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Pablo-Escobar-Tour in Medellín: Souvenir mit Drogenbaron

Von Tobias Käufer, Medellín

Einst machte Pablo Escobar Millionen mit Drogengeschäften, heute wird er in Medellín selbst als Touristenattraktion vermarktet. Kolumbiens brutaler Kokain-König starb vor 20 Jahren im Kugelhagel. Der Kult in seiner Heimatstadt gefällt nicht jedem.

Kult um Pablo Escobar: Das Vermächtnis des Drogenbarons Fotos
Tobias Käufer

Nur mit Mühe kann Camilo Uribe die Tür zum legendären Geldschrank von Pablo Escobar öffnen. Hier im fünften Stock des Edificio Monaco hat Kolumbiens legendärer Drogenhändler seine Millionen gehortet. "Das ist kein Schrank, das ist ein ganzes Zimmer", erklärt Uribe seinen Zuhörern.

Uribe führt Touristen durch seine Heimatstadt Medellín, allerdings ist dies keine gewöhnliche Sightseeingtour. Es geht an die Schauplätze des Lebens von Escobar, der vor 20 Jahren im Kugelhagel der US-amerikanischen und kolumbianischen Drogenfahnder ums Leben kam. Wer genau den Schuss abgab, der das Leben Escobars beendete, ist bis heute bei Historikern umstritten.

Für Uribe ist der Kult um Escobar ein einträgliches Geschäft, denn aus Interesse an dem überaus brutalen Verbrecher kommen immer mehr Touristen nach Medellín. Eine TV-Serie, die sich in Kolumbien traumhafter Einschaltquoten von bis zu 80 Prozent erfreut, ist mit Schuld. Die Telenovela spielt das Leben Escobars nach, für viele Kolumbianer ein Geschichtsunterricht zur Prime Time.

Anlässlich des runden Jahrestags am 2. Dezember ist zudem ein regelrechter Totenkult ausgebrochen. Souvenirhändler verkaufen T-Shirts mit dem Gesicht des Drogenbarons, und nicht nur Uribe bietet Spaziergänge auf dessen Spuren an.

Escobars Schwester: "Er hat sich für die Armen eingesetzt"

Vor allem Escobars Prachtbauten von einst fesseln die Gruseltouristen. Die Gebäude verrotten langsam, weil Investoren das Risiko scheuen. Die Besitzverhältnisse sind nicht gänzlich geklärt. Immerhin wurden die Immobilien, mit denen Escobar versuchte, seine Millionen Drogendollars zu waschen, mit illegalen Einnahmen aus dem Kokainhandel erworben.

Wer die Zeit hat, bucht außerdem noch einen Ausflug auf die Hacienda Napoles rund drei Autostunden von Medellín entfernt. Aus dem ehemaligen Anwesen wurde ein Freizeitpark, in dem das erste Flugzeug steht, mit dem Escobar seine steile Karriere vom Drogenkurier zum Drogenbaron begann.

Im Garten des Edificio Monaco zeigt Camilo Uribe seinen Kunden eine riesige Satellitenschüssel - das Gebäude war eine der Machtzentralen Escobars, von hier hat er sein Imperium gesteuert. Im Inneren des Hauses haben Schatzsucher nach geheimen Geldverstecken gesucht. Löcher in der Decke und in den Wänden bezeugen die wohl erfolglose Suche.

Im Keller soll Escobar seine Opfer sogar gefoltert haben - die Räume sind komplett verwahrlost. Ein Aufzug führt dann ganz nach oben in die ehemaligen Privatgemächer. Als der Kokain-König dieses Gebäude in den achtziger Jahren errichtete, konnte er von seiner Terrasse mit Pool über die ganze Stadt blicken. Im Eingangsfoyer des Gebäudes sind noch die Spuren des verheerenden Bombenanschlags zu erkennen, den das verfeindete Cali-Kartell verübte.

In Medellín sind nicht alle glücklich über diese Art des Sensationstourismus. "Die Geschichte von Pablo haben dessen Feinde geschrieben", sagt seine Schwester Luz Maria. Sie selbst plant ein Buch, das mit den Mythen und falschen Wahrheiten über ihren Bruder aufräumen soll. Auch über ein Museum denkt sie nach.

