Österreich: Der Prinz hat Linz geküsst

Von Lisa Stocker

2. Teil: Das Pixelhotel-Projekt nach dem Motto "Ganz Linz ein Hotel"

Einer der schönsten Orte auf dieser Seite aber ist die "Li+Do" – wie Linz und Donau. So heißt das Restaurantschiff von Helene Schaurecker. An der Seine war der rothaarigen Kosmopolitin aufgefallen, dass Paris mit diesem Pfund wuchert wie jede Stadt am Wasser. Nur Linz nicht. Und als ihr Vater dann noch ein altes Gaststättenschiff aus Beständen der DDR-Armee fand, haben sie es schick und stilvoll ausgebaut, zu einer wunderbaren Insel des Savoir-vivre in dieser doch lebensfrohen Stadt. Im Sommer kann man sich vor dem Frühstück mit Helene und ihrem Schiffshund aus Bali zum Yoga treffen. Abends zum Dinner hat man einen herrlichen Blick auf das Schloss hoch über der Altstadt. Und direkt gegenüber strahlt das Lentos Kunstmuseum in Pink.

Kleine Großstadt mit enormer Lebensqualität und mondänen Einsprengseln. Architekt Jürgen Haller, 35, ist froh, dass es so ist. Dass Linz nie so mit Sehenswürdigkeiten und Stars protzen konnte wie Wien oder Salzburg. Weil erst das unkonventionelle Kunstformen zulasse, meint er. Statt der üblichen schwarzen Architektenkluft trägt er ein schlichtes weißes T-Shirt, Jeans und Rucksack.

Und es passt zu dem bodenständigen Kerl, dass er den normalen Linzer Alltag spannender findet als große Namen. In diesem Sinne hat er zum Kulturhauptstadtjahr mit Kollegen auch das Pixelhotel-Projekt initiiert, das nach dem Motto funktioniert: "Ganz Linz ein Hotel". Gemeint sind damit Übernachtungsräume an Orten, wo keiner sie vermutet: In einer alten Hinterhofwerkstatt. Im umgebauten Campingbus. Sogar auf einem alten Schiff im Industriehafen wurde eine Gästewohnung installiert. Und weil das Hotel eben nur ein Pixel stellt, die kleinste Einheit, muss sich der Gast zum Frühstücken ins nächste Kaffeehaus bemühen.

Linz ist ein Spätzünderin

"In wenigen Minuten kannst du auf dem Fahrrad fast überall sein – im 'Café Meier' oder am Pleschinger Weiher. Und im Winter bei der Eishalle im Parkbad. Das ist für mich der größte Vorzug der Stadt." Sagt Haller, der selbst jeden Mittag nach Hause radelt, um seinen Töchtern das Essen zuzubereiten. Praktischerweise liegt sein Lieblingsort, der Südbahnhofmarkt, gleich auf dem Weg. Auf diesem Wiener Naschmarkt en miniature lassen sich die Angestellten der umliegenden Banken wochentags bei "Hartl's Kulinarikum" ihr Schnitzel schmecken. Samstags gibt's Selbstgebackenes, Gebranntes, Geschlachtetes von den Bauern aus dem Umland.

"Wenn es uns nicht taugen würde, wären wir doch längst weg", sagt Jürgen Haller grinsend. Besser lässt sich das Lebensgefühl der Hiesigen kaum ausdrücken. Linz ist eine lebendige Stadt mit Charakter. Eine Spätzünderin, die die Lust am Schönsein gerade erst entdeckt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Städtereisen
RSS
alles zum Thema Österreich-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Linz: Kleine Großstadt mit mondänen Einsprengseln