Ruhrgebiet und Berlin Licht marsch!

Noch bevor der Herbstblues so richtig zuschlagen kann, feiern rund um die Welt Städte ihre Lichterfestivals. Im Ruhrgebiet laufen erstmals über 100 leuchtende Jogger für ein Kunstprojekt, und Berlin setzt sich 17 Tage lang kunterbunt in Szene.

DPA

Berlin - Das Brandenburger Tor scheint in allen Farben des Regenbogens und an der Fassade des prachtvollen Hotels de Rome leuchten Werke alter Meister: Bis zum 20. Oktober erstrahlt Berlin nach Sonnenuntergang bei kunstvollen Licht-Installationen in bunten Farben; erst beim "Lichterfest", dann beim "Festival of Lights".

Weniger statisch ist ein Leuchtspektakel im Ruhrgebiet, das erstmals in Deutschland zu sehen ist: Dort setzten sich am Donnerstag 120 Dauerläufer in Anzügen mit Leuchtdioden als wandelndes Lichtkunstwerk quer in Bewegung. Die Performance "Speed of Light" der schottischen Künstlerorganisation Nationale Vitae Activa (NVA) lässt drei Nächte lang Industriekulissen im Emscher Landschaftspark erstrahlen.

Die Ruhrgebietsversion sei die bisher ehrgeizigste Demonstration ihrer Arbeit, sagte Angus Farquhar, künstlerischer Leiter von NVA. "Es ist ein Zelebrieren des gemeinsamen Ausdauerlaufes, das die überwältigende Industriearchitektur der Region hervorhebt und gleichzeitig den Fokus auf die grünen Korridore legt, die die Städte im Ruhrgebiet verbinden."

Am ersten Startpunkt ihres leuchtenden Dauerlaufs illuminierten die Läufer in einer halbstündigen Choreografie zunächst die Halde Hoheward. Freitagabend laufen sie vom Nordsternpark Gelsenkirchen bis zur Zeche Zollverein in Essen. Am Samstag geht es vom Centro in Oberhausen in den Landschaftspark Duisburg-Nord.

Licht ins Dunkel

Berlin und das Ruhrgebiet stehen nicht nicht allein da: Städte überall auf der Welt setzen auf die kunstvollen Beleuchtungen. So erstrahlt im australischen Sydney das berühmte Opernhaus in bunten Farben. In Paris lockt die "Nuit Blanche" mit Kunst- und Lichtinstallationen. Im französischen Lyon glitzern und leuchten Installationen, Videoshows und Öllampen um die Wette - und ziehen jährlich bis zu vier Millionen Besucher an.

"Die Leute sehnen sich gerade in der beginnenden dunklen Zeit nach Licht", sagt Carsten Kollmeier, Geschäftsführer von Highlights Berlin. Lichterfeste haben auch lange vor den Zeiten von Marketing und moderner LED-Technik Tradition - seit jeher begleiten Licht und Feuer die Feste von Menschen.

In Indien feiern fast 800 Millionen Hindus das Lichterfest Diwali. Mit dem jüdischen Lichterfest Chanukka erinnern die Juden an die Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahre 165 vor Chr. Beim thailändischen Lichterfest Loi Krathong entsenden die Thailänder mit vielen kleinen Lichtern ihre Wünsche über Thailands Flüsse und Gewässer. Und beim schwedischen Lucia-Fest, dem Lichterfest zu Ehren der Heiligen Lucia, sieht man in Schweden lichtertragende Mädchen.

"Berlin bietet nun auch etwas für die dunkle Jahreszeit", sagt Gerhard Buchholz von der Tourismusgesellschaft Visit Berlin. Auch bei Herbstnebel und Regen müssen die Gästebetten der Hauptstadt gefüllt und anspruchsvolle Touristen mit immer neuen Attraktionen gelockt werden. Man müsse aufpassen, die Hauptstadt interessant und attraktiv zu halten, sagt Jürgen Gangl, Vorstandsmitglied des Vereins "Berlin leuchtet". Und Lichtkunst sei aktuell. Für das Lichterfest 2013 rechnen die Veranstalter mit mehr als zwei Millionen Besuchern und etwa 650.000 zusätzlichen Übernachtungen.

Laserharfe im Berliner Dom

Auch andere deutsche Städte setzen auf die effektvollen Lichter, um Besucher anzulocken. So trafen sich in diesem Jahr mehr als 30.000 Menschen zu einem der größten Lichterfeste in Schleswig-Holstein, wo Zehntausende Laternen, Kerzen und Fackeln die Ufer des Nord-Ostsee-Kanals erleuchteten. Im thüringischen Erfurt verwandelte sich ein Freizeitgelände durch Lasershows und Illuminationen in ein farbenfrohes Lichtermeer.

In der Hauptstadt werden in diesem Jahr insgesamt mehr als 100 Berliner Gebäude, Straßen und Plätze illuminiert oder von Künstlern in Szene gesetzt. So wird im Berliner Dom die "Toccata" von Johann Sebastian Bach mit der Orgel und einer Laserharfe präsentiert. Gleichzeitig wird der Fernsehturm zu seinem 44. Geburtstag festlich bestrahlt.

Der zusätzliche Stromverbrauch hält sich nach Angaben der Organisatoren in Grenzen. Während der Illuminationen werde andere Beleuchtung ausgeschaltet; zudem würden energiesparende LED-Leuchten eingesetzt. Es gibt auch manch kritische Stimme: "Für Touristen ist es sicherlich ein sehr tolles Spektakel, und es waren auch Massen unterwegs, aber der Wow-Effekt blieb nicht nur bei mir aus", schreibt ein Nutzer auf der Bewertungs-Plattform Qype.

Teresa Fischer/dpa/abl



insgesamt 1 Beitrag
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noalk 04.10.2013
1. Lichtfetischismus
Mir wäre ein Finsternisfestival lieber, bei dem man für einige Zeit auch mal in der Innenstadt komplette Dunkelheit erleben könnte, mit Blick auf einen Nachthimmel voller Sterne.
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