Reisetipp Kopenhagen: Hauptstadt des guten Geschmacks

Radwege wie Laufstege, Avantgarde-Design im Rotlichtviertel, nächtliche Flirts im Schlachthof: Kopenhagen verführt zum Kaufrausch - und verschafft Besuchern echte Glücksgefühle. Reiseführer-Autor Christian Gehl über eine nordische Stilikone.

Städtetipp Kopenhagen: Frühstück bei Pussy Galore's Fotos
copenhagenmediacenter.com / Kasper Thye

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Wie startet man in Kopenhagen am besten in den Tag, Herr Gehl?

Mit einem Frühstück im Pussy Galore's Flying Circus: die Morgensonne spüren, das Treiben auf dem Sankt Hans Torv beobachten, Künstlerflair einatmen. Das geräumige Café liegt auf dem schönsten Platz von Nørrebro, Kopenhagens angesagtem Vielvölkerviertel. Von 8 bis 11 Uhr gibt es das Frühstück des Hauses für 46 Kronen (rund 6,20 Euro). Wer mehr will als einfachen Aufschnitt oder später kommt, kann für 125 Kronen (16,80 Euro) brunchen. Dann sind Pfannkuchen und frische Früchte inklusive.

Ein Stadtteil, den man auf keinen Fall verpassen sollte…
… ist Pisserenden. Früher war dies ein heruntergekommenes Rotlichtviertel mit Leuten, die in den Rinnstein pinkelten. Aber dann entdeckten Studenten der nahe gelegenen Uni den Bohème-Chic des Viertels. Kneipen machten auf und Boutiquen folgten. Heute sind die engen Gassen mit den bunten, alten Häusern voller junger Leute, die sich in Streetwear- und Dessousläden neuen Stoff besorgen. Hier werden Modetrends geboren - und bis zum nächsten Straßencafé muss man sich und die Shoppingtüten nach einem Kaufrausch nur wenige Meter weit schleppen.

Was kostet eine Dosis Koffein?

Die Preisspanne reicht von 19 Kronen (2,55 Euro) für einen Espresso bis 35 Kronen (4,70 €) für einen Cappuccino.

Das beste Bier der Stadt …

… fließt im Nørrebro Bryghus aus dem Zapfhahn. In der Ryesgarde 3 befindet sich eine der erstklassigen, in Kopenhagen sehr populären Mini-Brauereien. Vier kleine Biere (à 0,25 Liter) kosten 130 Kronen (17,44 Euro). Was aus deutscher Sicht nicht gerade günstig ist, klingt für die Schweden geradezu nach einem Schnäppchen. Sie kommen für dieses süffige und nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Bier extra über die Øresund-Brücke.

Noch teurer - aber auch noch besser - ist das Bier im Færgekroen Bryghus am Ufer des kleinen Sees im Tivoli. Ein halber Liter Lager kostet umgerechnet unglaubliche 55 Kronen (7,50 Euro). Dazu kommen 95 Kronen (12,75 Euro) Eintritt für den kleinen Vergnügungspark, der mit einer originellen Mischung aus Wasserspielen und Fahrgeschäften, Taj-Mahal-ähnlichen Hotels und chinesischen Pagoden Menschen jeden Alters anzieht - und das seit 1843! Jedes Jahr gibt es etwas Neues im Tivoli, vielleicht kommt er deshalb nie aus der Mode.

Schöne Aussichten auf Kopenhagen …

... hat man vom Runden Turm mitten im Stadtzentrum. 25 Kronen (3,45 Euro) wird man zwar auch hier los, aber dafür darf man einen echten Renaissance-Wendelgang hinaufspazieren. Keine Treppen wohlgemerkt, früher fuhren hier sogar Pferdewagen hoch, gepackt mit Büchern für die damalige, inzwischen aufgelöste Unibibliothek. 209 Meter sind zu überwinden, dann steht man auf einem Aussichtsrondell und hat freien Blick auf die Altstadt bis rüber zum Rathaus.

