New Yorks neues Wahrzeichen Auf dem Dach Amerikas

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Das neue World Trade Center - wo was ist

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DER ORT

Das 6,5-Hektar-Gelände, an dessen Nordrand 1 WTC nun aufragt, hieß lange Ground Zero. Nullpunkt des Todes, Zone des Nichts: Aus einem lebhaften Geschäftsviertel war ein Heldenfriedhof geworden.

Auch um dessen Wiedergeburt herrschte jahrelang Zank. Ein neuer Stadtteil sollte hier in Lower Manhattan entstehen, mit unmöglicher Doppelfunktion: der Toten gedenken - doch wieder Leben schaffen.

Den Wettbewerb um die Gestaltung der 9/11-Gedenkstätte gewannen die jungen, unbekannten Architekten Martin Arad und Peter Walker. Ihre Idee war so genial wie kontrovers - zwei monumentale Wasserbecken aus Granit innerhalb der früheren Fundamente ("footprints") der Twin Towers.

Jeder Aspekt des Memorials zerrieb sich in der Debatte zwischen Politikern, Designern und 9/11-Hinterbliebenen. So dauerte es Jahre, bis die Anordnung der Opfernamen gefunden war, eingestanzt in die Beckenbrüstungen. "Es war… langwierig", sagte Arad, als die modifizierte Gedenkstätte 2011 eingeweiht wurde.

AP

Rings um das heute von Touristen überrannte Memorial und das 9/11-Museum ragen bald die Kathedralen des Kommerzes auf: drei weitere Büro-Skyscraper mit betont unoriginellen Namen (2 WTC, 3 WTC, 4 WTC) sollen eines Tages die Erinnerungs-Plaza flankieren. In die noch ungebaute Nummer zwei will angeblich Medienmogul Rupert Murdoch mit seiner News Corp. einziehen ("Wall Street Journal", 21st Century Fox).

Und mitten dazwischen: der teuerste U-Bahnhof der Welt.

Den Bahnhof hat der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava entworfen. Calatravas extravagante Vision führte dazu, dass der sogenannte Transportation Hub, der den Path-Vorortzug nach New Jersey mit dem New Yorker Subway-System verbindet, so teuer wurde wie 1 WTC - fast vier Milliarden Dollar, davon allein 474 Millionen Dollar für den Stahl.

Wie die Rippen eines Dinosaurierskeletts stechen die weißen Flügel des Hubs inzwischen in den Himmel. "Ein Schrein der Verschwendung", lästerte die "New York Post". Calatrava hingegen klagte, seine städtischen Auftraggeber hätten ihn "wie einen Hund behandelt".

Neben dem architektonischen Fiebertraum des Hubs wirkt 1 WTC wie ein einfallsloser Klotz: groß, stark, plump. So ein Turm könnte überall stehen, schimpfen die Kritiker, aber nicht im einzigartigen New York.

Doch diesen Blick, diese Reise durch Zeit und Raum - das gibt es nur hier.

Im Video: Fliegen Sie mit durch Manhattan


Mitarbeit: Antje Blinda (Textredaktion), Mascha Zuder und Lisa Meinen (Bildredaktion), Sonja Kättner-Neumann (Schlussredaktion), Jule Lutteroth (Redaktion und Koordination)



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