Mini-Hotels an Flughäfen: Powernapping in der Kapsel

Viele Passagiere wollen bei mehrstündigen Zwischenstopps vor allem eines: ein Nickerchen machen. Da das auf Sitzbänken ziemlich ungemütlich ist, entstehen immer mehr Kapselhotels. Die versprechen ein bisschen Erholung vor dem Weiterflug.

Kapselhotels an Flughäfen: Ab in die Röhre Fotos
TMN

München - Auf Flughäfen finden Besucher nur selten Ruhe. Mobiltelefone klingeln, Menschen laufen hin und her. In den acht kleinen Schlafkabinen des Münchner Airports ist das alles vergessen. Die schalldichten Schlafstätten wirken wie Fremdkörper.

Auf den großen internationalen Flughäfen eröffnen immer mehr Kapselhotels und kleine Schlafwaben, die Reisenden ein Nickerchen ermöglichen. In Deutschland gibt es dieses Konzept bislang nur in München. Doch der Betreiber will mit seinen Napcabs weltweit expandieren.

Und so sieht eine der Schlafkabinen aus: Im Zentrum steht ein Bett, zwei Meter mal 80 Zentimeter. Bis zu 5500 vornehmlich internationale Transitgäste haben innerhalb von drei Jahren schon in den Miniherbergen am Münchner Flughafen übernachtet. "Nur wenige Gäste kommen aus Deutschland", sagt Jörg Pohl, Sprecher der Napcabs. Tagsüber kostet die Kapsel der Ruhe 15 Euro pro Stunde, abends lässt es sich für 10 Euro am Airport schlummern.

Auch eine Mentalitätsfrage

"Für die Durchreise mag so ein Kapselhotel eine gute, kostensparende Möglichkeit sein. Für die eigentliche Urlaubreise eignet es sich allerdings nicht", sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin. "Es ist aber sicher eine nette Alternative zu einem Feldbett", findet sie. Ob die Deutschen das aus dem asiatischen Kulturraum stammende Konzept annehmen würden, weiß sie nicht. Das sei letztlich auch eine Mentalitätsfrage, sagt Zeuch.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) sieht auf dem deutschen Markt für das Konzept der Kapselhotels nur ein geringes Potential. "Die Bedürfnisse und Anforderungen, die europäische Gäste an eine Schlafstätte stellen, sind einfach nicht mit denen asiatischer Gäste vergleichbar", sagt Sprecher Benedikt Wolbeck.

Die Kabinen am Flughafen in München sind 1,65 Meter breit und 2,7 Meter tief. Groß ist das nicht, aber zur Entspannung reicht es allemal. Das Licht in dem fensterlosen Raum kann dabei je nach Gefühlslage in Richtung Rot oder Blau eingestellt werden. Gezahlt wird per Kreditkarte am Rezeptions-Bildschirm.

Nach dem Auschecken benachrichtigt ein Gerät automatisch den flughafeneigenen Putztrupp. Ansonsten gibt es aber kein Personal. Auch fließendes Wasser gibt es nicht. Aber die Napcabs sollen ja auch kein Luxushotel ersetzen, sagen die Betreiber. "Wir sprechen vor allem jene Fluggäste an, die einen längeren Zwischenaufenthalt in München haben", sagt Napcabs-Sprecher Jörg Pohl.

Großer Erfolg in Japan

Vergleichbare Kapselhotels gibt es in Moskau, London, Amsterdam, Atlanta oder New York. Die ursprüngliche Idee kommt aus Japan. Etwa 100 Minihotels stehen allein in Tokio. Kein Wunder: Tokio hat alles - nur keinen Platz. Manchmal sind die Schlafschließfächer dort nicht größer als vier Kubikmeter. "Für uns Japaner ist das kein Problem. Ich kenne so viele Menschen, die das regelmäßig machen", sagt Tomoki Kaihotsu, ein Unternehmensberater aus Tokio.

Am drittgrößten Flughafen der Welt, in London-Heathrow, können Reisende in einem besonders stylischen Kapselhotel einchecken. Das "Yotel" in Terminal 4 ist in violettes Licht getaucht. Der Besucher darf sich auf ein Alkoven-Bett, einen Fernseher, einen Internetanschluss und eine Dusche freuen. Vier Stunden Schlaf kosten in London 25 britische Pfund, umgerechnet etwa 33 Euro.

Firmengründer Simon Woodroffe wollte das japanische Schlafkonzept in der westlichen Welt etablieren, erklärt die "Yotel"-Sprecherin. Bei Flugzeug-Fans kommt das gut an. Denn die Inneneinrichtung kommt von der gleichen Firma, die für Fluggesellschaften Langstreckenflieger einrichtet. Es ist ein bisschen wie schlafen im Jumbojet - auf sieben Quadratmetern.

Andreas Sträter/dpa/sto

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