Einmal mit diesem Verkehrsmittel fahren:

Mit dem Ruderboot durch den Christianshavns-Kanal - romantischer geht's nicht! Eine Minute von der U-Bahn-Station Christianshavn liegt das beliebte Café mit dem Bootsverleih. Prächtige Häuser aus dem 19. Jahrhundert säumen die ruhige Wasserstraße, davor parken kleine Yachten, Motorboote und Segelschiffe. Zumindest hier am Wasser ist Christianshavn längst nicht mehr das Arbeiterviertel, das es einmal war.

Wohin in der Mittagspause?

Für eine ruhige Stunde: auf die sonnige Terrasse des Café Hacienda im hügeligen Ørsted-Park. Doch bevor man sich hier ein saftiges Sandwich gönnt, fix noch einen Spaziergang durch den botanischen Garten machen: Asiatische Pagodenbäume, europäische Kastanien und amerikanische Lederhülsenbäume säumen den Teich, auf großen Beeten wachsen Rosensträucher und Krokusse.

Für ein Bad in der Menge: zum Skuespilhuset, dem schönen Theaterneubau am Nyhavn. Das hauseigene Café Ofelia am Kanalufer bietet eine traumhafte Aussicht hinüber zur berühmten Oper von Henning Larsen.

Das gibt's nur hier:

Dänen sind geborene Innenarchitekten: Jedes Detail, jede Nische findet Beachtung und wird hyggelig gemacht. Hyggelig ist fast alles, was einem gut tut. Das kann eine bunte Blumendekoration in der Ecke sein, eine flauschige Decke, ein Gespräch unter Freunden - und Kerzen, ganz wichtig. In den beliebten Kneipen- und Shopping-Straßen Strædet und rund um die Kronprinsensgade wird dieser Lebensphilosophie besonders ausgiebig gehuldigt.

Klischee reloaded:

Es stimmt: Die Dänen strotzen vor Frohsinn. Kürzlich gaben 96 Prozent aller befragten Bürger in einer Studie zu Protokoll, dass sie mit ihrem Leben glücklich seien. Vielleicht ist die in ganz Skandinavien einflussreiche Morallehre Janteloven (Jante bedeutet auf Deutsch so viel wie Groschen, lov heißt Gesetz) dafür verantwortlich. Sie besteht aus zehn "Du sollst"-Geboten, die der Schriftsteller Aksel Sandemose 1933 in dem Roman "Ein Flüchtling kreuzt seine Spur" veröffentlichte. Darin prangert er Eigensinn, Stolz und Egoismus an - und tatsächlich ist es in Dänemark verpönt, sich über andere Menschen zu erheben, sie gering zu schätzen oder von oben herab zu behandeln.

Sozial-Knigge hin oder her, Fakt ist: Zehn Minuten in Kopenhagen reichen, um zu bemerken, wie freundlich und respektvoll die Menschen miteinander umgehen. Ob auf der Straße, in Geschäften, in der U-Bahn - überall lächeln die Menschen, wenn man sie anspricht.

Was sofort auffällt:

Fahrradfahren ist Kult in Kopenhagen: Die Stadt hat mehr Fahrräder als Einwohner und jeder Zweite fährt mit dem Cykel zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte. Die Dänen manövrieren ihre Räder umsichtig und rücksichtsvoll über die breiten Fahrradstreifen. Statt rasender Rechthaber mit Plastikhelm und Radlerleggings düsen schick gestylte Leute mit Lastenkorb vor der Lenkstange durch die Stadt.

Umsonst und doch unbezahlbar:

Das kostenlos zugängliche Statens Museum for Kunst sieht von außen bedenklich nach verstaubtem Gemäldearchiv aus, doch drinnen ändert sich der Eindruck sofort: Hell und hoch ist der Empfangsraum, übersichtlich die Anordnung der Säle mit vielen großen Namen des 20. Jahrhunderts. Zeitgenössische Kunst wird in dem Saal x-rummet und im modernen Anbau ausgestellt.

