New York entdeckt das Radfahren Leonardo rollt vorweg

New York, die gefährlichste Stadt für Radfahrer weltweit? Den Ruf pflegt Big Apple seit langem, doch es tut sich was in den Häuserschluchten von Manhattan. Ein Radverleihsystem macht Einwohnern und Besuchern Mut - und ein paar rollende Promis.

DPA

New York - "Go!", brüllt ein Junge mit Baseballkappe - Dutzende Männer und Frauen stürzen zu ihren Rädern und rasen los. Diego Gerena-Quiñones ist einer von ihnen. Fast dampft sein Atem schon an diesem kalten Frühlingssamstag in einer Seitenstraße im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Vor ihm erhebt sich in rostroter Eleganz die Williamsburg Bridge. Gerena-Quiñones quetscht sich und sein Rad zwischen die rollenden Autos. "Das ist gefährlich, ihr Idioten!", brüllt ein Mann aus seinem Autofenster. Aber Gerena-Quiñones tritt in die Pedale. Für ihn existiert im Moment nur der nächste Checkpoint.

Der Fahrradkurier fährt bei einem sogenannten Alleycat (übersetzt etwa "streunende Katze") mit, einem inoffiziellen Radrennen. Es gibt keine abgesperrten Straßen, keine Teams. Lediglich einen Treffpunkt, eine Liste der anzufahrenden Orte und ein Ziel: als Erster alle Checkpoints zu erreichen.

Das Ganze ist auch eine Art Training. "Noch vor ein paar Jahren sahen die Leute die Radfahrer in New York als wilde, gesetzlose Adrenalinjunkies an, immer auf der Suche nach Gefahr", sagt Gerena-Quiñones, der seit rund zwei Jahren als Fahrradkurier arbeitet. "Heute sind die Gründe, warum sich jemand in New York aufs Rad schwingt, statt die U-Bahn oder den Bus zu nehmen, vielfältiger - auch die Leute, die sich immer mehr trauen."

Manhattans Westseite schon für Radler befahrbar

Zu verdanken ist das nicht zuletzt Citi Bike, dem von vielen als längst überfällig angesehenen Fahrrad-Verleihsystem, das New York im vergangenen Frühjahr eingeführt hat. In anderen Metropolen wie Paris oder Mexiko-Stadt gibt es so etwas schon seit längerem. "New York wollte von anderen Städten lernen, um dann das größte und beste System Nordamerikas auf die Beine zu stellen", sagt Dani Simmons, Marketing-Chefin des Citi-Bike-Betreibers.

Fast 600 Kilometer Radwege hat New York in den vergangenen sieben Jahren gebaut - und der seit Anfang des Jahres amtierende Bürgermeister Bill de Blasio will in diesem Punkt die Politik seines Vorgängers Michael Bloomberg fortsetzen. Die Westseite Manhattans am Hudson River entlang ist inzwischen fast durchgängig befahrbar, und auch viele Teile Brooklyns sind gut abgedeckt.

Das Magazin "Bicycle" sieht die einst als gefährlichste Radfahrer-Stadt der Welt verschriene Millionenmetropole in puncto Fahrradfreundlichkeit inzwischen sogar auf Platz sieben in den USA. Wer kein eigenes Rad hat, kann an 330 Stationen eines von insgesamt rund 6000 Leihrädern nutzen.

Fahrradfahren ist für die Mehrzahl New Yorker völlig ungewohnt. Viele haben es seit Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr gemacht, andere nie gelernt. Bislang trauten sich fast ausschließlich Kurierfahrer in das Verkehrschaos der Häuserschluchten. Und immer noch gibt es Stadtviertel, in die das Fahrradnetzwerk nicht vordringt.

Kuppelhilfe Fahrrad

Abstellmöglichkeiten für Räder sind Mangelware. Und auch die Angst, von einem rücksichtslosen Taxifahrer umgefahren zu werden, ist bei vielen groß. Auf zahlreichen Straßen müssen sich Autofahrer und Radler Spuren teilen - mit chaotischen Konsequenzen. "Die Polizei könnte Verkehrsregeln strikter und besser durchsetzen, damit Fahrer keine illegalen und gefährlichen Fahrmanöver riskieren", sagt Simmons von Citi Bike. "Aber auch die Radfahrer selbst könnten ihren Beitrag leisten, indem sie sicher und vorhersehbar fahren."

