New Yorks neues Wahrzeichen Auf dem Dach Amerikas

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Die Höchsten der Welt

Quelle: http://skyscraperpage.com/diagrams/?searchID=206; Stand: Januar 2017

DER BAU

Allein die Existenz von 1 WTC offenbart Amerikas Zerrissenheit nach 9/11. Damals gab es keine Zweifel: Hier musste wiederaufgebaut werden. Doch was? Ein Fanal des Trotzes, ein bombensicherer Bunker, eine Geschäftsimmobilie, ein Touristenziel - oder alles in einem?

Freedom Tower hieß er anfangs, es war das Motto eines Kriegsjahrzehnts. Die ersten Entwürfe waren futuristische Spielereien, den Zuschlag bekam Stararchitekt Daniel Libeskind. Doch seine Fantasien fielen schnell dem Kommunalklüngel zum Opfer, gefleddert trotz aller Symbolfracht.

Schließlich übergaben sie das Design an David Childs, einen Rivalen Libeskinds. Trotzdem gab es immer wieder Rückschläge. Bei den Bauarbeiten stießen sie auf Überreste von 9/11-Opfern und ein Schiffswrack aus dem 18. Jahrhundert. Der Hurrikan "Sandy" flutete die offene Baugrube. Und die Kosten explodierten: 3,9 Milliarden Dollar.

In der Fotostrecke: Die Entwürfe für den Tower

Es war einmal...: Der Masterplan des Architekten David Libeskind fürs neue WTC sah 2003 einen Turm mit angebauter Spitze vor.

... und das wurde draus: In dem 2006 revidierten Design ist 1 WTC zum klobigen Klotz mutiert. Die drei anderen Türme sind im Bau.

Und so soll die Skyline von Lower Manhattan bald aussehen. Links 1 WTC, daneben werden die Türme des WTC-Komplexes treppenartig kleiner.

Am Ende stand ein Spekulationsobjekt - ein glorifiziertes Bürohaus mit Prestige-Adresse. Die einzige Symbolik, die von Libeskind übrig blieb, ist die amtliche Höhenmessung, erreicht im Mai 2013 durch eine Mega-Antenne auf dem Dach: 1776 Fuß (541 Meter), analog zum Geburtsjahr der USA.

Ende 2014 zogen die ersten Pächter ein - die 3400 Angestellten des Verlags Condé Nast ("Vogue", "Vanity Fair", "New Yorker"). Sie mussten sich am Anfang an vieles gewöhnen - auch an die gelegentlichen Ratten, die über den Flur huschten, und die exorbitanten Sicherheitsvorkehrungen.

In der Fotostrecke: So hat sich die Skyline verändert

Die Twin Towers des ersten World Trade Centers 1972, ein Jahr nach ihrer Fertigstellung. Bis 1973 waren sie die höchsten Wolkenkratzer der Welt.

Am 11. September 2001 jagten al-Qaida-Terroristen zwei Flugzeuge in die Türme. Wenig später stürzten diese ein.

Das WTC-Trümmerfeld am Ground Zero umfasste 1,8 Millionen Tonnen Schutt und brannte drei Monate lang, seine Räumung dauerte bis Mai 2002.

Seit 2003 erinnern zwei massive Lichtfinger am 9/11-Jahrestag an die Twin Towers. Sie bestehen aus je 44 8000-Watt-Spotlights.

Bevor das neue 1 WTC gebaut war, klaffte ein Loch in der Skyline, hier am 11. September 2006, fünf Jahre nach 9/11.

Das angeblich unverwüstliche Skelett von 1 WTC (hier Bauarbeiten im Jahr 2010) besteht aus 40.000 Tonnen Stahl und 150.000 Tonnen Beton.

Die meisten Elemente des Turms - Stahlträger, Betonplatten, Glaspaneele - wurden per Hand zusammenmontiert.

Seit 2006 füllt sich die Lücke in der Skyline Manhattans wieder. Hier 1 WTC im Januar 2012, bereits 90 Stockwerke hoch.

Im Mai 2013 wurde die enorme Antennenspitze auf den Rohbau von 1 WTC gesetzt, um ihm die symbolische Höhe von 1776 Fuß (541 Meter) zu geben.

Mit der Eröffnung von 1 WTC und seiner Aussichtsplattform ist Lower Manhattans Silhouette nun fast wieder komplett.

Denn Amerikas Terrorziel Nummer eins ist als uneinnehmbare Festung konzipiert. Der Turm steht auf einem 51 Meter hohen, fensterlosen Sockel aus Spezialbeton. Dieser Bunker kann einem Anschlag durch eine Autobombe standhalten und ist mit 2000 Prismen aus Sicherheitsglas verkleidet.

Das Skelett hinter der Turmfassade besteht aus 40.000 Tonnen Baustahl und 150.000 Tonnen Beton. Die verschweißten Träger sind "mehrfach redundant": Versagt einer, fangen andere die Last auf.

Die 70 Aufzüge sind ummantelt von Stahlbeton und Wänden, unter die die Bauarbeiter ihre Insignien gekritzelt haben. Per Elektronik fahren die Lifte immer nur eine vorbestimmte Etage an. In den Lobbys stehen Sicherheitsschleusen, vor der Tür patrouillieren Dutzende Cops.

Die Angst vor dem Terror lauert weiter überall, ob drinnen oder draußen.

Weiter im 3. Teil: Wie an Ground Zero neues Leben entstand (mit Fotos, Karte und Video)



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