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Tipps für die Reise nach Marokko: Der perfekte Tag in Tanger

Zwischen Europa und Afrika, Mittelmeer und Atlantik an der Straße von Gibraltar gelegen, ist Tanger eine Stadt der Begegnungen. Auch Besucher sollten sich ins Getümmel begeben - und dafür den Tipps von Tanger-Expertin Astrid Därr folgen.

Ein Tag in Tanger: Gassen, Grillfisch und Gewimmel Fotos
Astrid Därr

Astrid Därr kennt Tanger von Kindesbeinen an. Das marode Flair der Hafenstadt hat sie schon immer fasziniert, sagt die Reisebuchautorin. Im SPIEGEL-ONLINE-Fragebogen verrät sie ihre Geheimtipps.

Frau Därr, wo in Tanger fängt der Tag am schönsten an?

Auf der Dachterrasse des Gästehauses La Tangerina im Kasbah-Viertel - mit einem frisch gepressten Orangensaft in der Hand, einer kühlen Brise um die Ohren und dem Blick über die Straße von Gibraltar bis nach Spanien.

Welche Stationen sollte man auf einem Spaziergang durch die 700.000-Einwohner-Stadt unbedingt einplanen?

Der Grand Socco ist seit Ende des 19. Jahrhunderts der zentrale Marktplatz. Hier trifft man sich abends zum Flanieren und Palavern. Von dort sind es nur wenige Schritte in die Medina, die Altstadt. Das Old American Legation Museum erinnert an die Zeiten der internationalen Zone ab 1923, als Tanger von acht Staaten verwaltet wurde. Lässt man sich durch die verwinkelten Gassen der Souks nach Norden treiben, erreicht man das Kasbah-Viertel.

Was gibt es dort zu sehen?

Im ehemaligen Sultanspalast Dar-al-Makhzen beeindruckt vor allem die maurische Architektur mit Mosaiken, Stuckornamenten und Zedernholzschnitzereien. Im Kasbah-Viertel liegen außerdem die schönsten Maisons d'Hôtes - stilvolle, kleine Unterkünfte in traditionellen Hofhäusern der Altstadt.

Welche Aktivität würden Sie empfehlen, um die authentischen Seiten der Stadt kennenzulernen?

Der Besuch eines Marktes gehört zum authentischen Orienterlebnis dazu. In der Rue Salah Idine el Ayoubi und in der Markthalle des angrenzenden Marché Central herrscht jeden Tag Hochbetrieb: Die Händler verkaufen bergeweise Gewürze, Trockenfrüchte und Alltagswaren aller Art. Etwas abseits des Zentrums am Boulevard Moulay Abdelhafid liegt der riesige Flohmarkt Casabarata. Hier kaufen die Einheimischen alles - von Antiquitäten über gebrauchte Handys bis zur Kloschüssel.

Im Sommer kommen Flaneure in Tanger schnell ins Schwitzen. Wie schützt man sich in der "weißen Stadt" am besten vor der Sonne?

In Tanger wird es im Gegensatz zu Südmarokko auch im Sommer nicht so heiß. Im August herrschen im Durchschnitt 23 Grad Celsius. Dennoch legt man wie die Einheimischen mittags besser eine lange Siesta ein und setzt das Sightseeing erst spätnachmittags fort.

Eine Empfehlung für eine einheimische Erfrischung:

Die Marokkaner schwören auf die Wirkung eines heißen Thé à la menthe. Der Grüne Tee mit frischen Minzblättern und viel Zucker schmeckt immer - eine Einladung dazu sollte man also nicht abschlagen.

Welches schattige Plätzchen eignet sich am besten für eine Pause?

Die Terrasse vom Salon Bleu befindet sich hoch über der Place du Méchouar. Hier genießt man marokkanisches Honig- und Mandelgebäck und frische Säfte mit Blick auf die historischen Gebäude im Kasbah-Viertel.

Und wo gibt es ein leckeres Mittagessen?

Wer wie die Einheimischen speisen möchte, spaziert zum Fischerhafen. Hier isst man mit den Fingern von Papiertischdecken riesige Portionen an gegrilltem Fisch und Meeresfrüchten - und das für nur wenige Euro.

Ein besonderes Mitbringsel bekommt man...

...beim Souvenirladen Bazar Tindouf in der Rue de la Liberté. Das Geschäft ist vollgestopft mit Lampen, Teppichen, Schmuck und Keramik aus Marokko und ganz Afrika. Hier lässt es sich herrlich stöbern.

Was müssen Touristen beim Einkaufen beachten?

Wer nach Marokko reist, muss das Handeln lernen, sonst wird man belächelt und zahlt garantiert zu viel. Für eine Vorstellung vom angemessenen Preis sollte man in mehreren Läden den zuerst genannten Betrag vergleichen. Nicht gleich beim ersten Händler kaufen! Beginnen Sie aber erst zu handeln, wenn Sie echtes Kaufinteresse haben.

Vom Shoppen zum Schwimmen: Tanger ist ein beliebtes Ziel für Badeurlauber. Welcher Strand ist der schönste?

Der Stadtstrand von Tanger ist im Sommer häufig überfüllt, deshalb unternimmt man besser einen Ausflug zu den Sandstränden südwestlich der Stadt. Die panoramareiche Route über das Cap Spartel, wo Atlantik und Mittelmeer zusammenfließen, führt zur langen, noch weitgehend unverbauten Plage Sidi Kacem.

