Waldorf Astoria in New York Der letzte Check-out

Im Waldorf Astoria stiegen Stars und Queens, Politiker und Pilzköpfe ab. Jetzt schließt das legendäre New Yorker Luxushotel für eine Renovierung - danach soll alles anders sein.

DPA

Äpfel, Sellerie, Walnüsse und Mayonnaise ergibt - einen Waldorf-Salat. An der New Yorker Park Avenue im Waldorf-Astoria-Hotel soll er einst erfunden worden sein und der Zimmerservice gleich noch dazu. Marilyn Monroe, Grace Kelly, Elizabeth Taylor, Frank Sinatra, Königin Elizabeth II. und mehr als ein Dutzend US-Präsidenten übernachteten dort, unzählige Filme wurden gedreht.

"Es ist ein Ort, zu dem die Menschen emotionale Verbindungen aufgebaut haben", sagte die langjährige Hotelsprecherin Shelley Clark der "New York Times". "Die Menschen haben Erinnerungen an diesen Ort. Sie haben hier geheiratet, Feste gefeiert oder sind auf ihren ersten großen Ball gegangen. Es hatte einen Einfluss auf viele Generationen."

1931 eröffnete das Haus - damals mit mehr als 1400 Zimmern das größte, höchste und teuerste Hotel der Welt. Nun heißt es zum vorerst letzten Mal: Check-out.

2014 hatte die Hotelkette Hilton ihr Vorzeigeobjekt für 1,95 Milliarden Dollar (1,84 Milliarden Euro) an den chinesischen Versicherer Anbang Insurance verkauft. Der hat eine umfassende Renovierung angekündigt.

Bis zu drei Jahre könnte das dauern, heißt es, und danach soll fast nichts mehr sein, wie es einmal war: Viele der mehr als tausend Zimmer, die in der günstigsten Preisklasse ab rund 200 Dollar pro Nacht zu haben waren, sollen zu Luxuswohnungen umgewandelt werden. Das Erdgeschoss soll künftig vornehmlich schicke Boutiquen beherbergen.

Wenn überhaupt soll nur ein kleiner Teil Hotel bleiben - so wie es auch schon dem Plaza um die Ecke erging. Art-déco-Fassade und Lobby müssen bleiben, sie sind denkmalgeschützt. Wann das neue Waldorf Astoria wieder als Hotel eröffnen wird, ist völlig unklar. Klar ist nur: Es ist das Ende einer Ära.

Schießerei, Bettwanzen und Spionagefurcht

1893 hatte der reiche Unternehmer William Waldorf Astor an der Fifth Avenue ein Hotel eröffnet. Einige Jahre später zog sein Cousin John Jacob Astor nach. Sie schlossen sich zusammen, und das Waldorf Astoria wurde das erste Hotel mit Elektrizität und Telefonen auf den Zimmern. 1929 musste es dann allerdings dem Empire State Building Platz machen, um zwei Jahre später an der Park Avenue wiederzueröffnen.

Mit einem ganzen Straßenblock in bester Lage, edlen Restaurants und rauschenden Bällen erschuf sich das Waldorf Astoria seinen Ruf, doch in den letzten Jahren war der gewaltig gebröckelt.

Eine Schießerei bei einer Feier und Gerüchte über Bettwanzen - und dann zog auch noch der damalige US-Präsident Barack Obama nach dem Verkauf an die chinesische Firma aus Angst vor einem Spähangriff zur Uno-Woche entgegen der Tradition in ein anderes Hotel. Zudem bröselte und verstaubte das einst so prächtige Waldorf Astoria an allen Ecken, eine Renovierung schien dringend notwendig.

"Wir werden all die Präsidenten vermissen, die hier immer vorbeigekommen sind", sagte das Zimmermädchen Lydia Koufie der "New York Daily News". Die 58-Jährige arbeitet seit 19 Jahren für das Hotel. "Wenn die Vereinten Nationen jedes Jahr zu ihrer Generalversammlung zusammengekommen sind, waren wir ausgebucht. Ich werde alle meine Freunde hier vermissen, es war wie eine große Familie."

Christina Horsten, dpa

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