerbro.

Links und rechts sorgsam gesetzte Reihen von Erdbeeren, Möhren, Kornblumen und Koriander, in der Mitte ein Gang. Der führt zu einem Restaurant in einem Treibhaus, aus dem Stimmengewirr dringt. Wo sonst Kräuter und Tomaten wachsen, sitzen mehr als ein Dutzend Menschen an einem langen Tisch und essen bei Kerzenschein und Naturwein gemeinsam zu Abend.

Über den Dächern von Kopenhagen lassen sie sich einfache Gerichte schmecken. Weißen Spargel mit Zitronenmayonnaise etwa oder gegrillte Radieschen mit Kerbel. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind vor allem aus ökologischen und regionalen Lebensmitteln.

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Kopenhagen: Speisen im Dachgarten, Cruisen im Solarboot

Nachhaltigkeit ist seit Jahren ein Trend in der dänischen Hauptstadt, der inzwischen alle Bereiche des Lebens erfasst hat - vom Essen über Kleidung und Körperpflege bis hin zum Verkehr. Fast zwei von drei Kopenhagenern fahren jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch, um die Stadt wie die Einheimischen zu erleben, schwingen sich viele Urlauber ebenfalls auf den Fahrradsattel.

Ökobäckerei und Bioweinhandel

Dann können sie vom ØsterGRO aus gen Westen radeln, von Østerbro in das bunte, pulsierende Nørrebro. Einst berüchtigt für ihre Schießereien, hat sich die dortige Jægersborggade inzwischen zu einem Treffpunkt für junge Hipster und umweltbewusste Menschen gemausert. "Früher war das hier ein Zentrum für Haschverkauf, Rocker und Bandenkriminalität", sagt Stefan Jensen.

Trotzdem eröffnete der Däne hier 2008 seine Weinbar Terroiristen, in der er Bio- und Naturweine aus Italien, aber auch exotischeren Anbaugebieten wie etwa Serbien und Georgien einschenkt. "Für mich war die Straße Ausdruck für das rustikale Kopenhagen von früher", sagt Jensen. "Das passt sehr gut zu dem Ausdruck, den mein Wein hat. Es hat so etwas Unpoliertes, Authentisches."

Das rohe, verruchte Flair haftet der Jægersborggade heute kaum noch an. Vor der Ökobäckerei Meyers sitzen Mütter mit ihren Kinderwagen in der Sonne, im Sternerestaurant Relae schlemmen Hauptstädter und Touristen an Holztischen vor Backsteinwänden.

Mit ihrem Umweltfokus sind die Geschäfte in der beliebten Straße kein Einzelfall. Restaurants, Klamottenläden, Eisdielen und Friseursalons: Wer die Straßen vor allem in den hippen Stadtteilen Nørrebro und Vesterbro entlangbummelt, kommt an ökologischen Produkten nicht vorbei.

Für den Snack zwischendurch lohnt sich ein Abstecher in den Løs Market in der Istedgade, die vom Bahnhof nach Westen führt. Der kleine Supermarkt mit seinen verschlungenen Räumen kommt ganz ohne Verpackungen aus. "Wir sind das erste zu 100 Prozent verpackungsfreie Geschäft im Norden", sagt Kommunikationschef August Krogh nicht ohne Stolz. Mit gutem Gewissen kann man hier geröstete Haselnüsse und getrocknete Früchte für das Picknick erstehen.

Solarboote auf den Kanälen

Um den Urlaub in Kopenhagen nachhaltig zu gestalten, brauchen Besucher nicht unbedingt einen dicken Geldbeutel. Denn gerade die warmen, langen Sommertage lassen sich in der Stadt am Öresund ganz umsonst genießen. Weil der Winter lang und dunkel ist, zieht es zwischen Mai und September alle in die Parks, auf die Brücken und an die Badestege der Stadt.

"Man fragt sich, wo diese vielen Menschen die ganzen Monate über waren", wundert sich ein junger Student, der am Hafenbad im Stadtteil Islands Brygge im Gras sitzt. Die Plätze am Wasser sind in der hellen Jahreszeit am begehrtesten. Viele wagen den Sprung in den Hafen, dessen Wasser so sauber ist, dass man darin bedenkenlos schwimmen kann.

Öko-Urlaub in Kopenhagen
Anreise
Die dänische Hauptstadt ist natürlich mit dem Flugzeug aus vielen deutschen Städten erreichbar. Ökologisch sinnvoller ist aber die Anreise mit dem Zug. Aus Hamburg dauert das je nach Verbindung rund fünf Stunden, aus Berlin etwa siebeneinhalb. Aus Köln muss man zehn Stunden einplanen
Klima
Um möglichst viele ökologische Angebote in Kopenhagen auszunutzen - Solarboote und Hafenbad inklusive - empfiehlt sich eine Reise im Sommer. Bis Ende August, manchmal auch noch in den September hinein, kann es in Kopenhagen angenehm warm sein. Tagsüber liegt die Durchschnittstemperatur im August bei etwas über 20 Grad.
Information
GoGreen Copenhagen, Nørrebrogade 20, 1, 2200 Kopenhagen (Tel.: 0045/40/52 81 81, E-Mail: info@gogreencopenhagen.dk). Copenhagen Visitor Service, Vesterbrogade 4, 1620 Kopenhagen (Tel.: 0045/70/22 24 42, E-Mail: visitorservice@kk.dk, www.visitcopenhagen.com).

Aber auch auf dem Wasser können sich die Kopenhagener mit guter Klimabilanz bewegen: Die GoBoats, die gleich neben dem Hafenbad verliehen werden, schippern von Sonnenenergie angetrieben durch die Kanäle. Es geht in sehr gemütlichem Tempo voran - aber das macht nichts. Schließlich ist der Blick auf Kopenhagen vom Wasser aus am schönsten.

Julia Wäschenbach, dpa/abl

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