Ein ausgefallenes Mitbringsel …

…findet man mit ein wenig Ausdauer auf dem Flohmarkt an der Mauer des Assistens Friedhofs in der Nørrebrogade. Beginnend an der Ecke Kapelvej erstreckt sich hier jeden Samstag von 9 bis 14 Uhr auf über 300 Metern ein Trödel, der Einblicke in Kopenhagens private Wohnwelten erlaubt. Vielleicht findet sich darunter auch jenes coole Siebziger-Jahre-Designerstück, das zu Hause alle verblüfft.

Zur Abkühlung im Sommer:

Falls das wirklich mal notwendig sein sollte (20 Grad Celsius kommen im Kopenhagener Sommer häufig vor, mehr als 25 Grad jedoch sehr selten): Islands Brygge hat seit 2002 ein hübsches Freibad am Kanal. Liegewiesen, erstaunlich sauberes Hafenwasser, zwei Restaurants bei kostenlosem Eintritt. Architektonisch erinnert das Hafenbad an ein Schiffsdeck.

Für die Nacht:

Das ausgelassene Nachtleben ist einer der großen Trümpfe von Kopenhagen. Seit Jahren die Nummer eins: Das Vega in Vesterbro. Als Konzerthaus international bekannt und Bühne für die ganz großen Namen: von Prince bis Moby. Erstklassige DJs garantieren heiße Nächte. Manche wie Fatboy Slim und DJ Shadow sind weltberühmt, andere wie Skream & Benga sind vielleicht auf dem Weg dahin. Das Fünfziger-Jahre-Dekor in den zahlreichen, labyrinthartig angeordneten Räumen wurde mit dänischer Kunstfertigkeit modernisiert.

Ebenfalls in Vesterbro, auf dem Schlachthofgelände, das immer mehr zur angesagten Ausgehadresse wird, liegt Karriere, eine gekonnte Mischung aus Restaurant, Bar und Elektro-Club. Ab 23 Uhr wird hier hemmungslos geflirtet.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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1.
unterländer 31.08.2011
Zitat von sysopRadwege wie Laufstege, Avantgarde-Design im Rotlichtviertel, nächtliche Flirts im Schlachthof: Kopenhagen verführt zum Kaufrausch - und verschafft Besuchern echte Glücksgefühle. Reiseführer-Autor Christian Gehl über eine nordische Stilikone. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,781679,00.html
Da habe ich wohl immer Pech gehabt. Die angeblich 20 Grad, die im Sommer hin und wieder erreicht werden sollen, habe ich bei meinen letzten Besuchen dort eher nicht erlebt. Gut, es war immer Spätsommer, also die Zeit Ende August, Anfang September. Aber 20 Grad? Fahrenheit vielleicht. (O.k. das war Spaß, aber ohne Pulli war ich nie unterwegs.)
2. Skandinavische Metropolen
Oranje1848 01.09.2011
Also vor 2 Jahren hatten wir im September super Wetter in Kopenhagen. Man kann also auch Glück haben. Und die Stadt ist wie schon beschrieben absolut eine Reise wert. Ich verstehe sowieso nicht warum immer alle nur nach Paris, Rom und Barcelona fahren. Die skandinavischen Hauptstädte sind zwar kleiner und haben nicht immer so tolles Wetter, aber die entspannte Atmosphäre (man muss nicht ständig nach seinen Wertsachen schauen und die Leute sprechen fast alle Englisch) und die vielen kreativen Läden machen das allemal wett. Kopenhagen und Stockholm gehören für mich definitiv zu den tollesten Hauptstädten.
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Zur Person
  • Vanya Müller
    Christian Gehl, Jahrgang 1966, kennt Kopenhagen seit Anfang der neunziger Jahre. Für ein Update seines im Michael Müller Verlag erschienenen Reiseführers recherchierte er kürzlich vor Ort. Mit frischen Eindrücken im Kopf beantwortete er SPIEGEL ONLINE die wichtigsten Fragen zur dänischen Hauptstadt.