Die ersten Monate des Citi-Bike-Programms deuten darauf hin, dass sich New York vielleicht doch noch zu einer echten Radfahrer-Stadt entwickeln könnte: Mehr als sechs Millionen Trips sind laut den Betreibern seit Beginn des Programms im vergangenen Mai unternommen worden. Anders als von vielen Kritikern im Vorfeld befürchtet, gab es dabei zwar ein paar verletzte Leihradfahrer, aber keine Todesfälle.

Das Fahrrad ist auf dem besten Weg zum Kult-Objekt in New York. Zahlreiche Promis wie Schauspieler Leonardo DiCaprio und Model Gisele Bündchen wurden schon auf Citi Bikes gesichtet. Die "New York Times" erklärte das Hochzeitsfoto auf dem Fahrrad jüngst gar zum "must have" für jedes frisch verheiratete Ehepaar.

Und auch für diejenigen, die noch einen Partner suchten, sei das Rad die beste Lösung, sagte Janette Sadik-Khan, die Transport-Beauftragte unter Bürgermeister Bloomberg, der Zeitung. "Ich habe schon unzählige Singles auf dem Rad das Eis brechen sehen."

Lisa Maria Hagen/dpa/abl

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
tomymind 27.03.2014
1. optional
Citi-Bikes steht vor der Insolvenz
Gott 27.03.2014
2. Wurde Zeit
Ein Fahrradverleihsystem ist das beste was einer Stadt passieren kann. Werden dann irgendwann auch mal die fetten Amis verstehen :P
dolfi 27.03.2014
3. Radfahren in New York
Dass Radfahren in New York nicht geht ist ein Ammenmärchen, das man hier in "Good Old Europe" nur zu gerne glaubt. Es gibt schon seit langem Verleihstationen, die Fahrräder komerziell vermieten. Und von Touristen wird das auch gerne angenommen. Weiterhin sieht man doch recht viele auch normale Zivilisten - nicht nur Fahrradkuriere - die Strassenschluchten per Velo durchqueren. Der Verkehr ist auch nicht mehr so kriminell, wie etwa in den Achzigern, als selbst Auto fahren in New York ein ganz spezielles Abenteuer war. Ich war vor einiger Zeit dort und habe mich gewundert, über die für New Yorker Verhältnisse fast schon verkehrsberuhigten Zonen rund um bestimmte Sehenswürdigkeiten und Plätze. Dazu kommt, dass in vielen Vierteln einfach kein starker Verkehr herrscht, etwa in den Nebenstrassen im Greewich Village oder rund um die Wall Street. Ideal für die Radfahrer. Interessant ist auch, dass im Finanzdistrikt an der Südspitze, rund um die Wallstreet, die Fahrrad-Ständer eine Dollar-Zeichen Form haben. Selbst-Ironie auf Amerikanisch.
Rahvin 27.03.2014
4. optional
Ist das jetzt eine Nachricht? Es steht irgendwie nicht eine neue Information drin. Da war wohl jemandem langweilig, oder passiert heute nichts auf der Welt?
kilroy-was-here 27.03.2014
5. Nicht gefährlicher als anderswo...
Eigentlich durchgängig Radwege in Manhatten. Zudem ist es üblich, dass man entsprechend Rücksichtsvoll auch am Gehsteig fahren kann. Der New Yorker ist ein tolleranter Mensch. Beispiel: einmal fuhr ich in einer Gasse zwischen den wartenden Autos. Wurde ich wahrgenommen, so stellten die Lenker sogar die Räder des Wagens auf gerade, einfach um mir mehr Platz einzuräumen. Hier in Mitteleuropa muss man in gleicher Situation Sorge haben, dass einer böswillig die Tür aufreisst. Der Radweg entlang des Hudson River und im Central Park ist eindeutig ein Highlight!
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