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Spektakulärer Bahnhof in New York: Gefräßiger, fetter Truthahn

Oculus in New York: Der teuerste Bahnhof der Welt Fotos
DPA

Im New Yorker Financial District wurde der wohl teuerste Bahnhof der Welt eröffnet - nur wenige Meter neben Ground Zero. Er kostete rund vier Milliarden US-Dollar.

Ein weißer Elefant? Der Stachelpanzer eines ausgestorbenen Reptils, ein Vogelskelett? Der Schädel eines Punks mit doppeltem Irokesenschnitt? New York rätselt, womit das monumentale Stahlgerippe an der Südspitze Manhattans am meisten Ähnlichkeit hat, das gestern eröffnet wurde - zumindest teilweise. Oculus heißt das Ungetüm, das unter sich, im Herzen des Financial District, Bahnhof, Einkaufszentrum und Fußgängertunnel vereinen soll.

Der Knotenpunkt eröffnete mit mehr als sieben Jahren Verzögerung. Die Kostenexplosion, die Oculus den Spitznamen eines gefräßigen, fetten Truthahns einhandelte, erinnert an deutsche Großprojekte wie die Hamburger Elbphilharmonie und den Flughafen BER.

Oculus ist der wohl teuerste Bahnhof der Welt, schreibt das "Wall Street Journal". Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund vier Milliarden Dollar (3,69 Milliarden Euro) - damit waren sie fast doppelt so hoch wie ursprünglich geplant. "Das Schöne ist halt schwierig", sagte der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava, wenn er sich vor seinen Kritikern rechtfertigte. Bahnprojekte seien nun mal komplex, das Budget sei einfach besonders schwer zu kontrollieren.

"Zu kompliziert, um gebaut zu werden"

Grund für die Verzögerungen war laut einer Analyse der "New York Times" auch die Vision Calatravas: Er bestand auf säulenfreie Innenräume, arbeitsintensive Baumethoden und Stahlelemente, die sich nur im Ausland fertigen ließen. 2008 bezeichnete der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg die Halle im Untergrund als "zu kompliziert, um gebaut zu werden". Von der Idee eines zu öffnenden Dachs blieben immerhin Dachfenster, die an warmen Tagen und jährlich zum 11. September öffnen sollen.

Die Gegend um das One World Trade Center, Nachfolger der am 11. September 2001 zerstörten Zwillingstürme, bleibt wichtigste Gedenkstätte des Terroranschlags. Hier, in der Nähe der zwei quadratischen Wasserbecken, des unterirdischen 9/11-Museums und der Wall Street, will die Stadt der Welt zeigen, dass sie aus Ruinen auferstanden ist.

"Aufsteigender Phönix" taufte auch die "New York Times" den Bahnhofsentwurf. "Ich glaube, es soll ein Adler sein", sagt Lois Stevens, die Touristen Tickets zur Freiheitsstatue verkauft. Ganz flugbereit scheint Oculus noch nicht: Bauarbeiter klettern über Dachfenster, Lastwagen manövrieren piepend, Kranhydraulik zischt. Im unterirdischen Bahnhof, der Manhattans U-Bahn schon jetzt mit Regionalzügen zum Nachbarstaat New Jersey verbindet, gehen Pendler zwischen Bauabsperrungen ihrer Wege. Der Bahnhof soll täglich mehr als 200.000 Reisende aufnehmen können und damit der drittgrößte Verkehrsknotenpunkt von New York werden.

Doch wenn die Kräne abgezogen sind, dürfte die spektakuläre Halle zum Selfie-Magneten werden. "Im Bauch eines sterilen Dinosauriers", kommentiert ein Besucher, als er unter dem rippenähnlichen Gewölbe nach oben blickt. Wie beim Kunstmuseum in Milwaukee, dem Bahnhof im belgischen Lüttich oder der Stadt der Künste und Wissenschaften im spanischen Valencia hat Calatrava lichtdurchflutete, organisch wirkende Räume geschaffen. Zwischen der berühmten Hochhauskulisse wirkt der Stachelbau allerdings irgendwie klein und eingezwängt.

Die Betreiber des geplanten Einkaufszentrums hält all das nicht davon ab, mit dem "verlockendsten Wahrzeichen im Einzelhandel weltweit" zu werben. Von "Wiedergeburt" und "Triumph" spricht das Unternehmen Westfield mit Anspielung auf die Zeit seit 9/11 heute. Als Calatravas Entwurf 2004 vorgestellt wurde, sprach er von einer "Leuchte der Hoffnung". Er ließ damals eine weiße Taube fliegen.

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jus/dpa

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