Positano Das süße Nichtstun

Wer das Land sucht, wo die Zitronen blühen, muss von Neapel aus nicht mehr weit fahren. Es liegt etwa 70 Kilometer südlich auf der Halbinsel von Sorrent und gehört mit zum Schönsten, was Italien zu bieten hat.


Wie an den Fels geklebt: Der Ort Positano an der Amalfi-Küste
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Wie an den Fels geklebt: Der Ort Positano an der Amalfi-Küste

"La Costiera Amalfitana" - schon der Name lässt träumen von einsamen Buchten, imposanten Steilküsten, umwerfenden Panoramen und vom frischen Duft der Zitrusfrüchte. Von Vietri sul Mare zieht sich eine beeindruckende Küstenstraße 40 Kilometer lang durch die malerischen Orte Maiori, Ravello und Amalfi bis hin nach Positano.

"Ich habe das Empfinden, dass die Welt in Positano senkrecht steht", schrieb einst der US-amerikanische Schriftsteller John Steinbeck (1902-1968). Wie viele andere Dichter, Maler, Schauspieler und Filmemacher war er dem Zauber des Städtchens verfallen, das sich seit Jahrhunderten wie an den Berg geklebt die Felsen hochzieht. Die Häuschen und Villen strahlen pastellfarben in der Abendsonne.

Kunst und Keramik: Die engen Gassen der Küstenorte laden zum Bummel
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Kunst und Keramik: Die engen Gassen der Küstenorte laden zum Bummel

Ob Picasso, Tennessee Williams, Alberto Moravia oder Elisabeth Taylor und Richard Burton - sie alle waren "Positano-süchtig". Deutsche Intellektuelle wie Stefan Andres oder Armin Wegner flohen Anfang der vierziger Jahre vor den Nationalsozialisten in das kampanische Dörfchen und ließen sich vom südlichen Flair inspirieren. Der Tänzer Rudolf Nurejew kaufte sich gar die vorgelagerte Insel Li Galli und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre. Auch Bundeskanzler Schröder ließ sich 1999 im Sommerurlaub in Positano von dieser Atmosphäre verzaubern.

Positano ist kein Ort für geruhsames Schlendern - fast überall gilt es, steile Treppen zu erklimmen. Die Hauptstrasse Via Pasitea und die kleinen Gässchen schlängeln sich bergauf oder bergab. Bequeme Wege gibt es in Positano nicht. "Wenn man einen Freund besuchen will, dann läuft man nicht, sondern man klettert oder rollt", notierte Steinbeck 1953.

Faszinierende Perspektiven am Tyrrhenischen Meer
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Faszinierende Perspektiven am Tyrrhenischen Meer

Immer wieder öffnen sich unerwartete Ausblicke auf das klare, türkisfarbene Meer. Kleine Fähren, die Touristen zur nahe gelegenen Insel Capri fahren, und Yachten kreuzen vor der Steilküste. Am besten kann diese wild-romantische Atmosphäre genießen, wer sich dem Rhythmus des Ortes anpasst. "Dolce far niente", süßes Nichtstun, lautet das Motto - und das will gelernt sein. Besucher sollten hier nie Eile haben; Sätze wie "Diese Kirche und jenes Monument muss ich gesehen haben" passen nicht zum Lebensgefühl der Stadt.

Die meisten Cafés, Bars und Trattorien laden mit Terrassen zum Nichtstun ein. Schon beim morgendlichen Cappuccino sollten sich die Gäste aufs Relaxen einstellen: Ein Bummel durch die Boutiquen, der Kauf von bequemen Ledersandalen oder der typischen, von Hand bemalten Keramikwaren und der Besuch einer der vielen Kunstgalerien - so etwa sieht der typische Tagesablauf eines Positano-Urlaubers aus.

Dazwischen sonnt man sich am Strand oder nimmt ein Bad im Meer und erfrischt sich danach mit einem Glas Limoncello - die Amalfi-Küste ist die Heimat dieses herb-erfrischenden Zitronenlikörs. Überhaupt sind die Früchte der Zitrusbäume fester Bestandteil der lokalen Küche. Die mächtigen Zitronat-Zitronen ("Limoncedre") reifen zur Größe von Melonen heran, selbst Spaghetti und Pasta-Saucen werden häufig mit Zitronengeschmack serviert.

Kleine Fähren bringen Besucher von Positano zur Insel Capri
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Kleine Fähren bringen Besucher von Positano zur Insel Capri

Probiert werden sollte auch die fruchtig-cremige "Delizia al limone" zum Dessert - eine Art Limonentörtchen mit Biskuitteig und Sahne, das den Tag augenblicklich versüßt. Natürlich gehören auch Meeresfrüchte zum Speiseplan der Restaurants. Positano macht seiner Tradition als ehemaliges Fischerdorf dabei alle Ehre. Zum Abendessen empfiehlt sich neben Muschel-Sauté und frittierten Scampi eine andere Spezialität der Costiera: "Paccheri con la pescatrice" - riesige Makkaroni mit Cocktail-Tomaten und köstlichen Seeteufel-Stückchen.

Die Italiener selbst kommen meist nur für ein verlängertes Wochenende nach Positano. Drei oder vier Tage im Rausch der Farben und Düfte reichen schon, um sich grundlegend vom Großstadt-Stress zu erholen. Die Eindrücke halten auch nach der Abreise noch lange an. Steinbeck schrieb: "Positano ist ein Ort des Traums, der nie ganz real ist, solange Du dort bist, und der erst wahrhaft zum Leben erwacht, wenn Du wieder fort bist."

Informationen: Staatliches Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT, Kaiserstraße 65, 60329 Frankfurt (Tel.: 069/23 74 34, Fax: 069/23 28 94, gebührenfreie Bestell-Hotline für Broschüren: 00800/00 48 25 42).



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