Reisetipp Amsterdam: Stadt ahoi!

Wandernde Strände, schiffartige Gebäude, Kunst auf einer Ex-Werft: Ganz klar, Amsterdam hat eine maritime Seele. Reiseführerautorin Annette Krus-Bonazza verrät, wo die Stadt am Wasser am schönsten ist - und was man mit einem Fahrrad in einer Gracht anfangen kann.

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Frau Krus-Bonazza, wo fängt der Tag in Amsterdam am schönsten an?

Auf der Brücke über der Singelgracht. Bei schönem Wetter gibt es nichts Herrlicheres, als sich ab 10 Uhr einen Tisch im Café Van Zuylen (Torensteeg 4) zu schnappen. Das bodenständige Frühstück mit Rührei, Sandwich oder Marmeladencroissant schmeckt vor allem wegen der zauberhaften Atmosphäre so gut: Der Kanal ist gesäumt von Amsterdams Giebelhäusern, die Gäste zelebrieren den Morgen neben dem Denkmal von Amsterdams erstem kolonialkritischen Schriftsteller Multatuli.

Wohin geht es nach dem Frühstück?

In den alternativ-schicken Stadtteil Jordaan jenseits der Prinsengracht: In den sechziger Jahren schwebte über diesem Viertel noch die Abrissbirne, dann wurde es von Hippies und Hausbesetzern reanimiert - und schließlich saniert. Touristen wie Amsterdamer lieben das Viertel nicht nur wegen der malerischen Grachten, sondern vor allem wegen der liebevoll begrünten Innenhöfe, der "Hofjes", urigen Nachbarschaftskneipen und originellen Geschäften.

Samstags ab 7 Uhr verkaufen Händler auf dem Bauernmarkt vor der Noorderkerk ihre frischen Waren: von Brot über Obst bis hin zu frischen Austern, die man direkt am Stand verspeisen kann - der Händler träufelt die Zitrone persönlich in die Schale.

Schöne Aussichten:

Eine guten Überblick über Amsterdam hat man vom Westertoren, dem 85 Meter hohen Kirchturm der Westerkerk. Interessanter ist aber die Aussicht vom Turm an der St.-Antonius-Schleuse (St. Antoniessluys), wo obendrein ein zum Café umgewidmetes, windschiefes altes Schleusenwärterhäuschen entzückt.

Wenn man dort über den Oudeschans-Kanal gen Hafen schaut, sieht man nicht nur alte Backsteinhäuser wie den Montelbaanstoren, einen Turm aus dem frühen 16. Jahrhundert, sondern auch moderne Architektur, zum Beispiel das Wissenschaftsmuseum Nemo vom Stararchitekten Renzo Piano, das aussieht wie ein Schiff. Von Juni bis September werden auf dem Dach des Gebäudes Liegestühle und Wasserbecken aufgebaut - dann fühlt man sich ein bisschen wie auf einem Kreuzfahrtschiff.

Wo baden die Amsterdamer im Sommer?

Im noch jungen Inselstadtteil Ijburg kann man am "wandernden" Sandstrand Blijburg in die Fluten des Ijmeers steigen und in der Sonne braten. Der 2003 eröffnete, gastronomisch gut versorgte Strand wechselt wegen der andauernden Bauarbeiten im Viertel seine Position und ist dennoch, oder gerade deshalb, Kult.

Die Mittagspause hier verbringen:

Blick aufs Ijmeer, Schiffe und neue Architektur - und dazu leckere Speisen - gibt es im Café-Restaurant Kanis & Meiland (Levantkade 127), das auch zu jeder anderen Tageszeit wegen seines göttlichen Cheesecakes einen Spaziergang wert ist.

Und wo gibt es den besten Apfelkuchen von Amsterdam?

Im Café Winkel (Noordermarkt 43): Hier kommt mehrmals am Tag frischer Kuchen aus dem Ofen. Herrliche Zitronen- und Schokoladentorte zaubern die Bäcker im Grachtencafé Spanjer & Van Twist (Leliegracht 60).

Einmal mit diesem Verkehrsmittel fahren:

Um sich Amsterdam vom Wasser aus anzugucken, muss es ja nicht immer eine klassische Grachtenrundfahrt sein. Lustiger ist es, ein Grachtenfiet zu mieten, um das Weltkulturerbe mit eigener Muskelkraft zu erkunden. Übersetzt heißt Grachtenfiet zwar Kanalfahrrad - gemeint ist jedoch schlicht ein Tretboot.

Gibt's nur hier:

Bei warmen Temperaturen machen viele Amsterdamer das Private öffentlich. Sie genießen ihr Mittag- oder Abendessen, das Feierabendbier oder den Dämmerschoppen auf einem Boot und schippern - offenbar ungestört von neugierigen Touristenblicken - vorbei an vollbesetzten Cafés über die Grachten. Andere sitzen auf den Eingangstreppen vor ihren Haustüren oder decken den Tisch direkt auf dem schmalen Bürgersteig, und das selbst an viel frequentierten Flaniermeilen wie der Prinsengracht.

Wahre Worte:

"Der Mythos der meisten anderen großen europäischen Städte ist vor allem der Mythos ihrer Monumentalität. Der Mythos Amsterdams ist vor allem der Mythos seiner Mentalität", schreibt der Schriftsteller und Stadtbiograf Geert Mak in seinem Buch "Amsterdam. Biographie einer Stadt" - übrigens eine ebenso kurzweilige wie lehrreiche Reiselektüre.