"Alle versuchen, irgendwie Kapital aus der Geschichte Pablos zu schlagen", sagt sie, "aber dabei bleibt die Wahrheit auf der Strecke." Sie wolle sich für Versöhnung und Vergebung einsetzen. Ihr Bruder habe auch den Armen geholfen und Geld in die Slums gesteckt. Das werde heute vergessen.

Schwarzer Marmor für Escobars Grab

Die Stadtverwaltung von Medellín sieht den Kult um Pablo Escobar kritisch. Die Epoche brachte der Millionenmetropole einst einen gewalttätigen Ruf ein. Die "Washington Post" kürte sie damals gar zur gefährlichsten Stadt der Welt.

Stolz ist die Hauptstadt des Departamento Antioquia auf diese Geschichte nicht. Sie wirbt lieber mit dem jüngst erworbenen Titel der "weltweit innovativsten Stadt" als Belohnung für den Aufschwung in der Nach-Escobar-Ära. "Wir sollten das Thema hinter uns lassen. Wir erleben einen Wirtschaftsboom, es geht vorwärts", sagen manche Einheimische. Andere meinen: "Pablo Escobar ist ein Teil unserer Geschichte. Wir sollten uns damit auseinandersetzen."

Den Kult um Pablo Escobar will der in Medellín heimische deutsch-kolumbianische Reiseanbieter Markus Jobi nutzen. Der Rheinländer plant, nicht nur die sichtbaren Stationen von Escobars Leben abzufahren: "Wir werden vielmehr die Geschichte des Drogenhandels erzählen. Mit allen seinen Facetten. Die geschichtlichen Ursprünge, seine Auswüchse, seine Konsequenzen für die kolumbianische Gesellschaft", sagt Jobi, Geschäftsführer von Palenque Tours Colombia.

Camilo Uribe beendet seine Tour auf dem Friedhof in Itagüi. Hier lag bis vor einigen Jahren das Grab von Escobar noch weitgehend unbeachtet unter einer grünen Rasenfläche. Pünktlich zum 20. Todestag wurde die Grabstätte aufwendig neu gestaltet. Nun umrahmt schwarzer Marmor das Familiengrab, das zu einer Pilgerstätte für Escobar-Fans geworden ist. Menschen legen dort Blumen ab und lassen sich vor dem Grabstein fotografieren.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. optional
xxbigj 03.12.2013
Er hat sich für die Armen eingesetzt, 1000 menschen töten lassen, Slums aufgebaut, Milliarden verdient. Zu Spitzen Zeiten hat er 1 Million Euro in der Stunde verdient!!!! Da ist es nicht Großzügig den Armen etwas abzugeben, sondern ein Pflicht um nicht schneller ugebracht zu werden!! Geld stinkt und bringt keine Freunde. Das musste er schließlich auch lernen.
2. Touristenattraktion Escobar
raber 03.12.2013
Die Telenovelas (es gibt mehrere und nicht nur eine zu dem Thema) sind wirklich fast wie ein Geschichtsunterricht weil Vieles damals mehr aus der Gerüchteküche kam als, dass es Realität war oder die Wahrheit die Spekulationen übertroffen hat. Geld hatte er vielerorts versteckt und nicht nur im Gebäude Monaco. Selbst wenn er einmal von der Zeitschrift Kolumbiens als Robin Hood bezeichnet wurde, haben sie es kurz danach auch völlig anders gesehen. Die para Millionen ide er an Arme verschenkt hat waren politisches Kalkül und bei seinem Vermögen ein Tropfen von einem Ozean. Auf jeden Fall war er ein skrupelloser Morder, der ohne Rücksicht auf Verluste herumbobte und ermorden liess. Er und seine Verbündeten hätten schon viel früher ausser Verkehr gezogen werden müssen. Ich verstehe es voll wenn Familienangehörige und Freunde von diesen Killerhorden ermordeten Menschen bei so etwas mit dem Kopf schütteln.
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