Mit der Fähre braucht man von Tarifa bis nach Tanger nur 30 Minuten. Wie macht sich diese Nähe zu Europa bemerkbar?

Als Schnittstelle zwischen Europa und Afrika, Mittelmeer und Atlantik hat Tanger schon immer Politiker, Diplomaten, Touristen und Geschäftsreisende aus aller Welt angezogen. Das sieht man auch im Stadtbild: Hier treffen spanische, italienische und maurische Architektur aufeinander. In der islamischen Altstadt liegen eine Synagoge, ein US- Staatsmonument, eine Moschee und eine katholische Kirche in enger Nachbarschaft. Die Nähe zu Spanien zeigt sich auch sprachlich: In Tanger kann man sich am besten auf Spanisch verständigen.

Wie startet man am besten in die Nacht?

Abends trifft sich die halbe Stadt auf der Straße. Lässt man sich im Strom der Menschen vom Grand Socco südwärts treiben, sollte man von der Rue de la Liberté in die Treppengasse Escalier Waller abbiegen. Hier ist das wohl urigste Restaurant der Stadt: Im kleinen Seemannlokal Le Populaire Saveur de Poisson essen die Gäste mit Holzbesteck immer das gleiche Menü aus Fischsuppe, Meeresfrüchte-Tajine und gegrilltem Fisch mit Brot und Oliven.

Tanger ist eine muslimische Stadt, der Islam bestimmt das Leben. Worauf müssen Touristen sich einstellen?

Als Besucher eines islamischen Landes sollte man die lokalen Sitten respektieren. Dazu gehört, in der Altstadt nicht zu freizügig herumzulaufen: Den Minirock und das tief ausgeschnittene, enge Shirt lässt man lieber zu Hause. Oben-ohne-Baden am Strand ist absolut tabu. In Marokko dürfen Moscheen zudem nicht von Christen betreten werden.

Wann lohnt sich ein Besuch in Tanger besonders?

Im Frühjahr sind die Temperaturen am angenehmsten. Außerdem beginnt in der Umgebung alles zu blühen. Dann sollte man unbedingt auch einen Ausflug nach Tétouan etwa 57 Kilometer südöstlich von Tanger einplanen. Die Altstadt mit bunten Märkten und maurischen Monumenten zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe, und die grünen Rifberge direkt vor der Stadt sind ein Wanderparadies.

Die Fragen stellte Eva-Maria Träger

Buchtipp: "CityTrip Tanger". Reise Know-How; 144 Seiten; 11,95 Euro

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Tanger
SonicTwen 14.07.2014
Letztes Jahr war ich für 10 Tage in Tanger. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein - irgendwo in einem Europa der 50er Jahre. Sehenswert ist auch das "Muniria", in dem Burroughs wohnte. Alles noch original. Nebenan gleich das "Tangerine Dream" mit Widmungen von Kerouc, Gainsbourgh usw. Übernachtet habe ich im Hotel Rembrandt, im selben Zimmer wie Tennessee. Tanger ist merkwürdig, sehr düster und trotzdem bunt. Die Hafengegend, vor allem abends, wirkt schon sehr gefährlich. Aber aufregend auf jeden Fall. Fast keine Touristen, sehr empfehlenswertes Reiseziel!
2. Was heisst Tanger und Marokko?
blob123y 14.07.2014
Ganoven, Gauner, Betrueger und Diebe ich war dort sehr oft ueber 2 Jahrzehnte hinweg, ich weiss das > bloss nicht hinfahren!
3. Übles Pflaster Tanger
herr minister 14.07.2014
Touristenabzocke der schlimmsten Art. Unfreundliches Generve und Anbaggerei in den Shops, auf den Märkten auf der Strasse. Traue niemandem! Wer noch nie in Nordafrika war, sollte sich besser woanders die Hörner abstoßen, gerade die Tagestouristen aus Spanien sind beliebe Ziele. Der Artikel ist ein schlechter Witz. Vielleicht sollte die "Tanger-Expertin" mal ihr abgeschottetes Villen Viertel verlassen und sich auf den Strassen umsehen.
4. Wer
bernd80b 14.07.2014
den Dreck in diesen Ländern liebt, soll ruhig hinfahren. Dann kann ich mir in Ruhe die feinen und sauberen Städte in Europa anschauen.
5. ----------------
brux 14.07.2014
Ich habe mich an keinem anderen Ort so belästigt und respektlos behandelt gefühlt wie in Tanger, und das als Mann. Als Frau kann man auf keinen Fall die Stadt alleine erkunden. Da kommt zum permanenten Versuch, einem etwas anzudrehen, noch das Grapschen hinzu. Die Lösung ist, dass man schon am Hafen einen marokkanischen Begleiter rekrutiert, der einem den Rest des Tages die lokale Bevölkerung vom Hals hält. Allerdings muss man zu seinem Tageslohn noch das hinzurechnen, was einem seine "Verwandten" in diversen Geschäften verkaufen. So toll ist die Stadt nun wirklich nicht, dass man sich das alles antun müsste.
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Zur Person
  • Martin Völker
    Astrid Därr, Jahrgang 1977, war schon in Marokko, bevor sie überhaupt auf die Welt kam: im Bauch ihrer schwangeren Mutter. Die Diplom-Geografin veröffentlichte diverse Reiseführer und Bildbände in verschiedenen Verlagen. Außerdem leitet sie Trekkingtouren, zum Beispiel durch den Hohen Atlas in Marokko.

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