Wichtige Worte:

Weil in Amsterdam so gut wie jeder Englisch spricht, kommt man dort auch ohne Kenntnisse der Landessprache zurecht. Aus Höflichkeit sollte man sich dennoch "bitte" und "danke", also "alstublieft" und "dank U wel", merken und vielleicht noch dieses Verkehrsschild lesen können: "Geen fietsen plaatsen". Das bedeutet "Parkverbot für Fahrräder".

Umsonst und doch unbezahlbar:

Eine Verschnaufpause im mittelalterlichen Begijnhof mitten im Stadtzentrum.

Ein ausgefallenes Mitbringsel:

Kunterbunte Küchenutensilien von Kitsch Kitchen (Rozengracht 8-12), Kondome aus der farblich und geschmacklich gut sortierten Condomerie Het Gulden Vlies (Warmoestraat) - oder ein Schnäppchen vom Flohmarkt am Waterlooplein.

Amsterdams Kunstszene ist extrem vielseitig - wo erlebt man sie am besten?

Künstlerische und städtebauliche Ab- und Aufbruchstimmung ist auf dem NDSM-Gelände in Amsterdam-Noord zu erleben, wo der Strukturwandel noch in vollem Gange ist. Das Areal der 1984 bankrott gegangenen größten europäischen Werft ist ein Experimentierfeld der jungen Kunst-, Medien- und Architekturszene, so dass es dort allerlei Bemerkenswertes zu sehen und zu erleben gibt.

In einer ausgedienten Industriehalle namens "Kunststad" stehen und hängen Containerateliers, in anderen fanden ein Skaterpark und ein Aufnahmestudio von MTV ihr Domizil. Eine abgewrackte Kranbahn wurde mit einem postmodernen Büroriegel aus Stahl und Glas überbaut, und verteilt über die Industriebrache verblüffen temporäre Skulpturen.

Wohin des Nachts?

Die Kneipennacht beginnt entweder im Jordaan oder im charmanten Stadtteil De Pijp. Gemütlich ist das Café Krull am Sarpathi-Park (Sarphatipark 2), imposant das orientalische Restaurant Bazar in einer alten Kirche (Albert Cuypstraat 182).

Zum Tanzen geht es dann später ins Stadtzentrum, wo das Nachtleben pulsiert. Beliebte Clubs und Bars gibt es im Rotlichtviertel De Wallen und rund um Leidse- und Rembrandtplein: Für ein gutes Konzert sollten sich Amsterdam-Besucher das Programm im Melkweg (Lijbansgracht 234) ansehen. Schicker geht es im Jimmy Woo (Korte Leidsedwaarsstraat 18) und im Soho (Reguliersdwaarsstraat 36) zu.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Alles sehr richtig, aber...
axelkli 09.03.2012
nach Amsterdam fährt man ja nicht nur der schönen Grachten und des leckeren Apfelkuchens wegen, nicht wahr? Und daher fehlt eine wichtige Frage: welche sind die besten Coffeeshops?
2. aaa
AuchNurEinNick 09.03.2012
Zitat von axelklinach Amsterdam fährt man ja nicht nur der schönen Grachten und des leckeren Apfelkuchens wegen, nicht wahr? Und daher fehlt eine wichtige Frage: welche sind die besten Coffeeshops?
Tja, Da werden Sie u.a. bei Youtube fündig. ;-) Aber mal im Ernst, obwohl es um die Ecke liegt war ich erst einmal dort. Ist aber echt 'ne tolle Stadt. Ich kann jedem nur empfehlen einfach mal ein verlängertes WE dort zu verbringen.
3. ...wirklich alles?
kocakoc 09.03.2012
Ist das wirklich "alles" was man über Amsterdam zu berichten weiss, Frau Frau Krus-Bonazza? Ich finde die dortige Kaffeehauskultur auch erwähnenswert! Es wäre nicht nötig gewesen diesen Aspekt politisch Korrekt zu umschiffen, rein aus Pietätsgründen. Wir wissen doch alle warum sich ein Besuch dort wirklich lohnt auch wenn kaum einer die Courage besitz es zu zu geben! Ich jedenfalls freue mich jetzt schon auf die nächste Woche in der ich diese großartige Freistadt besuchen werde und vorallem gilt meine Vorfreude den Coffeeshops und deren einzigartigen Vielfalt an köstlichem Gras
4.
kocakoc 09.03.2012
Zitat von AuchNurEinNickTja, Da werden Sie u.a. bei Youtube fündig. ;-) Aber mal im Ernst, obwohl es um die Ecke liegt war ich erst einmal dort. Ist aber echt 'ne tolle Stadt. Ich kann jedem nur empfehlen einfach mal ein verlängertes WE dort zu verbringen.
Ich fände es im Ernst besser dieses Thema hier offen zu diskutieren
5.
axelkli 09.03.2012
Zitat von kocakocIch fände es im Ernst besser dieses Thema hier offen zu diskutieren
Ich finde "de Rokerij" ganz nett, ist aber auch schon recht überlaufen.
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Zur Person
Annette Krus-Bonazza, Jahrgang 1957, schreibt seit zehn Jahren für den Michael Müller Verlag. Die Historikerin aus Ostwestfalen veröffentlichte Reiseführer über Italien, Wien und Amsterdam.

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