Originelle Gartenprojekte Paris will grüner werden

Müde vom Pariser Sightseeing-Marathon? Dann legen Sie eine Pause in einer der neuen grünen Oasen ein. Schwimmende Beete, bepflanzte Viadukte, blühende Fassaden - die Stadt fördert besondere Gartenprojekte.

TMN

Die Füße sind schon rund gelaufen, die Aufnahmefähigkeit für Picasso und Co. ist dramatisch gesunken - Zeit für eine Verschnaufpause vom Sightseeing-Programm. In Paris ist das nicht nur in den unzähligen Cafés möglich, sondern auch in Parks und Gärten. Und diese werden immer zahlreicher, denn Frankreichs Hauptstadt hat sich selbst ein Begrünungsprogramm verordnet, in vielen Teilen der Stadt finden sich interessante Gartenprojekte.

Eines davon befindet sich in der Nähe der Champs-Élysées, mitten auf der Seine: Besucher erreichen die schwimmenden Gärten (Les jardins flottants) über einen Steg. In vier riesigen, mit Erde befüllten Stahlbehältern wachsen ausschließlich einheimische Bäume, Büsche und Blumen. Mit Blick auf den Eiffelturm kann man auf Sonnenliegen entspannen und Enten beobachten. Allerdings ist das Naturidyll etwas wacklig. Vorbeifahrende Ausflugsboote bringen die schwimmenden Gärten ins Schwanken.

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Spaziert man am Seineufer weiter, stößt man auf eine hohe, teils farbige Glaswand. Sie schirmt den Garten vom Musée du quai Branly, dem Museum für außereuropäische Kunst, vom tosenden Verkehr ab. Und schon wieder hat der Besucher einen stillen Ort in dieser hektischen Stadt gefunden - in dem zwei Hektar großen Museumsgarten. Hügelig erstreckt er sich über verschiedene Ebenen.

Farn- und Bambusbeete wechseln sich hier ab. Gräser und Stauden schmiegen sich unter Bäumen, daneben liegt ein Teich mit Schilf. An der Fassade des Verwaltungsgebäudes befindet sich ein vertikaler Garten. An der begrünten Wand wachsen die Pflanzen über mehrere Etagen. Die Begrünung von Fassaden und Dächern wird von der Stadt Paris intensiv gefördert.

Versteckt im Marais-Viertel liegt der Jardin Anne-Frank. Der Besucher betritt zuerst den modern gestalteten Teil des Gartens. Sogleich steht er vor einer Weißen Rosskastanie: "Es handelt sich um einen originalen Ableger des Baumes, den Anne Frank in ihrem berühmten Tagebuch als Trostspender beschreibt", erklärt Pascal Bonneau von der Stadtverwaltung. Ein Baum der Hoffnung. Das jüdische Mädchen wurde von den Nationalsozialisten in Bergen-Belsen ermordet.

Hinter Mauern öffnet sich der zweite Teil des Gartens, ursprünglich der Park des Stadtpalais Saint-Aignan. "Dieser Gartenteil möchte an den klassischen französischen Stil erinnern", sagt Bonneau. Der mit Rosen bewachsene Laubengang sieht aus wie aus dem 17. Jahrhundert. In der dritten Parzelle spielen Kinder unter Obstbäumen neben Gemeinschaftsbeeten, eine Mini-Idylle inmitten von Hinterhöfen. Dieser Bereich ist Teil der Urban-Gardening-Bewegung, der Rückkehr der Gärten in die Stadt.

Ein Garten für Nelson Mandela

Nicht allzu weit entfernt, direkt vor dem Neubau des Einkaufs- und Freizeitzentrums Les Halles, entsteht das jüngste Parkprojekt von Paris: der Jardin Nelson-Mandela, eher ein begrünter Platz als ein Garten. Ein Band aus Betonstufen umrahmt Wiesenflächen mit Gehölzen. Die Menschen sitzen dort, ruhen sich aus und beobachten andere, die durch die Grünanlage eilen. Die weltberühmten Namensgeber der neuen Pariser Parks haben - wie auch in diesem Fall - meist keinen direkten Bezug zum Ort.

Das gilt auch für den Parc Clichy-Batignolles Martin-Luther-King, eine der modernsten Gartenanlagen in Paris. Auf einem stillgelegten Bahngelände wächst ein neues Stadtquartier mit der größten Grünfläche im Nordwesten der Stadt. Am Ende werden es zehn Hektar sein. Im bereits begehbaren Teil drehen Jogger ihre Runden.

Nahe der Porte de Versailles kann man in wild gewachsenes Grün abtauchen. Um zu der ehemaligen Eisenbahntrasse Petite Ceinture zu gelangen, müssen Besucher eine Treppe hinab steigen. 1934 wurde der "kleine Gürtel" um Paris stillgelegt. Seitdem überwuchern wild wachsende Pflanzen das Gebiet: Feldahorn, Weißdorn, Heckenrosen. Im Gebüsch brüten Vögel.

Das Stadtbiotop mit großer Biodiversität wird seit 2006 nach und nach für Fußgänger zugänglich gemacht. Auch Wildtiere bewegen sich auf der 32 Kilometer langen Strecke durch die Stadt. Paris will noch mehr dieser ökologischen Korridore schaffen. Der Begrünungsplan der Stadtregierung sieht vor, bis zum Jahr 2020 zusätzlich 20.000 Bäume zu pflanzen und weitere 30 Hektar an Grünflächen zu schaffen.

Spaziergang auf einem Viadukt

Fast noch ungewöhnlicher ist es, nicht in der Tiefe, sondern in der Höhe durch die grüne Stadt zu spazieren. Auf einem alten Viadukt aus Backstein im Südwesten von Paris schlängelt sich ein begrünter Fußweg: die Coulée verte René-Dumont, ehemals Promenade plantée. Mehrere Meter über der Straße gedeihen hier Gehölze, Hecken und Blumen.

Wo bis 1969 noch eine Bahn fuhr, ist heute ein Hochweg, über den sich das 12. Arrondissement entspannt durchwandern lässt, ohne je eine Straße überqueren zu müssen. Der 4,7 Kilometer lange Garten bietet Pflanzen mit Aussicht. Der Blick fällt auf eine Stadt, die es mit der Begrünung ernst meint.

Daniela David, dpa/asc

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insgesamt 2 Beiträge
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kaltmamsell 06.04.2017
1. Jardinier et jardinière
Es grünt so grün: Gesund war es ja immer schon, trendy auch seit einiger Zeit. Und jetzt wird es noch chic. Da warte ich darauf, mit welcher Eleganz man das deutsche Schrebergarten-Konzept ins französische Comme-il-Faut für die Grünen übersetzt. Erdige Rabatten im Zeichen der haute Couture...
wiese 07.04.2017
2. schön
Ja, der Uferbereich an der Seine war vor Jahren noch sehr trostlos und zubetoniert. Mehr Grün an dieser Stelle ist sehr wünschenswert und wertet diese Stelle mit Sicherheit auf.
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